| Titel: | Belastung, Beanspruchung und Ressourcen bei Lehrkräften – Eine moderationsanalytische Perspektive auf Ressourcen und Zusammenhänge der Lehrkräftebeanspruchung mit der Unterrichtsqualität und den Schülerkompetenzen | Sprache: | Deutsch | Autor*in: | Sierau, Jakob Frederik | GND-Schlagwörter: | Psychische BelastungGND Ressourcen am ArbeitsplatzGND SchulleistungsmessungGND |
Erscheinungsdatum: | 2026-02-27 | Tag der mündlichen Prüfung: | 2026-07-01 | Zusammenfassung: | In der vorliegenden Arbeit wurde sich in Bezug auf insgesamt drei Fragestellungen damit auseinandergesetzt, 1) welche Zusammenhänge zwischen dem Belastungs- und Beanspruchungserleben der Lehrkräfte auf Basis der TIMSS-2019-Daten beobachtet werden können, 2) welche personalen und beruflichen Ressourcen des Lehrberufs das Belastungs- und Beanspruchungserleben der Lehrkräfte moderieren und 3) welche Zusammenhänge der Lehrkräftebeanspruchung mit schülerbezogenen Variablen bestehen. Als Grundlage für die Überlegungen dienten neben dem JD-R Modell von Bakker und Demerouti (2017; 2001) und dem integrativen Rahmenmodell zu Belastungen, Ressourcen und Folgen der Lehrbeanspruchung nach Cramer et al. (2018) auch das Rahmenmodell zur Betrachtung des Zusammenhangs von Schülerleistungen und deren Bedingungen (Hußmann, Wendt, Kasper et al., 2017). Insbesondere die moderierende Rolle der Ressourcen wurde bisher nicht suffizient untersucht. Ebenso gibt es bisher nur wenige Studien zu den Zusammenhängen der Lehrkräftebeanspruchung und schülerbezogener Variablen. Vor allem die naturwissenschaftlichen Kompetenzen der Schüler:innen wurden in diesem Kontext noch nicht betrachtet. Für die Analysen wurden die Daten von 3437 Schüler:innen sowie 216 Mathematik- und 218 Sachunterrichtslehrkräften ausgewertet, die in TIMSS 2019 erhoben wurden. Unter Berücksichtigung der Mehrebenenstruktur in TIMSS (Schüler:innen in Klassen) wurden Mehrebenenstrukturgleichungsmodelle berechnet, um die angenommenen Zusammenhänge zu untersuchen. Im Zuge der Analysen war es notwendig, die komplexen Modelle in zwei separate Schritte zu unterteilen. Dafür wurden in einem ersten Schritt die Zusammenhänge der Belastung, der Beanspruchung und der Ressourcen der Lehrkräfte untersucht. Hierfür wurden latente Interaktionen der Belastungsfaktoren und der Ressourcen definiert und geprüft, inwiefern diese die Beanspruchungsfolgen vorhersagen. Außerdem wurden zur Visualisierung der signifikanten Interaktionseffekte Johnson-Neyman-Plots berechnet. In einem zweiten Schritt wurden die Beanspruchungsfolgen in Zusammenhang mit der Unterrichtsqualität und den Kompetenzen der Schüler:innen betrachtet. Alle Analysemodelle wurden einmal für den Mathematikunterricht bzw. die mathematischen Kompetenzen und einmal für den naturwissenschaftlichen Sachunterricht bzw. die naturwissenschaftlichen Kompetenzen berechnet. Als zentrale Ergebnisse der Arbeit konnten unter Berücksichtigung der drei Fragestellungen der Arbeit folgende Befunde beobachtet werden: Sowohl Teile des herausfordernden Schülerverhaltens als auch das allgemeine Belastungserleben der Lehrkräfte sagen die Beanspruchungsfolgen Berufszufriedenheit und emotionale Erschöpfung signifikant vorher. Das herausfordernde Schülerverhalten in Form von (Mangel an) Schülerdisziplin ist dabei relevanter für die Berufszufriedenheit und die allgemeine Arbeitsbelastung relevanter für die emotionale Erschöpfung. Für die Ressourcen wurden signifikante Interaktionseffekte größtenteils bei den Sachunterrichtslehrkräften im Hinblick auf die Berufszufriedenheit gefunden. Dabei kann die Ressource Wissen über Klassenführung Effekte der Beeinträchtigung im Unterricht und die Ressource Schulleitung als Ansprechpartner Effekte der allgemeinen Arbeitsbelastung kompensieren. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Schulleitung in ihrer organisatorischen Funktion Effekte der allgemeinen Arbeitsbelastung entgegen der Erwartungen zusätzlich verstärkt. Weitergehend zeigen sich keine signifikanten Effekte der Ressourcen berufliche Selbstwirksamkeit und Austausch im Kollegium. Auch für die Zusammenhänge der Beanspruchungsfolgen Berufszufriedenheit und emotionale Erschöpfung zeigen sich nur sehr begrenzt Zusammenhänge mit den schülerbezogenen Variablen. Nur für die emotionale Erschöpfung und die wahrgenommene Unterstützung im Sachunterricht zeigen sich erwartungsgemäß signifikant negative Zusammenhänge, die unter Berücksichtigung der Kovariaten nicht stabil bleiben. Die Analysen der Arbeit geben Aufschluss darüber, dass sich die von den theoretischen Modellen und in der Literatur häufig angeführten moderierenden Effekte der Ressourcen nur in Teilen auf Grundlage der TIMSS-2019-Daten finden lassen. Aus der Arbeit leiten sich verschiedene forschungstheoretische Implikationen ab, die unter anderem die Fragen der Kausalität, die inhaltliche Passung der Ressourcen und der Belastungsfaktoren sowie die Zusammenhänge der Lehrkräftebeanspruchung mit schülerbezogenen Variablen betreffen. Insbesondere bei der Frage der Kausalität ist anzumerken, dass die querschnittlichen TIMSS-Daten keine Rückschlüsse über Wirkrichtungen der Effekte ermöglichen. Ausgehend von den angenommenen Wirkrichtungen bietet es sich an, das pädagogisch-psychologische Wissen der Lehrkräfte in Form von Wissen über Klassenführung zu stärken, um mit herausforderndem Schülerverhalten umzugehen und das berufliche Wohlbefinden der Lehrkräfte zu schützen. Diese Erkenntnis kann sowohl von Universitäten in der Lehrkräfteausbildung als auch von Schulen und Lehrkräften selbst bei der Ausgestaltung und Wahrnehmung von Fortbildungsprogrammen berücksichtigt werden. Bei der Rolle der Schulleitung ist es ebenfalls möglich, sowohl in Universitäten als auch in Schulen zu vermitteln, dass unterstützende konstruktive Beziehungen Effekte des Belastungs- und Beanspruchungserlebens kompensieren können. Gleichzeitig sollte Schulleitungen und Lehrkräften bewusst sein, dass ein hoher Organisationsgrad belastungsverstärkend wirken kann. Die angeführten berufsspezifischen Implikationen sollten dabei nicht separat von systemischen Rahmenbedingungen gesehen werden, die durch die Bildungspolitik definiert werden. |
URL: | https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/12488 | URN: | urn:nbn:de:gbv:18-ediss-139080 | Dokumenttyp: | Dissertation | Betreuer*in: | Kasper, Daniel Schwippert, Knut |
| Enthalten in den Sammlungen: | Elektronische Dissertationen und Habilitationen |
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| Datei | Beschreibung | Prüfsumme | Größe | Format | |
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