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Titel: Nicht letale Intoxikationen bei Kindern und Jugendlichen des Hamburger Untersuchungsgutes der Jahre 1997-2006
Sprache: Deutsch
Autor*in: Richter, Corina
Schlagwörter: Accidentielle Vergiftungen
GND-Schlagwörter: Vergiftung; Angewandte Toxikologie; Alkoholvergiftung; Blutalkohol; Alkoholmissbrauch; Drogen; Paracetamol; Kind; Jugend; Selbstmordversuch
Erscheinungsdatum: 2009
Tag der mündlichen Prüfung: 2010-02-05
Zusammenfassung: 
In dieser Dissertation mit dem Titel: „Nicht letale Intoxikationen bei Kindern und Jugendlichen des Hamburger Untersuchungsgutes der Jahre 1997-2006“, wurde vor allem auf folgendes eingegangen: Ermittlung der Verteilung und eventuelle Veränderung in der Häufigkeit, im Substanzspektrum und der Art der Intoxikationen, der Alters- und Geschlechtszuordnung und einer eventuellen Abhängigkeit von der Jahreszeit bei bestätigten Intoxikationen. Die dargestellte Studie ist eine retrospektive Analyse und wurde mit bereits vorhandenen Daten des Archivs des Arbeitsbereiches Toxikologie im Institut für Rechtsmedizin in Hamburg durchgeführt. Die Datenmenge betrug ca. 10.000 Fälle pro Jahr und musste so selektiert werden, dass sie unserem Untersuchungsgut entsprach.

Eingeschlossen wurden Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 21. Lebensjahr, von denen Proben mit der Frage einer Intoxikation analysiert wurden. Da es sich um eine retrospektive Auswertung handelte, stellte es sich teilweise als schwierig dar, unvollständig erfasste Daten zu ergänzen und zu beurteilen. Nicht alle Daten waren nutzbar und wurden nicht berücksichtigt, wenn keine eindeutige Zuordnung möglich war.
Entsprechende aktuelle Literatur, sowie die Medienpräsenz des Themas ließen eine Steigerung der Fallzahlen vermuten. Gezeigt hat sich allerdings bei den 0 bis 21-Jährigen innerhalb der Jahre 1997-2006 keine Steigerung der Anfragenanzahlen, sondern eher ein leichter Rückgang. Auch die Geschlechterverteilung zeigt allgemein betrachtet kaum Veränderungen. Werden nur die Befunde mit einem positiven Substanznachweis betrachtet, so zeigt sich ebenfalls keine deutliche Steigerung der Fallzahlen. Veränderungen ließen sich allerdings hinsichtlich der Konzentrationen darstellen, da im Verlauf der untersuchten 10 Jahre mehr Befunde mit Werten im toxischen Bereich auftraten.

Zu den Intoxikationsarten zählen: das Münchhausen-by-proxy-Syndrom (Mbp), accidentielle und iatrogen verursachte Intoxikationen, Identifikationsanalysen und Suizidversuchsfälle. Das Mbp-Syndrom und auch die iatrogen verursachten Intoxikationen sind auf Grund der geringen Anzahl, der schwierigen Diagnosestellung und damit der Einteilung in diese Gruppen, schlecht zu beurteilen. Die accidentiellen Vergiftungen zeigen eine konstante, eher fallende Tendenz, Identifikationsanalysen eine gleich bleibende Anzahl. Die bedeutendste Intoxikationsart ist die des Suizidversuches. Hier lag eine hohe Anzahl von durchschnittlich 58 Fällen pro Jahr vor, die Fallzahlen blieben allerdings über den Untersuchungszeitraum stabil bzw. waren sogar leicht rückläufig.

In der Altersgruppe der 0-7-Jährigen konnte festgestellt werden, dass das männliche Geschlecht etwas häufiger als das weibliche untersucht wurde, die Fallzahl aber annähernd gleich blieb. Wie zu erwarten war, entfallen die meisten der accidentiell einzuordnenden Fälle auf diese Altersgruppe.
Paracetamol war eine der am häufigsten nachgewiesenen Substanzen bei den Intoxikationen und stellt bei den Suizidversuchsfällen einen erheblichen Anteil dar. Die Geschlechter- und Altersverteilung ist deutlich zum weiblichen Geschlecht und zu den 15-21-Jährigen Patienten verschoben.

Die Anzahl der Fälle mit positivem Alkoholnachweis stieg im Untersuchungszeitraum an. Diese Häufung zeigt sich allerdings nur bei den 15-21-Jährigen. Besorgniserregend ist die Zahl der Fälle, die sich im toxischen Bereich befanden (³1,0‰), sie stieg von 8 Fällen 1997 (von insgesamt 12 Fällen) auf 50 Fälle 2006 (von insgesamt 61) an, prozentual gesehen ist der Anteil mit 80% im toxischen Bereich allerdings stabil geblieben.

Im Bereich der illegalen Drogen und Medikamente machten den größten Anteil der Fälle die Medikamente aus. Unter den Substanzen die umgangssprachlich als Drogen bezeichnet werden, (Cannabis, Kokain, Heroin u.a.) findet sich, wie auch in der Literatur angegeben, am häufigsten Cannabis. Eine Veränderung des Konsummusters ist nicht zu erkennen, die Fallzahl ist aber leicht rückläufig.

Die erwartete Häufung von Einsendungen aus Bezirken mit einem hohen Anteil an Jugendlichen und einem erhöhten Anteil an arbeitslosen Jugendlichen ließ sich nicht feststellen. Das Gegenteil ist der Fall: eine Häufung der Fallzahlen zeigte sich für die drei nördlichen Bezirke Hamburgs (Eimsbüttel, Hamburg-Nord und Wandsbek), die beiden Bezirke Bergedorf und Harburg, mit dem höchsten Anteil an Jugendlichen und dem höchsten Anteil an Jugendarbeitslosigkeit, lagen an letzter Stelle der Einsendungshäufigkeit. Die nördlichen Bezirke liegen räumlich nah am Institut für Rechtsmedizin, was die Schlussfolgerung zulässt, dass die Proben von dort aufgetretenen Fällen in dieses Labor gesandt werden. Andere Krankenhäuser nutzen eventuell räumlich nähere Labore, weshalb diese Fälle hier nicht berücksichtigt werden konnten.

Bei der Auswertung in Bezug auf die Jahreszeiten konnte, obwohl in der Literatur auch gegenteilig angegeben, keine jahreszeitliche Häufung erkannt werden.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/3085
URN: urn:nbn:de:gbv:18-48992
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Püschel, Klaus (Prof. Dr.)
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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