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Titel: Einflussfaktoren auf das Problemorientierte Lernen (POL) am UKE
Sonstige Titel: Influences on Problem Based Learning (PBL) at UKE
Sprache: Deutsch
Autor*in: Puttnies, Franziska
Schlagwörter: POL; Hybridcurriculum; Approbationsordnung; PBL; Problem Based Learning
GND-Schlagwörter: Problemorientiertes Lernen; Problemorientierter Unterricht
Erscheinungsdatum: 2010
Tag der mündlichen Prüfung: 2010-12-22
Zusammenfassung: 
Problemorientiertes Lernen (POL) wird seit 1969 in der medizinischen Ausbildung erprobt und kann nachhaltiges und praxisorientiertes Lernen fördern.
Die große Abhängigkeit von der Interaktion und der motivierten Mitarbeit in der Gruppe bedingt eine stärkere Störanfälligkeit gegenüber traditionellen Unterrichtsformen.
POL ist neben traditionellen Unterrichtsformen seit April 2004 in den sechs klinischen Unterrichtsblöcken des klinischen Curriculums (KliniCuM) am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) in einem so genannten Hybridcurriculum etabliert. Die studentische Evaluation des POL-Unterrichts am UKE zeigte sich im Vergleich der Themenblöcke und der POL-Gruppen inhomogen.
Audits der POL-Tutorien und eine gesonderte Evaluation sollten im Rahmen dieser Arbeit dazu dienen, detaillierte Informationen zur Durchführungsrealität der Tutorien zu gewinnen sowie mögliche Ursachen der stark variierenden Evaluationsergebnisse zu detektieren.
Im Erhebungszeitraum vom 30.04.-20.06.2007 wurden 57 POL-Tutorien auditiert. 495 Studierende und 57 POL-Tutoren nahmen an der Fragebogen-gestützten Evaluation teil. Die statistische Auswertung erfolgte mit dem Mann-Whitney-U-Test. Die Bonferroni-Korrektur des üblichen Signifikanzniveaus p = 0,05 ergab das korrigierte Signifikanzniveau pi = 0,00024752.
Die Evaluationsergebnisse zeigten eine überwiegend positive Einstellung zu POL: die Studierenden stimmten der Aussage „POL sollte im Studium bleiben.“ auf einer sechsstufigen Likert-Skala mit 4,14 zu, 6 entspricht der vollen Zustimmung. 88% der Tutoren befürworten den Einsatz von POL in der medizinischen Ausbildung.
Hinsichtlich der Durchführungsrealität der Tutorien führten die Audits zu folgenden wichtigen Ergebnissen: nur in 25% der Tutorien wurde der Zeitrahmen von 120 Minuten ausgeschöpft. In 12% der Tutorien wurde der vorangegangene Fall nicht mehr besprochen. In 77% der Tutorien gab es kein Feedback. In 21% der Tutorien dozierte der POL-Tutor zumindest zeitweise. In 74% der Tutorien war die POL-Gruppe nicht vollständig anwesend. 48% der POL-Gruppen waren unpünktlich. Die Gruppengröße bewerteten 19% der Studierenden als zu groß. Nur 23% der Studierenden bereiten zu jedem POL Tutorium ein Lernziel vor. Nur 14% der Studierenden konnten die Reihenfolge der POL-Schritte richtig angeben. In 26% der Unterrichträume fehlte ein Flipchart und in 43% eine Tafel. 35% der Räume hatten nicht genügend Tische.
Die Studierenden evaluierten zusätzlich mit Hilfe sechsstufiger Likert-Skalen, zum Beispiel zu Aussagen wie: „Ich fühle mich in meiner POL-Gruppe wohl.“ und „Ich profitiere vom POL-Unterricht.“ an. Hinsichtlich möglicher Einflüsse auf die Evaluation wurden verschiedene Faktoren geprüft.
Ein weiterer Teil der Arbeit beschäftigt sich mit möglichen Optimierungen und den Anregungen der auditierten Tutoren und Studierenden. 26% der Tutoren und 31% der Studierenden wünschten sich Änderungen an den verwendeten Paper-Cases: 10% der Studierenden nannten zum Beispiel das Weglassen der Überschriften.
Die Überarbeitung der POL-Fälle zeigt aktuell großes und einfach anzugehendes Potenzial, um die Attraktivität des POL-Unterrichts am UKE zu verbessern. Die aufgedeckten Schwierigkeiten in der Umsetzung des POL-Unterrichts am UKE sind keine curricularen Fehler. Vielmehr bietet das KliniCum die geeigneten Rahmenbedingungen für erfolgreiche POL-Tutorien.
Nach der Literatur ist das Hamburger POL-Konzept vorteilhaft gewählt: das Hybridcurriculm vereint die Vorzüge der traditionellen Lehrformen (bessere Prüfungsergebnisse) und die Vorzüge von POL (z.B. ansprechende Atmosphäre, Nachhaltigkeit des Lernens, impliziertes lebenslanges Lernen und Förderung der Soft Skills).
Probleme im POL-Unterricht begründen sich hauptsächlich auf Interaktionsschwierigkeiten innerhalb der POL-Gruppe und zwischen POL-Gruppe und Tutor und werden nahezu überall beschrieben, wo ein POL-Curriclum ins Leben gerufen wurde. Die Erwartung der Studierenden nach frontaler Unterrichtung entspringt dem gewohnten Umgang mit traditionellen Lehrformen und der Erfahrung der Studierenden aus der Vorklinik, entspricht jedoch nicht der POL-Konzeption.
Die veränderten Anforderungen der neuen Unterrichtsform POL müssen den Studierenden unbedingt deutlich kommuniziert werden, sonst kann es keine Identifizierung, keine Aktivierung von Motivation und keine individuelle Verantwortung für das Lernen geben. Damit wird der erwünschten Benefit, den POL-Unterricht bieten kann, verhindert.
Nur in der produktiven Zusammenarbeit der Gruppe und in der Identifikation mit der Unterrichtsform POL können sich die Vorzüge des POL-Unterrichts positiv entfalten und die Studierenden sich zu den teamfähigen, sozial engagierten, weit- und umsichtig kompetenten, eigenständigen und mitdenkenden Medizinern von morgen formen, welche die Gesellschaft erwartet.

Problem Based Learning (PBL) has been tested in medical training since 1969 and promises to promote long lasting and practice-oriented learning. The large dependence on the interaction and the motivated cooperation in the group causes a stronger susceptibility to interference in comparison to traditional instruction forms.
PBL was established beside traditional instruction forms in the six clinical instruction blocks of the clinical curriculum (KliniCuM) at university hospital Eppendorf (UKE) in a so called hybrid curriculum in April 2004.
Students evaluate PBL instruction at UKE very varying. Audits of PBL lessons and separate evaluations of students and tutors were used to win detailed information about PBL come out and to detect possible reasons of the strongly varying evaluation results. 57 PBL Tutorien were audited from 30.04.2007 till 20.06.2007.
495 students and 57 PBL tutors participated in the questionnaire-supported evaluation. For statistic evaluation the Man-Whitney -U test was used. The Bonferroni correction of the usual level of significance p = 0.05 resulted in the corrected level of significance pi = 0,00024752.
The evaluation results showed a predominantly positive attitude to PBL with the students. 88% of the tutors would like to deal with PBL in medical training in the future, too.
One part dealed with the reality in PBL lessons: only in 25% of the audits the timeframe by 120 minutes was fully used. In 12% of the audits the previous case was not discussed any longer. In 77% of the audits there was no feedback. 19% of the students evaluated the group size as to large. Only 23% of the students prepared for each PBL lessons a training aim. Only 14% of the students could indicate the order of the PBL steps correctly. In 26% of all class rooms a flipchart and in 43% a board was missing. In 35% the tables.
The students evaluated additionally with the help of six-level Likert scales, for example to statements how: „I feel well in my PBL learning group. “and „I benefit from PBL instruction.". Possible influences on the evaluation were examined.
A further part dealed with possible optimizations and the suggestions of the audited tutors and students. 26% the Tutoren and 31% of the students wished changes at the used Paper-Cases: 10% of the students would like to abolish headlines.
PBL cases can easily be redesigned to be up-to-date to improve the attractiveness of PBL instruction at the UKE. The uncovered difficulties in PBL instruction at UKE are not unique. Rather the KliniCum offers the suitable basic conditions for successful PBL lessons. Due to literature the hybridcurriculm offers both: advantages of the traditional training forms (better examination results) as well as the advantages of PBL (atmosphere, lastingness of learning e.g. responding, implied lifelong learning and promotion of Soft Skills). Problems in PBL instructions mainly due to interaction difficulties within the PBL group and between PBL group and tutor. That is almost everywhere described, where a PBL Curriclum was realized. Students expectations rise from usual traditional training forms and the experience of studying in pervious curricula, but do not match PBL conceptions. The requirements of PBL instructions must be communicated to the students absolutely clearly, otherwise there cannot be an identification, no activation of motivation and no individual responsibility for learning. Otherwise the desired benefit, that PBL instruction can offer, is not achievable.
Only in the productive co-operation of the group and in the identification with the PBL instructions, the advantages of PBL can unfold positively and can form the students to teamable, socially engaged, competent, independent and along-thinking medical professions, whom the society expects.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/4015
URN: urn:nbn:de:gbv:18-50999
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Püschel, Klaus (Prof. Dr.)
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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