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Titel: Der Einfluss von Störungsbild und Familienfunktion auf den Behandlungserfolg bei stationären und teilstationären kinder- und jugendpsychiatrischen Patienten
Sprache: Deutsch
Autor*in: Esser, Jens
Schlagwörter: Wirksamkeit; Behandlungserfolg; Kinder- und Jugendpsychiatrie; Familienfunktion; Behandlungssetting; Störungsbild; Patientenzufriedenheit; evaluation; outcome; psychiatric treatment; child and adolescent
GND-Schlagwörter: Evaluation; Psychiatrie; Lebensqualität
Erscheinungsdatum: 2013
Tag der mündlichen Prüfung: 2013-08-06
Zusammenfassung: 
Einleitung
Um die Wirksamkeit der stationären kinder- und jugendpsychiatrischen Therapie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie am UKE Hamburg zu ermitteln, wurde auf mehrere Fragebögen zurückgegriffen. Mit diesen ist es möglich, neben der Basisdokumentation die Symptomschwere, die Lebensqualität, die Behandlungszufriedenheit, abnorme intrafamiliäre Beziehungen und die individuelle Zielerreichung im Verlaufe der Behandlung zu verfolgen.
Anhand der Fragebögen wurde versucht, neben einer Behandlungsverlaufsbeschreibung im Prä-Post-Design, Prädiktoren für den Behandlungserfolg herauszufiltern, wobei der Behandlungserfolg über die Variablen Symptom- und Lebensqualitätsdifferenz zwischen Aufnahme und Entlassung, sowie Patientenzufriedenheit zur Entlassung definiert wird. Als diese Prädiktor-Variablen wurden das Behandlungssetting, das Störungsbild und die Familienfunktion gewählt.
Ziel dieser Behandlungsevaluationen soll es sein, eine Entscheidungshilfe zur Therapieoptimierung zu leisten und die Kosten-Nutzen-Effizienz zu belegen.
Hypothesen:
H1. Bei externalisierenden Störungen liegt bei stationärer Behandlung ein höherer Behandlungserfolg vor als bei der teilstationären Behandlung.

H2. Bei internalisierenden Störungen liegt bei teilstationärer Behandlung ein höherer Behandlungserfolg vor als bei der stationären Behandlung.

H3. Bei Familien mit ausgeprägter Familiendysfunktionalität liegt beim Patienten eine hohe Effektivität der Behandlung vor.

H4. Eine ausgeprägte Familienpathologie wirkt sich bei teilstationären Patienten negativer auf den Behandlungserfolg aus als die stationären Patienten.

Forschungsdesign
Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine klinisch-naturalistische Studie, die eine hypothesenprüfende nicht-experimentelle Ergebnis- und Wirksamkeitsevaluation in der Versorgungsforschung der Kinder- und Jugendpsychiatrie darstellt. Sie ist als prospektive Längsschnittstudie mit zwei Erhebungszeitpunkten gestaltet und umfasst eine Fallzahl von 332 Patienten, die im Rahmen der fortlaufenden Befragung zwischen 1999 und 2006 erhoben wurden. Es wurden Prä-Post-Veränderungsmessungen zwischen Aufnahme und Entlassung durchgeführt, sowie der prädiktive Wert der (unabhängigen) Variablen „Behandlungssetting“, „Störungsbild“ und „Familienfunktion“ für den Behandlungserfolg (als abhängige Variable). Als Untersuchungsperspektive dient dieser Arbeit in erster Linie die Patientenperspektive.

Auswertungsverfahren
Es erfolgte eine deskriptive Darstellung der Werte für Symptomatik und Lebensqualität im Behandlungsverlauf, sowie eine Darstellung der Werte für Behandlungszufriedenheit und Zielerreichung zur Entlassung. Hierbei fand eine Differenzierung in den jeweiligen Behandlungsrahmen (teilstationär bzw. stationär) statt.
Des Weiteren wurden zur Analyse von Zusammenhängen und Unterscheidungen bivariate Korrelationen (Spearman), T-Test und Regressionsanalysen gerechnet, um den Einfluss der Variablen Störungsbild, Behandlungsart und Familienpathologie auf den Behandlungserfolg zu untersuchen.

Ergebnisse und Diskussion
Dass es sich an der Kinder- und Jugendpsychiatrie des UKE um eine erfolgreiche Behandlung handelt, zeigen in erster Linie neben einer positiv bewerteten Patientenzufriedenheit und individuellen Zielerreichung die Prä-Post-Effektstärken für Symptomstärke und Lebensqualität zwischen Aufnahme und Entlassung. Diese gleichen oder übersteigen, für jede der Störungsgruppen, die aus Metaanalysen von störungsspezifischen Psychotherapien in der Kinder- und Jugendpsychiatrie resultierende durchschnittliche Effektstärke von d=0.85 (Smith 1980).

Einzig die Störungsgruppe der externalisierend auffälligen Patienten zeigt unter teilstationärer Behandlung ein im Behandlungsverlauf nahezu konstantes Häufigkeitsmaß und ein relativ hohes Auftreten von Behandlungsverschlechterungen. Dies wurde auch an den geringen teilstationären Prä-Post-Effektstärken zu allen Variablen des Behandlungserfolgs ersichtlich.
Es zeigt sich somit die Tendenz, dass externalisierend auffällige Patienten mehr von einer stationären als von einer teilstationären Behandlung profitieren. Bei den internalisierend auffälligen Patienten ergibt sich konträr dazu eine Tendenz zu einem besseren Behandlungserfolg, wenn diese teilstationär behandelt werden.
Die Untersuchung zum Zusammenhang der Behandlungserfolgsvariablen hat ergeben, dass der Schweregrad der psychischen Störung einen starken Bezug zur Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen aufweist. Dass die Symptomausprägung kaum eine Rolle für die Patientenzufriedenheit zu spielen scheint, deckt sich mit Erkenntnissen, nach denen bei Kindern und Jugendlichen die Zufriedenheit mit der Behandlung nicht von einer Symptomreduzierung, sondern hauptsächlich von einer Verbesserung der Lebensqualität und den Erlebensmaßen der Behandlung abhängt.
Ein hohes Auftreten von pathologischen Werten in der Familienfunktion scheint in Zusammenhang mit einer hohen Symptomreduktion und Lebensqualitätszunahme zu stehen. Dieser Zusammenhang fällt stärker unter teilstationärer als unter stationärer Behandlung aus. Hiermit wurde eine neue Hypothese generiert, welche konträr zur ursprünglichen Erwartung und Hypothese verläuft.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/5073
URN: urn:nbn:de:gbv:18-63632
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Romer, Georg (Prof. Dr.)
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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