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Titel: Untersuchungen zur morphologischen und farblichen Entwicklung von Leichenflecken
Sprache: Deutsch
Autor*in: Scholz, Jula
Schlagwörter: Leichenflecke; Farbgebung; Morphologie
GND-Schlagwörter: Rechtsmedizin
Erscheinungsdatum: 2012
Tag der mündlichen Prüfung: 2014-02-24
Zusammenfassung: 
In der vorliegenden Arbeit wurden die morphologischen und farblichen Entwicklungen von Leichenflecken (Livores) mit Methoden der digitalen Fotografie untersucht. Hierzu erfolgte die fotografische Dokumentation der Leichenfleckentwicklung über einen Zeitraum von acht Stunden bei Verstorbenen mit einem maximal zwei Stunden zuvor erfolgten Todeseintritt. Die Bildanalyse erfolgte computergestützt: Zur Auswertung der Farbentwicklung der Livores wurden die RGB-Werte ermittelt. Für die Auswertung der morphologischen Entwicklung der Livores wurde aus den seriellen Aufnahmen ein Zeitraffervideo erstellt. Auf Grund des für die Untersuchungen notwendigen sehr kurzen postmortalen Intervalls von nur zwei Stunden bei Untersuchungsbeginn, konnten lediglich zwölf Verstorbene in die Studie eingeschlossen werden.

Die Auswertung der morphologischen Totenfleckentwicklung ergab große interindividuelle Unterschiede. Dennoch ließen sich die folgenden prinzipiellen Ergebnisse ableiten:
1. Alle Verstorbenen wiesen zu Beginn der Dokumentation bereits Leichenflecke auf. Diese waren in allen Fällen bei Untersuchungsbeginn bereits flächenhaft ausgebildet. Daraus lässt sich ableiten, dass ein Konfluieren der Totenflecke bereits in den ersten 1-2 Stunden nach dem Tod auftreten kann. Ein weiteres Konfluieren der Livores war bis zu neuneinhalb Stunden nach Todeseintritt zu beobachten. Zeitpunkt der Ausbildung, Form und Position der Aussparungen unterlagen einer großen Variationsbreite.
2. In sieben Fällen zeigte sich ein Auftreten weiterer Livores neben bereits bestehenden Leichenflecken. Dieses Phänomen war zumeist innerhalb der ersten drei Stunden nach Todeseintritt zu beobachten, in Einzelfällen jedoch bis zu neun Stunden nach Todeseintritt.
3. In sechs Fällen zeigte sich eine Ausbildung von nicht-druckbedingten Aussparungen innerhalb flächenhaft ausgebildeter Livores. Diese Beobachtung ist in der Literatur bislang nicht beschrieben worden. Die Beobachtung dieses Phänomens ist für kriminalistische Fragen von Bedeutung, wie z.B. der postmortalen Lageveränderung des Leichnams.
4. Nur geringe dynamische Veränderungen waren bei sechs Verstorbenen zu beobachten. Als mögliche Erklärungsansätze zeigten sich ein höheres Lebensalter, ein hoher BMI, Anämien, stark pigmentierte Haut oder ein hoher Bauchfettgehalt.

Die Auswertung des subjektiven Farbeindrucks zeigte in sieben seriellen Aufnahmen, dass die Livores im zeitlichen Verlauf an Helligkeit abnahmen. Diese Beobachtungen fanden ihre Entsprechung in abnehmenden RGB-Werten.
Die Auswertung des subjektiven Farbeindrucks wies eine Tendenz zur Zunahme der Blauanteile der Leichenflecke im postmortalen Verlauf auf. In photographischen Serien mit großer Dynamik in der Morphologie imponierten die Livores bei Dokumentationsbeginn rötlichblau. Im Verlauf erfolgte ein Farbumschwung nach blau-rot. Mittels der Analyse der RGB-Werte konnte dieser Eindruck jedoch nicht objektiviert werden.
Eindeutige Ergebnisse des farblichen Verlaufs konnten im Hinblick auf die Eingrenzung des Todeszeitpunkts nicht erhoben werden. Die beschriebenen Tendenzen (Abnehmende RGB-Werte und subjektiv dunklere Färbung der Livores im zeitlichen Verlauf) beinhalten jedoch Potential für weitere Untersuchungen.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/5315
URN: urn:nbn:de:gbv:18-66397
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Püschel, Klaus (Prof. Dr.)
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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