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Titel: Früh-postmortale Veränderungen des Gehirns und der Nasennebenhöhlen in der Computertomographie
Sprache: Deutsch
Autor*in: Schüttfort, Victor
Schlagwörter: früh; post-mortal; postmortem; post mortem brain edema; post mortem cerebral edema; post mortem changes brain
GND-Schlagwörter: Computertomographie; ct; Gehirn; Nasennebenhöhle; Änderung; Hirnödem
Erscheinungsdatum: 2013
Tag der mündlichen Prüfung: 2014-12-19
Zusammenfassung: 
Diese Arbeit untersucht quantitativ früh-postmortale Veränderungen im Kopfbereich, mit besonderem Bezug auf das Gehirn und die Nasennebenhöhlen. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Untersuchung eines vermuteten postmortalen Hirnödems. Des Weiteren ist es Ziel dieser Arbeit, das Verhalten von Gasvorkommnissen zu untersuchen, sowie Flüssigkeitsverschiebungen in den Nasenebenhöhlen zu analysieren.
Es wurden postmortale Veränderungen bei insgesamt 85 Verstorbenen analysiert. Das wichtigste Einschlusskriterium war, dass seit dem Zeitpunkt des Todes nicht mehr als sechs Stunden verstrichen waren (Mean= 3:26 Stunden). N=47 der Leichen wurde warm gelagert (ca. 22°), n=38 wurde gekühlt gelagert (ca. 4°). Bis zur 24. Stunde post mortem wurde im Abstand von je sechs Stunden ein CT-Scan durchgeführt. Bei den warm gelagerten Leichen wurde nach Möglichkeit nach 36 Stunden, bei den kaltgelagerten Leichen nach 48, 72 und 96 Stunden noch ein Scan durchgeführt. Die Bilder wurden mit Hilfe der DICOM-Viewer Software Osirix bearbeitet. Zuerst wurde eine CT-Serie erstellt, die das gesamte Gewebe intrakraniell isoliert darstellt (sog. Hirngesamt-Serie). Aus dieser Serie wurden dann drei weitere Serien erstellt, je eine für die Darstellung des Hirngewebes, für den hoch parietalen Bereich des Hirngewebes und für die Darstellung des Liquorsystems. Die Erstellung erfolgte mittels der Definition von Rangebereichen aufgrund von Hounsfield-Werten (HE-Werten). Mit Hilfe von der Analysesoftware Mango wurde bei den verschiedenen Serien das Volumen und die Dichte der Hirnkonstrukte gemessen.
Bei Leichen mit Gasvorkommnissen wurde jeweils der Verlauf des Gehalts von intrakraniellem Gas gemessen.
Im Sinus maxillaris und Sinus sphenoidalis wurde jeweils über die Serie hinweg der Gehalt von freier Flüssigkeit gemessen.
Es zeigte sich in den ersten 24 Stunden eine Zunahme des Hirnvolumens um 11,81 % (p<0,001), eine Abnahme der Liquor-Serie um -39,65 % (p<0,001) und eine Zunahme der Parietal Serie um 17,71 % (p=0,004). Bei allen drei Serien traten die stärksten Veränderungen früh-postmortal auf. Nach 24 Stunden ließ sich keine signifikante Volumenzunahme in der Hirnvolumen-Serie und der Parietal-Serie mehr beobachten. Lediglich für die Liquor-Serie ließ sich eine weitere signifikante Abnahme des Volumens beobachten. Bei der Analyse der Kofaktoren fiel auf, dass die Lagerungstemperatur einen hoch
signifikanten Einfluss auf die Entwicklung des Hirnödems hat. Bei kalt gelagerten Leichen war die Zunahme des Hirngewebes fast doppelt so stark ausgeprägt wie bei warm gelagerten Leichen (p=0,002). Auch im Liquorsystem zeigte sich eine deutlich verstärkte Abnahme unter Kaltlagerung (47,67%) im Vergleich zur Warmlagerung (29,28%,) (p=0,001). Des Weiteren zeigte sich eine Beeinflussung des postmortalen Hirnödems durch das Alter, sowie durch mögliche vorangegangene Reanimationsversuche.
Bei der Untersuchung der Leichen mit Gasvorkommnissen im Gehirn (n=8) fiel auf, dass besonders bei warm gelagerten Leichen (n=6) und Sepsis-Patienten eine verstärkte Zunahme des Gasgehalts zu beobachten war.
Bei der Untersuchung der Flüssigkeitsverhältnisse im Sinus sphenoidalis ließ sich eine Zunahme des Flüssigkeitsvolumens um 0,271ml beobachten (p<0,001). Für den Sinus maxillaris ließ sich keine statistisch signifikante Volumenveränderung beobachten. Auch nach 24 Stunden ließ sich im Sinus sphenoidalis eine geringe Zunahme des Volumens beobachten, sowohl unter Warm- als auch unter Kaltlagerung.
Die Ergebnisse der Volumetrie des Hirngewebes können als Ausprägung eines postmortalen Hirnödems interpretiert werden. Es kommt zu einer Zunahme des Hirngewebes, welche das Liquorsystem komprimiert. Diese Ergebnisse könnten bedeuten, dass es sich bei der postmortal gestellten Diagnose „Hirnödem“ unter Umständen um ein Artefakt handelt, welches einen physiologischen Prozess darstellt und erst postmortal auftritt. Da das Ausmaß der Volumenveränderung teilweise sehr ausgeprägt war und die Veränderungen auch sehr früh einsetzten, ist es wichtig, das postmortale Hirnödem als solches zuerkennen, um eventuelle Fehlinterpretationen von Befunden auszuschließen.
Bei den Leichen mit Gasvorkommnissen zeigte sich, dass insbesondere Sepsis-Patienten einen erhöhten und größer werdenden intrakraniellen Gasgehalt aufweisen. Als Grund dafürkönnte die erleichterte Bildung von Fäulnisgasen angenommen werden. Die signifikante Zunahme des Flüssigkeitsgehalts des Sinus sphenoidalis im Vergleich zum Sinus maxillaris könnte sich durch die anatomische Lage des Ostiums erklären. Der Sinus sphenoidalis ist die in Rücklage am weitesten dorsal gelegene Nasennebenhöhle, wobei das Ostium relativ ventral liegt. Aufgrund dieser Lageverhältnisse kommt es leicht zu einem Einstrom von Flüssigkeit, nicht aber zu einem Abfluss.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/5746
URN: urn:nbn:de:gbv:18-71661
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Püschel, Klaus (Prof. Dr.)
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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