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Titel: Vergleich der First-Line-Versorgung von Geflüchteten in einer Hamburger Erstaufnahme-Einrichtung mit der primärärztlichen Regelversorgung in Bezug auf Patientenklientel, Morbiditätsspektrum und Leistungsgeschehen
Sonstige Titel: Comparison of the first-line care for refugees in a main reception centre in Hamburg, Germany with regular primary care regarding patients, morbidity spectrum and performance
Sprache: Deutsch
Autor*in: Schlichting, Dana
Schlagwörter: Konsultationsanlass; Behandlungsverlauf; Behandlungsepisoden; Refugee; Primary care; ICPC; episodes of care; Germany
GND-Schlagwörter: Flüchtling; Primäre Gesundheitsversorgung; ICPC; Deutschland; Hamburg; Krise; Morbidität; Leistungsfähigkeit; Behandlung; Lager <Unterkunft>
Erscheinungsdatum: 2019
Tag der mündlichen Prüfung: 2019-11-18
Zusammenfassung: 
Hintergrund:
Bei der sogenannten Flüchtlingskrise in den Jahren 2015/16 kam es zu einem drastischen Anstieg der Anzahl nach Europa einreisender Geflüchteter. Von allen deutschen Großstädten nahm Hamburg die meisten Menschen auf. Hiermit war und ist die Notwendigkeit der Sicherstellung einer adäquaten medizinischen Versor-gung verbunden. Es wurden in Hamburg zu diesem Zweck eine elektronische Ge-sundheitskarte und First-Line-Sprechstunden in allen Erstaufnahmeeinrichtungen (EAs) eingeführt. Von 11/2015 bis 07/2016 übernahm das Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin am UKE (IPA) mit Unterstützung eines Videodolmetschsystems die Sprechstunde in der EA Rugenbarg, einer ehemaligen Baumarkthalle mit über 1500 Bewohner_innen. Sämtliche Konsultationen wurden vollständig in einer Datenbank dokumentiert und standen der hier vorliegenden Auswertung zur Verfügung.

Fragestellung:
War die primärärztliche First-Line-Versorgung Geflüchteter in einer Hamburger EA sowohl in Bezug auf Patientenklientel, Morbiditätsspektrum und Leis-tungsgeschehen als auch in Bezug auf das erreichte Versorgungsniveau mit der pri-märärztlichen Versorgung der Allgemeinbevölkerung vergleichbar? Stellt sie eine mögliche Grundlage für eine zukünftige Versorgungsplanung dar?

Methode:
Eine pseudonymisierte repräsentative Stichprobe von 35 % (2159) aller Konsultationen, die von 11/2015 bis 07/2016 in der EA dokumentiert wurden, wurde nach der International Classification of Primary Care, second edition (ICPC-2) in Konsultationsanlässe, Diagnosen und Prozeduren codiert, woraus Behandlungsepi-soden gebildet wurden. Zur statistischen Auswertung wurde IBM®SPSS® verwendet.

Ergebnisse:
Es handelt sich bei den Patient_innen um eine sehr junge (Ø 24 J.), überwiegend männliche (63 %) Gruppe. Die Diagnosen betrafen am häufigsten Atmungsorgane (32 %), Haut (14 %), Bewegungsapparat (10 %) und Verdauungs-system (9 %). Morbiditätsspektrum und qualitative Behandlungsbedarfe entsprechen insgesamt denen der deutschen Allgemeinbevölkerung. Unterschiede bestanden vor allem bei den altersbedingten Häufigkeiten von Konsultationsanlässen und Diagno-sen. In 13 % der Behandlungsepisoden wurden Erkrankungen über einen Zeitraum von mehr als 4 Wochen behandelt. 88 % aller Behandlungsepisoden nahmen günsti-ge Verläufe ohne Weiterleitungen.

Schlussfolgerungen:
Die Ergebnisse dieser Untersuchung ermöglichen ein besse-res epidemiologisches Verständnis und bieten eine erste Grundlage für die Qualitäts-sicherung in der medizinischen Versorgung Geflüchteter. Eine besondere Anforde-rung an Ärzt_innen ist die Anpassung an eine größere Patient_innen-Vielfalt und ad-ministrative Gegebenheiten. Das untersuchte Konzept einer primärärztlichen First-Line-Sprechstunde erwies sich als effektiv und stellt ein geeignetes Modell für eine zukünftige Versorgungsplanung dar.

Introduction:
During the so-called Refugee Crisis of the years 2015/16, numbers of refugees immigrating to Europe drastically increased. Of all bigger German cities, Hamburg accommodated the greatest number of people, which required the provi-sion of adequate health care. For this purpose, first-line consultation hours were in-troduced at all reception centres (RCs) in Hamburg. From 11/2015 to 07/2016, the Institute and Polyclinic of General Medicine (IPA) of the University Medical Centre Eppendorf (UKE) executed the consultations in the RC Rugenbarg, a former hard-ware store with over 1.500 occupants, with the support of a video interpreting sys-tem. All consultations were thoroughly documented in a data base available to this analysis.

Objectives:
Was the first-line care for refugees in a RC in Hamburg comparable to the primary care for the general population regarding patients, morbidity spectrum and performance as well as the achieved level of care? Does it provide a basis for conceptual designs of care in the future?

Methods:
A pseudonymized representative random sample of 35 % (2159) of all consultations that had been documented in the RC between Nov. 2015 and July 2016 was coded according to the structure of Reasons for Encounter (RfEs), Diag-noses and Procedures using the International Classification of Primary Care, second edition (ICPC-2), which enabled the creation of Episodes of Care. IBM® SPSS® was used for statistical analyses.

Results:
The patients were relatively young (Ø 24 y.) and male by majority (63 %). Diagnoses affected primarily the respiratory system (32 %), skin (14 %), locomotor system (10 %) and digestive system (9 %). The observed morbidity spectrum as well as medical needs overall conform to those of the German general population. Differ-ences exist primarily regarding frequency distribution of RfEs and diagnoses related to demografic characteristics. 13 % of episodes of care ran over a course of more than 4 weeks. 88 % of the entirety of courses of treatment were uncomplicated and did not require referrals.

Conclusion:
The results of this study provide a better epidemiological understanding as well as a first basic concept of quality assurance in medical care for refugees. A special requirement for physicians consists in adapting to a greater patient diversity and administrative conditions. The concept of first-line primary care consultation hours for refugees proved to be effective and is a suitable model for conceptual de-signs of care in the future.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/6098
URN: urn:nbn:de:gbv:18-101445
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Scherer, Martin (Prof. Dr.)
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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