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Titel: Pathologische Blicke : Bilder bärtiger Frauen zwischen Kunst- und Medizingeschichte
Sonstige Titel: The pathological gaze : Images of bearded women in history of art and history of medicine
Sprache: Deutsch
Autor*in: Kunze, Sophia
GND-Schlagwörter: Medizingeschichte; Kuriosität; Geschlecht; Narrativ; Bildwissenschaft; Bildnis; Bart; Norm; Pathologie; Malerei
Erscheinungsdatum: 2019
Tag der mündlichen Prüfung: 2018-01-12
Zusammenfassung: 
Die Arbeit untersucht die Bildgeschichte bärtiger Frauen. Dabei wird auf zwei Zeiträume fokussiert, 1450-1640 und 1850-1920. Leitende Frage der Arbeit ist die nach der Genese normativer Kategorien, hier explizit der Kategorien Geschlecht und Gesundheit. Die Untersuchung geht von der Beobachtung aus, dass bestimmte Bilder, unter ihnen die Darstellungen bärtiger Frauen, immer nur pathologisierend rezipiert werden. Dies ist dem Umstand geschuldet, so die These, dass die Narrative, die durch die Bilder aufgerufen werden, nicht offengelegt und dadurch nicht diskursiviert werden. Entsprechend wird der Versuch unternommen, einen bildanalytischen Zugang aufzuzeigen, der jenseits pathologischer Zuschreibung visuelle Strategien offenlegen kann. Im Verlauf der Arbeit werden Ölporträts und Grafik der Frühen Neuzeit betrachtet, sowie die protowissenschaftlichen Bedingungen, die in dieser Zeit die Wahrnehmung und Bewertung bärtiger Frauen lenkt. Das Ergebnis dieses ersten Teils ist die Beobachtung, dass entgegen der Behauptung einer „wahren“ Abbildung, die alle diese Bilder liefern, das Sujet hochgradig visuell kodiert ist und in der Darstellung bärtiger Frauen ganz spezifische, komplex kodierte Typen aufgerufen werden. Das gleiche Ergebnis liefert die Analyse des zweiten Zeitraums, nur entstehen aufgrund anderer angelagerter Wissensfelder neue Narrative und entsprechend neue visuelle Strategien. Entsprechend werden in der Folge die Bedingungen dieser Verschiebung untersucht, die schließlich in unserer modernen kategorischen Ordnung mündet. Auf all diesen Ausführungen aufbauend wird anschließend untersucht, in welchem Verhältnis kunsthistorisches und medizinisches Wissen stehen. Dabei kann gezeigt werden, dass in moderne medizinische Beweisführungen oftmals historische Bildbeispiele eingebaut werden und umgekehrt Kunsthistorikerinnen wiederum medizinische Erläuterungen zu den Bildern anführen. Das Ergebnis der Bildanalysen zeigt, dass damit auf der einen Seite den Bildern in ihrer medialen Qualität nicht genüge getan wird und auf der anderen Seite Konzepte von Krankheit naturalisiert und aufgrund ihrer scheinbaren Historizität essentialisiert werden. Dies führt zu einer normativen Gestaltung von Körpern. Die Nachhaltigkeit der Narrative wird abschließend anhand zweier gegenwärtiger Beispiele verdeutlicht.

The thesis analyses the visual history of bearded women, focussing two periods, 1450-1640 and 1850-1920. The focal point consists of always asking for the genesis of normative categories, in this case ‘gender’ and ‘health’. The analysis is based on the observation that certain images, such as bearded women, are only looked at with a clinical view. This is due to the fact that narratives evoked by visual strategies are not disclosed. Therefore a visual analysis shall be presented to look at those images without a pathological attribution. First step of the analysis focusses on portraits of bearded women from 1450-1640, as on their perception and social status. The conclusion of this part is that to make a bearded woman visible, certain image strategies are used conveying certain narrative values. Therefore the images reproduce a certain type, which becomes the only way of representing and therefore being a bearded woman. A similar conclusion is drawn from the second part of the analysis, though the narratives have changed or are legitimized by other means. Therefore the conditions of this shift are looked at, which in the end lead to our current status of describing bearded woman. The final question therefore is, how visual analysis is structured by clinical argumentations and how medical analysis uses historical images to legitimize current definitions of illness. In a final conclusion it is shown, looking at two contemporary examples, that the narratives and how they are applied, have not changed much.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/6130
URN: urn:nbn:de:gbv:18-101935
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Wenderholm, Iris (Prof. Dr.)
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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