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Titel: Characterization of Candidatus Nitrotoga and its Competitiveness in Co-Culture with Nitrospira
Sonstige Titel: Charakterisierung von Candidatus Nitrotoga und seine Konkurrenzfähigkeit in Co-Kultur mit Nitrospira
Sprache: Englisch
Autor*in: Wegen, Simone
Schlagwörter: Nitrifikation; Nitrit-oxidierende Bakterien; Nitrotoga; Nischendifferenzierung; Nitrification; nitrite-oxidizing bacteria; Nitrotoga; niche partitioning
Erscheinungsdatum: 2017
Tag der mündlichen Prüfung: 2018-01-29
Zusammenfassung: 
Nitrification is a crucial microbial process during nitrogen removal in wastewater treatment plants (WWTPs) and recirculating aquaculture systems (RAS), where ammonia-oxidizing microbes (AOM) and nitrite oxidizing bacteria (NOB) prevent the accumulation of highly toxic ammonia and nitrite. NOB of the genus Nitrospira are usually detected in activated sludge or biofilters. However, Nitrotoga was recently reported as the main NOB in WWTPs, alone or in coexistence with Nitrospira. Their frequent detection in the same habitat raises the question of niche separation between these two genera.
The candidate genus Nitrotoga was first described as a cold-tolerant NOB with a distinct large periplasm. In contrast to Nitrospira-like NOB, only a few Nitrotoga members have been enriched, cultured, and characterized. Since their 16S rRNA gene sequences are nearly identical (> 99% similarity), assigning species within the genus based on sequence data alone is difficult. Four highly enriched Nitrotoga cultures sampled from different habitats were available for a comparative characterization, including physiology, phylogeny, and morphology. Based on results from these tests, cultures were selected for competition experiments with Nitrospira to determine factors enabling niche partitioning.
While they showed similar morphological features, each Nitrotoga culture was characterized by distinct physiological properties. Nitrotoga arctica (permafrost soil, active layer) and Nitrotoga BS (activated sludge) shared the same optimum temperature of 17°C, whereas Nitrotoga HW (biofilter RAS) and Nitrotoga 1052 (permafrost soil, bore core) grew best at 22°C. The cold adaption of the genus was confirmed by high activity down to 4°C but inhibition above 25 to 28°C. Regarding the pH, Nitrotoga tolerated alkalinity (about pH 8) better than acidity (about pH 6) in general. Nonetheless, Ntg. arctica and Nitrotoga HW had their optimum in the slightly acidic to neutral range, while Nitrotoga 1052 and Nitrotoga BS preferred slightly alkaline surroundings. The cultures were furthermore characterized by tolerating ammonium concentrations of 25 to 40 mM, and Nitrotoga BS was actually dependent on supplementation of ammonium. Nitrotoga were more easily affected by nitrate, and nitrite showed the most severe inhibitory effect at concentrations below those reported for most Nitrospira. The four Nitrotoga cultures could also be distinguished by the gene encoding the nitrite oxidoreductase, the key enzyme for nitrite oxidation, with lower similarities than on 16S rRNA gene level.
Ntg. arctica and Nitrotoga BS were selected for co-cultivation experiments with Nitrospira defluvii in batch reactors operated at 17°C and different pH of either 6.4 or 7.4. Their abundance was evaluated by qPCR and FISH. Nitrotoga BS was clearly favored by its optimal growth conditions. It predominated over Nsp. defluvii at pH 7.4 with at least 94% relative abundance, but was suppressed at pH 6.4. In contrast, Ntg. arctica could not exploit its optimum at pH 6.4 and 17°C, but predominated at pH 7.4 as well, although it was not as abundant as Nitrotoga BS.
The positive influence of low temperature on Nitrotoga was also observed in a cold-freshwater RAS that was monitored from start-up over nearly two years. With a mean water temperature of 13°C, Nitrotoga found excellent conditions to colonize the biofilters, and was consistently detected together with Nitrospira. However, it was lost after disinfection with peracetic acid and hydrogen peroxide was implemented, whereas Nitrospira remained abundant in the biofilters.
These results underline the physiological and phylogenetic diversity within the genus Nitrotoga. They also demonstrate the positive selective effect of temperatures below 20°C on its competitiveness against Nitrospira, while pH plays a minor role. Together with recent publications, this work emphasizes the importance of Nitrotoga in engineered habitats and closes the knowledge gap in comparison to other NOB genera.

Die Nitrifikation ist eine wichtige mikrobielle Reaktion bei der Stickstoffentfernung in Kläranlagen und Kreislaufanlagen für die Aquakultur, bei dem Ammoniak-oxidierende Mikroorganismen (AOM) und Nitrit-oxidierende Bakterien (NOB) die Anhäufung von hoch toxischem Ammoniak oder Nitrit verhindern. Für gewöhnlich dominieren NOB der Gattung Nitrospira in diesen Systemen. In letzter Zeit wurde jedoch Nitrotoga immer wieder als NOB in Kläranlagen gefunden, alleine oder in Koexistenz mit Nitrospira. Die häufige Beobachtung im selben Habitat wirft die Frage nach der Nischenbildung zwischen beiden NOB auf.
Die Candidatus-Gattung Nitrotoga wurde erstmals als Kälte-adaptiert mit auffällig vergrößertem Periplasma beschrieben. Im Gegensatz zu Nitrospira-ähnlichen NOB sind bisher nur wenige Vertreter von Nitrotoga angereichert, kulturviert und charakterisiert worden. Da ihre 16S rRNA Gensequenzen fast identisch sind (> 99% Übereinstimmung), ist die Zuordnung einzelner Arten innerhalb der Gattung auf Basis von Sequenzdaten schwierig. Vier hochangereicherte Nitrotoga-Kulturen unterschiedlicher Standorte wurden einer vergleichenden Charakterisierung unterzogen, die neben der Physiologie auch phylogenetische und morphologische Merkmale umfasste. Ausgehend von diesen Versuchen wurden Kulturen für Konkurrenzexperimente mit Nitrospira ausgewählt, um Faktoren für die Nischenbildung zwischen beiden NOB zu bestimmen.
Während die Kulturen eine einheitliche Morphologie besaßen, wiesen sie sehr unterschiedliche physiologische Eigenschaften auf. Nitrotoga arctica (Permafrostboden, Auftauhorizont) und Nitrotoga BS (Belebtschlamm) hatten ihr Temperaturoptimum bei 17°C, Nitrotoga HW (Kreislauf-Aquakultur) und Nitrotoga 1052 (Permafrostboden, Bohrkern) hingegen bei 22°C. Die Anpassung der Gattung an Kälte wurde durch ihre hohe Aktivität bei 4°C und ihre Hemmung ab 25 bis 28°C bestätigt. Im Hinblick auf den Einfluss des pH-Wertes tolerierte Nitrotoga leicht basische Bedingungen (etwa pH 8) insgesamt besser als saure (etwa pH 6). Dennoch hatten Ntg. arctica und Nitrotoga HW ihr Optimum im leicht sauren bis neutralen Bereich, während Nitrotoga 1052 und Nitrotoga BS eine leicht basische Umgebung bevorzugten. Charakteristisch war die Toleranz aller Kulturen gegenüber Ammoniumkonzentrationen zwischen 25 und 40 mM. Nitrotoga BS war darüber hinaus auf die Zugabe von Ammonium angewiesen. Hingegen reagierte Nitrotoga empfindlicher auf erhöhte Konzentrationen an Nitrat und noch deutlicher auf Nitrit, mit maximal tolerierten Konzentrationen untern denen, die für die meisten Nitrospira ermittelt wurden. Darüber hinaus konnten die Kulturen mittels der Gensequenz für die Nitrite-Oxidoreduktase, das Schlüsselenzym der Nitrit-Oxidation, unterschieden werden, mit deutlich geringeren Übereinstimmungen als für das 16S rRNA Gen.
Ntg. arctica und Nitrotoga BS wurden in Co-Kultivierungsversuche mit Nitrospira defluvii eingesetzt. Die Versuche fanden in Batch-Bioreaktoren bei 17°C und pH 6,4 oder 7,4 statt. Die NOB-Häufigkeit wurde per qPCR und FISH ermittelt. Nitrotoga BS konnte von optimalen Wachstumsbedingungen bei pH 7,4 profitieren und dominierte mit mindestens 94% relativer Häufigkeit über Nsp. defluvii, wurde hingegen bei pH 6,4 verdrängt. Im Gegensatz dazu nutzte Ntg. arctica seine bevorzugten Bedingungen bei pH 6,4 und 17°C nicht, sondern war ebenfalls bei einem pH von 7,4 häufiger als Nsp. defluvii, wenn auch nicht so deutlich wie Nitrotoga BS.
Der positive Einfluss niedriger Temperatur auf Nitrotoga wurde ebenfalls in einer Kaltwasser-Kreislauf-Aquakulturanlage beobachtet, die seit der Starphase für zwei Jahre überwacht wurde. Bei durchschnittlichen 13°C Wassertemperatur fand Nitrotoga ideale Bedingungen zur Besiedlung der Biofilter und wurde durchgängig zusammen mit Nitrospira nachgewiesen. Jedoch wurde er nach der Desinfektion mit Peressigsäure und Wasserstoffperoxid aus dem Prozess gedrängt, während Nitrospira in den Biofiltern verblieb.
Diese Ergebnisse unterstreichen die physiologische und phylogenetische Vielfalt der Gattung Nitrotoga. Sie belegen den positiven Einfluss von Temperaturen unter 20°C auf ihre Konkurrenzfähigkeit gegenüber Nitrospira, wohingegen der pH-Wert eine untergeordnete Rolle spielt. Zusammen mit jüngsten Veröffentlichungen hebt diese Arbeit die Bedeutung von Nitrotoga in technisierten Habitaten hervor und erweitert die Erkenntnisse verglichen mit anderen NOB-Gattungen.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/7603
URN: urn:nbn:de:gbv:18-90392
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Spieck, Eva (PD Dr.)
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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