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Titel: Todesfälle von Wohnungslosen in Hamburg - Entwicklung von 2007 bis 2015
Sprache: Deutsch
Autor*in: Asseln, Nina
Schlagwörter: Homeless; homeless people
GND-Schlagwörter: Wohnungslos; obdachlos; Todesursachen; Wohnungslose; Obdachlose
Erscheinungsdatum: 2018
Tag der mündlichen Prüfung: 2018-08-28
Zusammenfassung: 
Diese Dissertation soll den körperlichen Zustand zum Zeitpunkt des Todes und insbesondere die Todesursachen von Wohnungs- und Obdachlosen von 2007 bis Mitte 2015 in Hamburg aufzeigen. Angelehnt an die vorherigen Dissertationen von Grabs, 2006 veröffentlicht, und Ishorst-Witte, 2001 veröffentlicht, kann diese Analyse eine Entwicklung der Todesursachen von Obdachlosen über mehr als 23 Jahre darstellen. Untersucht wurden 263 Todesfälle, davon 162 im Rahmen einer Sektion. Fast ein Sechstel (16,35%) stellt das Frauenkollektiv dar und ist damit höher als in den Vorarbeiten (Grabs 11,4%, Ishorst-Witte 8,5%). Im Vergleich hat sich innerhalb der Wohnungslosenszene der Anteil der Ausländer besonders bei den Männern stark erhöht und liegt aktuell bei fast der Hälfte (42,16%) des gesamten Kollektivs (Grabs 11,1%, Ishorst-Witte 8,9%). Interessant ist die Tatsache, dass fast drei Viertel der Ausländer (73,26%) aus Osteuropa stammen.
Das durchschnittliche Todesalter beträgt aktuell 49,03 Jahre und ist seit den 1990er Jahren stetig angestiegen (Grabs 46,5 Jahre, Ishorst-Witte 44,5 Jahre). Wohnungslose werden demnach zwar älter, allerdings sterben sie gegenüber der allgemeinen Bevölkerung statistisch 30 Jahre früher. Die allgemeine Annahme, dass Wohnungslose meistens in kalten Monaten sterben, lässt sich hier bestätigen. Ein Drittel (33,84%) ist im Winter gestorben. Annähernd die Hälfte der Wohnungslosen (42,86%) ist in einem Wohnheim oder einer Übernachtungsstätte zu Tode gekommen. Der öffentliche Raum steht an zweiter Stelle (20,85%). An dieser Stelle soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass keine der hier untersuchten Personen in einem Hospiz starb. Der körperliche Zustand wurde rechtsmedizinisch bei annähernd der Hälfte des Kollektivs (46,04%) als reduziert/mäßig beschrieben und bei mehr als einem Drittel (36,69%) sogar als schlecht. Eine Verwahrlosung ist keine Ausnahmeerscheinung (15,21%). Der Ernährungszustand dagegen hat sich deutlich verbessert: Einen normalen BMI haben fast die Hälfte (47,64%) der Wohnungslosen, 39,27% sind in unterschiedlichen Graden adipös und 13,08% sind als kachektisch eingestuft worden. Im Rahmen eines postmortal angefertigten Ganzkörper-CTs sind annähernd die Hälfte der Sezierten (41,96%) radiologisch untersucht worden.
Auffällig sind nicht ganz frische Rippenbrüche bei einem Drittel (34,29%). Interessant ist, dass es sich dabei ausschließlich um männliche Wohnungslose handelt. Möglicherweise ist ein Sturzgeschehen aufgrund eines chronischen Alkoholkonsums ursächlich. Aufgrund der Organbefunde haben aus rechtsmedizinischer Sicht mehr als die Hälfte der sezierten Männer (51,52%) und ein Viertel der sezierten Frauen (26,67%) zu Lebzeiten einen chronischen Alkoholabusus betrieben. Die häufigste Todesursache ist untersuchungsgemäß auf eine Intoxikation zurückzuführen (hier 24,69%, Grabs 24,6%, Ishorst Witte 30,7%). Interessant ist jedoch die Kollektivverschiebung: Es gibt gegenwärtig deutlich mehr Alkoholvergiftungen (hier 8,64%, Ishorst-Witte 3%) und entsprechend weniger Tote durch Rauschgift- oder einen komorbiden Substanzgebrauch (hier 16,05%, Ishort-Witte 27,8%). In Hamburg gibt es immer weniger Opiatabhängige, maßgeblich aufgrund der etablierten Substitutionsmedikamente. Herz-Kreislauf Erkrankungen stellen die zweithäufigste Todesursache dar. Wohnungslose sind bereits in jüngeren Jahren oft schwerer krank als die durchschnittliche Bevölkerung und sterben wesentlich früher. Infektionsbedingte Todesfälle zeigen aktuell eine rückläufige Tendenz (hier 12,96%, Grabs 14,5%, Ishorst-Witte 16,7%). Davon sind akute Infektionen des respiratorischen Systems mit Abstand am häufigsten (71,43%). Besonders hervorzuheben sind die fremdverschuldeten Todesfälle durch überwiegend scharfe Gewalteinwirkung (hier 5,56%, Grabs 1,14%). Zur klaren Differenzierung gegenüber einem Tötungsdelikt ist hier die ergänzende Kategorie „Körperverletzung mit Todesfolge“ entstanden. Überwiegend war eine stumpfe, äußere Gewalteinwirkung todesursächlich (4,94%, ausschließlich männlich).
Durch einen Unfall sind gegenwärtig mehr der Wohnungslosen ums Leben gekommen (hier 12,35%, Grabs 10,1%, Ishorst-Witte 9,6%).

The following dissertation illustrates and presents the physical of homeless individuals in Hamburg at their point of death, with special attention paid to the cause of death, within the period from 2007 to mid 2015. Compared to prior dissertations, published by Grabs in 2006 and Ishorst-Witte in 2001, this analysis displays a history and development of death causes of homeless individuals for more than twentythree years. 263 cases were looked at and examined, 162 cases in an autopsy. Almost 1/6th (16,35%) has been female and the percantage turned out to be higher than the one stated in prior statistics (Grabs 11,4%, Ishorst-Witte 8,5%). Also the ratio of foreign individual within the homeless scene – especially males – has increased to almost 50% (42,16%) from 11,1% (Grabs) and 8,9% (Ishorst-Witte). The fact, that almost ¾th (73,26%) of the foreign individuals comes from Eastern Europe is very interesting. The average age at point of death currently is 49,03 years and increased constantly since the 90's (Grabs 46,5 years, Ishorst-Witte 44,5 years). Accordingly homeless nowadays have a longer life span, statistically still die 30 years sooner than the rest of the population. The assumption that homeless individuals rather decease during winter periods is hereby proven. One third (33,84%) deceased within a winter period, almost 50% (42,86%) deceased in an institution or homeless dorm. Public spaces turn out to be on second place (20,85%). I want to point out that none of the counted and examined individuals deceased in a hospice. Almost 50% (46,04%) of the individuals were examined with a physical state which is forensically described as reduced/moderate at point of death and more than one third (36,69%) as poor. A state of neglection was not exeptional (15,21%). The nutritional state on the other hand has highly improved. Almost 50% (47,64%) of the homeless individuals have been rated with a common BMI, 39,27% with an increased BMI and in different states obese and even 13,08% have been rated as cachetic. Within a post mortal full body CT almost 50% (41,96%) of the dissected individuals have also been radiologically examined. Conspicious were the rather older rip fractures with almost one third of the individuals (34,29%). The fact that only male homeless inidividuals have been suffering from such is very interesting. Possibly traumatas have been caused by falling due to a chronic alcohol consumption. According to the section results, forensic examination implies more than 50% of dissected
males (51,52%) and a quarter of dissected females (26,67%) have been abusive with alcohol. The most common examined cause of death has been intoxication – 24,69 % (Grabs 24,6%, Ishorst-Witte 30,7%). The shifting of collectives is most interesting: currently more deaths caused by alcohol intoxications have been counted (me 8,64%, Ishorst-Witte 3%) compared to deaths caused by misuse of drugs or in a comorbid substance use (me 16,05%, Ishorst-Witte 27,08%). In Hamburg counts way less individuals addicted to opiates which is due to the established sub medication. Cardiovascula diseases are the second frequently cause of death. Homeless individuals are severly sick at a younger age compared to the rest of the population and die at a younger age. Deaths caused by infections seem to be declining (me 12,96%, Grabs 14,5%, Ishorst-Witte 16,7%). Infections of the respiratory system lead the statistics (71,43%). To be pointed out are the deaths caused by external forces, mostly by sharp violence (me 5,56%, Grabs 1,14%). To differ clearly from murder an own category named “Mayhem resulting in death” has been declared. Here the cause of death was mostly through dull violence and exclusively examined on males (4,94%). The ratio of accident as a cause of death is clearly higher (me 12,35%, Grabs 10,1%, Ishorst-Witte 9,6%).
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/7826
URN: urn:nbn:de:gbv:18-92947
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Püschel, Klaus (Prof. Dr.)
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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