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Titel: Evaluation der Lebensqualität von Patienten mit Mundhöhlenkarzinomen
Sprache: Deutsch
Autor/Autorin: Sperling, Juliane
Schlagwörter: Überlebenszeitanalyse;UW-QOL v4
GND-Schlagwörter: Lebensqualität;Mundhöhlenkrebs
Erscheinungsdatum: 2018
Zusammenfassung: 
Mundhöhlenkarzinome sind schwerwiegende und lebensbedrohliche Erkrankungen und können sich gravierend auf die Lebensqualität der Betroffenen auswirken. Daher ist die Evaluation der Lebensqualität ein wichtiger Parameter für den Therapiererfolg.
In der Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der HELIOS Kliniken Schwerin wurden Patienten mit oralen Plattenepithelkarzinomen retrospektiv untersucht. Insgesamt konnten in einem Zeitraum von 1998 bis 2016 145 Patientenfälle für die Überlebenszeitanalyse inkludiert werden. Zudem erfolgte die Befragung der Patienten zu ihrer Lebensqualität von 2015 bis 2016. Insgesamt 66 von 72 Patienten erklärten sich nach Aufklärung und Einwilligung bereit, an der Studie teilzunehmen. Als Fragebogen wurde UW-QOL v4 eingesetzt. Die Patienten wurden hinsichtlich der demographischen Faktoren Alter und Geschlecht, des postoperativen Zeitabstands und der klinischen Faktoren Tumorgröße, Lymphknotenstatus, Tumorstadium, Radiochemotherapie, Rekonstruktion und Neck-dissection miteinander verglichen.
Die Patienten waren zum Zeitpunkt der Befragung durchschnittlich 63 Jahre alt und zu 74 % männlich. Der zeitliche Abstand zur Radikal-OP betrug im Mittel 6 Jahre. Bei 35 % lag die Radikal-OP ab 1 Jahr und bei 49 % ab 5 Jahre zurück. 72 % hatten einen T1/T2 und 28 % einen fortgeschrittenen T3/T4 Tumor. Nach UICC wurde bei 52 % der Studienteilnehmer ein Stadium I/II und bei 48 % ein Stadium III/IV diagnostiziert. 38 % der Befragten wurden bestrahlt. 73 % wurden mit einem mikrovaskulären freien Lappentransplantat rekonstruiert. 72 % unterzogen sich einer selektiven Neck-dissection und 28 % einer radikalen oder modifizierten radikalen Neck-dissection.
Die höchsten Punktwerte von maximal 100 Punkten erreichten im Mittel Schmerz (84), Schulter (79), Angst und Aktivität (74). Am schlechtesten wurden Kauen (50), Schlucken (58) und Geschmack (60) bewertet. Als wichtigste Symptome wurden 1. Sprache, 2. Aktivität und 3. Schlucken ausgewählt.
Viele Parameter hatten einen Effekt auf die Lebensqualität. Dabei waren funktionelle Beeinträchtigungen des Kau-, Schluck- und Sprechapparats mit den Faktoren Tumorgröße, Tumorstadium, Radiochemotherapie und Rekonstruktion assoziiert. Ein sehr signifikanter Zusammenhang konnte zwischen der Tumorgröße (a) bzw. dem Tumorstadium (b) und Schlucken ((a) r = - 0,393, (b) r = - 0,414), Kauen ((a) r = - 0,339, (b) r = - 0,437) und Sprache ((a) r = - 0,361, (b) r = - 0,381) bei p = 0,01 nachgewiesen werden. So war ein fortgeschrittener Tumor mit deutlich niedrigeren Punktzahlen bei Schlucken, Kauen und Sprache assoziiert als im frühen Stadium. Bei der Rekonstruktion und der Radiochemotherapie zeigten sich sogar sehr bis hoch signifikante Unterschiede bei Schlucken und Kauen (p ≤ 0,01). Die nicht rekonstruierte und nicht bestrahlte Gruppe erreichte dabei bessere Ergebnisse als die rekonstruierte und bestrahlte Gruppe. Diese Fragen wurden auch insgesamt mit den wenigsten Punkten bewertet. Einschränkend sollte auf die fehlende Korrelation von Tumorgröße/-stadium und Rekonstruktion mit der Lebensqualität verwiesen werden. Vermutlich werden nicht rekonstruierte Patienten aufgrund einer kleineren Tumorgröße/-stadiums behandelt. Weniger invasive Resektionen aufgrund einer kleineren Tumorgröße/-stadiums haben auch kleinere Defekte zur Folge mit geringerer Beeinträchtigung oder Entfernung von funktionellen Strukturen. Dies würde die besseren Ergebnisse der nicht rekonstruierten Patienten erklären und sollte in zukünftigen Untersuchungen miterhoben werden.
Der Lymphknotenstatus zeigte einen sehr signifikanten Zusammenhang mit der Schulterfunktion (r = - 0,438, p = 0,01). Bei der Neck-dissection hatten Patienten signifikant weniger Schulterprobleme bei einer Lymphknotenausräumung bis zum Level IV als bei ausgedehnten Neck-dissections ab Level V (p ≤ 0,01). Ferner war der Lymphknotenstatus mit Geschmack assoziiert (r = - 0,345, p = 0,01).
Auch für andere Punkte konnten signifikante Unterschiede nachgewiesen werden. So wirkten sich der Zeitfaktor und das Alter positiv auf die emotionale Verfassung aus. Patienten, die über 60 Jahre alt waren und deren Operation über 5 Jahre zurücklag, waren weniger ängstlich als Patienten, die jünger waren und früher operiert wurden (p ≤ 0,05). Für das Geschlecht konnten dagegen keine Unterschiede gefunden werden (p > 0,05).
Insgesamt betrug die 5-Jahres-Überlebensrate in der DÖSAK Dokumentation 70 %. Das Stadium N0 hatte eine längere Überlebenszeit als die anderen Gruppen (p ≤ 0,001). Auch bezüglich der Tumorgröße konnte ein längeres Überleben für die Tumorstadien T1/T2 als für T3/T4 nachgewiesen werden (p ≤ 0,05).

Oral cancer is a life-threatening disease with severe consequences for the lives of patients with this diagnosis. Evaluating the quality of life of these patients is important to developing a successful therapy strategy.
This study involves the retrospective analysis of the medical records of 145 patients treated for oral squamous cell carcinoma between 1998 and 2016 at the department for oral and maxillofacial surgery at HELIOS Kliniken Schwerin. In addition, in 2015 and 2016, a survey was conducted to assess the quality of life of these patients. 66 out of 72 patients filled out the survey after consenting and being informed about the study. The questionnaire UW-QOL v4 was used in this survey. The parameters were the age and sex of the patients, the time passed since surgery and clinical factors such as tumour size, lymph node status, tumour staging, chemoradiotherapy, reconstructive surgery, and neck dissection. IBM SPSS for Windows (version 22.0) was used for the statistical analysis.
The average age of the patients, who participated in the survey, was 63 years. 74 % of them were male. The time between surgery and the survey was 6 years (minimum: 3 months; maximum: 19 years). For 35 % of the participants, the resection surgery dated back more than one year and for 49 %, it was more than 5 years. 72 % of participants had T1/T2 tumours. 28 % had T3/T4 tumours. Using UICC criteria, 52 % of the participants had been diagnosed with stage I/II, and 48 % had stage III/IV cancer. 38 % of the respondents had had radiation treatment. 73 % had reconstructive surgery using microvascular free flap transplants. 57 % received a radialis transplant, 26 % a fibula transplant, and 10 % a latissimus dorsi transplant. The remaining 3,5 % received either an upper arm or a iliac crest transplant. 72 % underwent a selective neck dissection and 28 % a radical or a modified radical neck dissection.
Pain (84), shoulder (79), and fear and activity (74) were the categories with the highest score. Chewing (50), swallowing (58) and taste (60) received the lowest number of points. Speech (1), activity (2), and swallowing (3) were selected as the most important symptoms.
Many of these parameters affected the overall life quality. Chewing, swallowing, and speech mechanism impairments were associated with tumour size, tumour stage, chemoradiotherapy, and reconstruction. There was a very significant correlation between tumour size (a)/stage (b) and swallowing, chewing ((a) r = - 0,393, (b) r = - 0,414) and speech ((a) r = - 0,361, (b) r = - 0,381) with p = 0,01. Advanced tumours were associated with significantly lower scores in the categories of swallowing, chewing, and speech. Whether patients underwent reconstructive surgery and/or chemoradiotherapy significantly impacted the swallowing and chewing scores (p ≤ 0,01). Patients without surgical reconstruction and chemotherapy had significantly better results than patients with these treatments. These particular categories received the fewest points in the questionnaire overall. There is no correlation between tumour size/stage as well as reconstruction and quality of life. Presumably, patients, who did not need reconstructive surgery, had more favourable tumour sizes/stages. The tumour resection caused smaller defects, which led to smaller functional impairment.
There was a significant correlation between lymph node status and shoulder functionality (r = - 0,438, p = 0,01). Shoulder functionality was better for patients who had neck dissections up to level IV compared to patients with more extensive neck dissections (p ≤ 0,01). Lastly, lymph node status correlated with gustation (r = - 0,345, p = 0,01).
The time passed since surgery and age of the patients correlated the emotional state of the patients. Patients, 60 years and older, whose surgeries had been at least 5 years in the past, showed less anxiety than patients who were younger and with more recent surgeries (p ≤ 0,05). As for the sex of the patients, no differences could be found (p > 0,05).
Comprizing the 5-year survival rate of the DÖSAK patient group is 70 %. Stage N0 correlates with a better survival rate (p ≤ 0,001). Tumour stages T1/T2 have better survival rates than T3/T4 tumours (p ≤ 0,05).
URI: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/8004
URN: urn:nbn:de:gbv:18-95239
Dokumenttyp: Dissertation
Hauptberichter: Bschorer, Reinhard (Prof. Dr. Dr.)
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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