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Titel: Soziale Ungleichheit und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen
Sonstige Titel: Social inequality and mental heath in children and adolescents
Sprache: Deutsch
Autor*in: Reiß, Franziska
Schlagwörter: Public Health; psychische Auffälligkeiten; Public Health; mental health problems
GND-Schlagwörter: Soziale Ungleichheit; Gesundheit; Kind; Jugend; Deutschland
Erscheinungsdatum: 2020
Tag der mündlichen Prüfung: 2020-04-14
Zusammenfassung: 
Hintergrund: Die soziale Ungleichheit in der Gesundheit zählt zu den bedeutendsten gesellschaftspolitischen Themen unserer Zeit. Vor allem Kinder leiden unter den Folgen sozialer Ungleichheit auf die körperliche und psychische Gesundheit. Das Ziel der Dissertation ist es, die Rolle des sozioökonomischen Status (SES) der Herkunftsfamilie in Hinblick auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu untersuchen. Befunde der internationalen Forschung sowie aktuelle Ergebnisse für Deutschland werden vorgestellt. Dazu zählen direkte und indirekte Effekte der Indikatoren Haushaltseinkommen, elterliche Bildung und berufliche Stellung der Eltern auf die Entwicklung psychischer Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen sowie die Inanspruchnahme von psychiatrisch-psychotherapeutischer Versorgung.
Methoden: Anhand eines systematischen Literaturreviews wird der internationale Forschungsstand dargestellt. Es werden die Operationalisierung des SES sowie alters-, geschlechts- und störungsspezifische Besonderheiten herausgearbeitet. Daran anknüpfend werden quer- und längsschnittliche Analysen der bevölkerungsbezogenen „Befragung zum Seelischen Wohlbefinden und Verhalten“ (BELLA-Studie, 2003-2017) von Kindern, Jugendlichen und deren Eltern durchgeführt. Neben deskriptiven und bivariaten Vergleichen werden multiple lineare und binär-logistische Regressionen berechnet. Weitere Faktoren wie eine kumulativ belastende Lebenssituation werden berücksichtigt
Ergebnisse: Kinder und Jugendlichen mit einem niedrigen SES sind sowohl in Deutschland als auch im internationalen Vergleich zwei- bis dreimal häufiger von psychischen Auffälligkeiten betroffen als Gleichaltrige mit einem hohen SES. Alle SES-Indikatoren zeigten unabhängig voneinander direkte Effekte für das Auftreten psychischer Auffälligkeiten im zeitlichen Verlauf. Kinder, deren Eltern einen höheren Bildungsabschluss haben, zeigten in stark belastenden Lebenssituationen weniger psychische Auffälligkeiten. Die Inanspruchnahme von fachspezifischer Versorgung hängt signifikant mit der Symptomlast und den Beeinträchtigungen aufgrund psychischer Auffälligkeiten zusammen, nicht jedoch mit dem Einkommen, der Bildung und der beruflichen Stellung der Eltern.
Diskussion: Ansatzpunkte für Prävention und Gesundheitsförderung sowie Interventionsmöglichkeiten sollten sowohl auf individueller als auch gesellschaftlicher Ebene ansetzen. Die Stärkung der psychischen Gesundheit sollte bereits im frühen Kindesalter, z.B. im Setting KiTa, beginnen. Interventionen zur Verbesserung der Kinder- und Jugendgesundheit sind zudem mit strukturellen Veränderungen, wie z.B. der Zugang zu Bildung und Erwerbstätigkeit für junge Menschen verbunden. Die Reduzierung sozialer Ungleichheit in der Gesellschaft sollte das Ziel gesellschaftspolitischen Handelns sein.

Background: Social inequality in health is one of the most important socio-political issues of our time. Especially children suffer from the impact of social inequality on physical and mental health. The aim of this dissertation is to examine the role of the socioeconomic status (SES) of the family of origin in relation to mental health outcomes of children and adolescents. International research results will be presented as well as current findings from Germany. These include direct and indirect effects of SES indicators such as household income, parental education and parental occupational status on the development of mental health problems in children and adolescents as well as mental health care utilization.
Methods: A systematic literature review presents the current international state of research. The operationalization of the SES as well as age-, gender-, and disorder specific characteristics were identified. In addition, longitudinal- and cross-sectional analysis of the population-based study of the behavior and well-being of children and adolescents in Germany (BELLA-study, 2003-2017) from children, adolescents and their parents were conducted. Besides descriptive and bivariate comparisons, multiple linear and binary logical regressions were calculated. Additional factors such as a cumulative stressful life situation were considered.
Results: Children and Adolescents with a low SES are both in Germany and in the international comparison two to three times more likely to be affected by mental health problems than peers with a high SES. Single SES-indicators showed direct effects independently of one another for the occurrence of mental health problems over time. Children with higher educated parents showed fewer mental health problems in stressful life situations. Mental health care utilization is significantly predicted by the symptoms and impairment of mental health problems, but not by household income, parental education, or parental occupation.
Discussion: Approaches for prevention, health promotion and intervention should both target on an individual and a social-level. The support of the mental health should already start in early childhood, for example in the daycare setting. Interventions to improve mental health of children and adolescents are also connected to structural changes, for example the access to education and employment for adolescents and young adults. The reduction of social inequality in the society should be an important target of socio-political action.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/8370
URN: urn:nbn:de:gbv:18-103824
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Ravens-Sieberer, Ulrike (Prof. Dr.)
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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