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Titel: Der Einfluss von Rehabilitationsmaßnahmen auf die Inkontinenz nach radikaler Prostatektomie bei Prostatakarzinompatienten
Sonstige Titel: The influence of rehabilitation programs on incontinency after radical prostatectomy in prostate cancer patients
Sprache: Deutsch
Autor*in: Butea-Bocu, Marina Silvia
Schlagwörter: prostate cancer; prostatectomy; incontinence; rehabilitation; pelvic floor muscle training
GND-Schlagwörter: Prostatakrebs; Prostatektomie; Inkontinenz; Rehabilitation; Beckenbodengymnastik
Erscheinungsdatum: 2020
Tag der mündlichen Prüfung: 2020-06-29
Zusammenfassung: 
Die Postprostatektomieinkontinenz (PPI) ist die häufigste Ursache der männlichen Inkontinenz (Bauer et al. 2015). Sie kann mit erheblichen Einbußen in der Lebensqualität der betroffenen Männer einhergehen und hohe Folgekosten verursachen (Lent und Schultheis 2015, Sanda et al. 2008). Als Erstlinientherapie der PPI wird das Beckenbodentraining empfohlen, die vorliegende Evidenz ist allerdings moderat (Anderson et al. 2015, Burkhard et al. 2017). Überdies erfüllen Patienten nach radikaler Prostatektomie die Kriterien für den in Deutschland bestehenden rechtlichen Anspruch auf die Durchführung einer Rehabilitationsmaßnahme, über die sie, insbesondere in Form einer fachurologischen Anschlussheilbehandlung, informiert werden sollen (Leitlinienprogramm Onkologie 2018). Ziel der Arbeit war es, erstmals den langfristigen Effekt der Inanspruchnahme einer Rehabilitationsmaßnahme einschließlich des Beckenbodentrainings auf die PPI gegen einen Kontrollarm in der Versorgungsrealität zu evaluieren.
Durch die retrospektive Erhebung eines Fragebogens zur Inanspruchnahme von Rehabilitationsmaßnahmen und eine Analyse von prospektiv erhobenen Kontinenzdaten an 544 Prostatakarzinompatienten, die sich zwischen 2014 und 2016 einer radikalen Prostatektomie in der Martini-Klinik Hamburg, einer High-Volume-Klinik, unterzogen hatten, wurde der Vorlagenverbrauch nach 6 und 12 Monaten unter Berücksichtigung der Faktoren Alter, BMI, Tumorstadium, Graduierungsgruppe, Lymphknotenstatus, Nerverhalt und Resektionsrand ausgewertet.
Das Patientenkollektiv wurde hierzu den Gruppen keine (172 Patienten, 31,6 %), ambulante (104 Patienten, 19,1 %) und stationäre (268 Patienten, 49,3 %) Rehabilitationsmaßnahme zugeordnet. Patienten, die eine stationäre oder ambulante Rehabilitationsmaßnahme wahrgenommen hatten, gaben signifikant häufiger an, unter einer PPI gelitten zu haben (p < 0,001). In den untersuchten Patientencharakteristika unterschieden sich die Gruppen nicht signifikant. Zur Bias-Kontrolle wurden mittels Propensity Score-Matching fünf Modelle erstellt, in denen jeweils der Vorlagenverbrauch einer Interventions- und Kontrollgruppe in einer Kreuztabelle auf signifikante Zusammenhänge verglichen wurde. Anhand der binär logistischen Regressionsanalyse wurde für jedes Modell ferner die Odds Ratio zur Vorhersage von Inkontinenz nach einem Jahr bestimmt. In keinem der Modelle zeigten sich signifikante Unterschiede für die Kontinenzparameter. War zwar der Einfluss der Rehabilitationsmaßnahme auf die Verbesserung der Inkontinenz anhand der vorliegenden Daten nicht objektivierbar, sprach dennoch ein Großteil der Patienten derselben einen subjektiven Effekt auf die Verbesserung der PPI zu [Median 8/10 Punkten (IQR = 10 – 5/10)]. Die Patientenzufriedenheit mit der Rehabilitationsmaßnahme insgesamt war ebenfalls hoch [Median 9/10 Punkten (IQR = 10 – 7/10)].
In zukünftigen Erhebungen sollte zeitnah erfragt werden, ob die Entscheidung für oder gegen die Inanspruchnahme einer Rehabilitationsmaßnahme von dem Vorliegen einer PPI oder von Komorbiditäten abhängig war und welche Behandlungsintensität die gewählte Maßnahme hatte. Ziel ist, die Responderrate zu erhöhen, um so eine ausreichend große Datenbasis zu generieren und entsprechende Subgruppenanalysen zu ermöglichen.

Postprostatectomy incontinence (PPI) is the most frequent cause of male incontinence (Bauer et al. 2015). PPI may be associated with a considerable reduction in quality of life in affected men and can cause high costs (Lent und Schultheis 2015, Sanda et al. 2008). Pelvic floor training is recommended as first-line therapy for PPI, but evidence is moderate (Anderson et al. 2015, Burkhard et al. 2017). In Germany, undergoing radical prostatectomy surgery entitles patients to attend a rehabilitation program. According to the national guidelines patients should be informed, particularly about a stationary urological follow-up treatment (Leitlinienprogramm Onkologie 2018). This dissertation compares for the first time, the long-term benefits of rehabilitation programs on PPI to a control group.
Continence data on 544 prostate cancer patients who underwent radical prostatectomy in a high-volume clinic, the Martini-Klinik Hamburg, between 2014 and 2016, were collected prospectively. The daily pad use after 6 and 12 months was evaluated considering factors like age, BMI, pathological tumor stage, grade group, lymph node status, nerve preservation, and surgical margin. The attendance of rehabilitation programs was collected retrospectively using an online questionnaire.
The cohort was divided into three groups: inpatient (n = 268, 49.3 %), outpatient (n = 104, 19.1 %) and no rehabilitation program (n = 172, 31.6 %). PPI was significantly more frequently described by patients who had chosen an inpatient or outpatient rehabilitation program (p < 0.001). Investigated patient characteristics did not differ significantly between groups. Five models were created using propensity score matching for bias reduction. For each model, a contingency analysis of pad use per day was performed for the intervention group and the control group. The odds ratio to predict incontinence after one year was determined for each model by using binary logistic regression analysis. None of the models showed significant differences regarding continence parameters. The influence of rehabilitation programs on incontinence improvement was not objectifiable based on the available data. Nevertheless, most patients attested a positive effect on the program regarding the improvement of PPI [median 8/10 points (IQR = 10 – 5/10)]. Patient satisfaction with rehabilitation programs overall was also high [median 9/10 points (IQR = 10 – 7/10)].
Whether the decision in favor of a rehabilitation program was dependent on the existence of PPI or comorbidities and how intense the chosen program was, should be asked on time in a future survey. The aim is to increase the responder rate in order to generate a sufficiently large database and to enable appropriate subgroup analyses.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/8424
URN: urn:nbn:de:gbv:18-105268
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Graefen, Markus (Prof. Dr.)
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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