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Titel: Die Veränderung des Körperbildes bei bulimischen Frauen im Verlauf der ambulanten Gesprächstherapie
Sprache: Deutsch
Autor*in: Laleik, Sigrid
Schlagwörter: body image; bulimia nervosa
Erscheinungsdatum: 2006
Tag der mündlichen Prüfung: 2007-04-17
Zusammenfassung: 
Gegenstand der vorliegenden Studie ist die Untersuchung der Veränderung des Körperschemas und des Körperbildes bei bulimischen Patientinnen im Verlauf einer ambulanten Gesprächspsychotherapie im Vergleich zu nicht-essgestörten Kontrollprobandinnen ohne begleitende Psychotherapie.
Die Körperschemastörung wurde mittels der Körperbreiteneinschätzung und die Störung des Körperbildes durch einen dreidimensionalen Körperbildtest untersucht. Beide Verfahren werden auch dahingehend überprüft, ob sie als diagnostische Instrumentarien herangezogen werden können. Zur Evaluation wurden die Frankfurter Körperkonzeptskalen und die Allgemeinen Depressionsskalen ausgewählt.
In dieser Studie wurden keine signifikanten Unterschiede bei den bulimischen Patientinnen hin-sichtlich der Körperansichten seitlich und vorne festgestellt. Bei der Körperbreiteneinschätzung der Körperansicht hinten schätzten sich die bulimischen Frauen dicker ein, als die Probandinnen aus der Kontrollgruppe. So könnte die Aussage getroffen werden, dass eine Körperwahrnehmungsstörung dann vorliegt, wenn die visuelle Kontrolle nicht eingesetzt werden kann. Es ist davon auszugehen, dass in die Körperbreiteneinschätzung „Hinten“ nicht nur optische Sinnesreize einfließen, sondern Vorstellungen mit emotionalem Gehalt, die eine „realistische“ Körperbreiteneinschätzung von dieser Körperansicht bei bulimischen Probandinnen verunmöglichen. Welche Emotionen durch die Einschätzung zur Körperbreite zur breiteren Körpereinschätzung „Hinten“ ausgelöst werden und auch zu einer breiteren Körpereinschätzung führt, könnte durch könnte durch eine weitere Studie untersucht werden.
Nach den Ergebnissen dieser Studie zur Körperbreiteneinschätzung ist festzuhalten, dass die Fehleinschätzung der Körperbreite kein charakteristisches Merkmal der bulimischen Frauen ist.
Die Veränderung des Körperbildes von bulimischen Patientinnen im Verlauf einer ambulanten Gesprächpsychotherapie mittels des dreidimensionalen Körperbildtests zu erfassen war mit Hauptziel dieser Studie. Die blindplastizierten Tonfiguren aller Probandinnen (siehe Anhang) zeigen eindrucksvoll die Individualität des Körperbildes als der Spiegel der eigenen Wahrnehmung.
In der vorliegenden Studie wurden die Tonfiguren von Beurteilerinnen anhand von Beurteilungskriterien eingeschätzt.
Die Ergebnisse zum ersten Messzeitpunkt zeigten, dass die Tonfiguren der Bulimikerinnen massiger, kürzer, voluminöser eingeschätzt wurden als die Tonfiguren der Kontrollgruppe. Zum zweiten Messzeitpunkt haben sich die Länge und auch die Massigkeit der Tonfiguren der Bulimiegruppe an die Tonfiguren der Kontrollgruppe angeglichen.
Die untersuchte Variable „Proportionalität“ der Tonfiguren stimmt mit anderen Untersuchungen überein, die besagen, dass Patientinnen mit Bulimia nervosa oder Anorexia nervosa ihre Körpermaße, besonders die Breite von Hüften und Taille, überschätzen (Cash, 1997). Hoppe (2000) konnte ebenfalls mittels des Körperbildtests nachweisen, „dass das Maß für die Proportionalität deutlich mit den Ergebnissen der Therapie korreliert,“ wie es auch durch diese Studie belegt wird.
Die Variable Vollständigkeit der Tonfiguren wies weder zur ersten noch zur zweiten Messung eine Veränderung auf. Die bulimischen Frauen haben zwar eine Störung im Körperbild aber nur bezüglich der Breitenwahrnehmung, im Sinne des Körperumfanges nicht aber bezogen auf die Ganzheitlichkeit des Körpers, wie es häufig bei psychosomatischen Erkrankungen anzutreffen ist (Sebastian, 1996).
Bei der Fragestellung des Gruppenvergleichs 1. Tonfigur Untersuchungsgruppe mit der 1. Tonfigur der Kontrollgruppe, stand das Interesse im Mittelpunkt, ob der dreidimensionale Körperbildtest als diagnostisches Instrumentarium genutzt werden kann.
Eine besondere Beachtung wurde in dieser Studie dem Hals, der Brust der Körperkontur und der Länge der jeweiligen Tonfigur zu teil.
Die Tonfiguren der Bulimiegruppe wiesen einen dickeren Hals auf als die Tonfiguren der Kontrollgruppe. Dem Hals kommt demnach bei den Bulimikerinnen eine besondere Bedeutung zu, sei es im übertragenen Sinne die Wut, bei der der Hals dick wird oder aber dass der Hals subjektiv durch das Erbrechen auch als schmerzend wahrgenommen wird.
Ausgehend von der Annahme, dass die bulimischen Frauen ihren eigenen Körper ablehnen und somit ihre Weiblichkeit negieren bzw. eine Androgynität anstreben, wurde davon ausgegangen, dass die bulimischen Frauen sich keine Brust oder aber eine applizierte Brust modellieren. Diese Annahme traf in dieser Studie auf die Gruppe der bulimischen Frauen nicht zu. Die bulimischen Frauen neigen zu einer geringen Selbstakzeptanz des Körpers (Frankfurter Körperkonzeptskalen), aber negieren nicht ihre Weiblichkeit, wie es bei anorektischen Frauen anzutreffen ist.
Die Beurteilungen zur Länge der Tonfiguren wurden von einer Raterin als signifikant eingeschätzt, d.h. die Tonfiguren der Bulimiegruppe waren bedeutsam kürzer als die Tonfiguren der Kontrollgruppe, was auch durch die Variable „Proportionalität“ der Tonfiguren bestätigt wurde.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/8595
URN: urn:nbn:de:gbv:18-33566
Dokumenttyp: Dissertation
Bemerkung: Für die Benutzung gesperrt.
Betreuer*in: Eckert, Jochen (Prof. Dr.)
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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