Titel: Das Zwettler "Magnum Legendarium Austriacum" (Zwettl, Stiftsbibliothek, Cod. 13, 24, 14-15). Die Herstellung eines Legendars und verschiedene Strategien der Betrachterlenkung
Sonstige Titel: The "Magnum Legendarium Austriacum" of Zwettl (Zwettl, Stiftsbibliothek, Cod. 13, 24, 14-15). The making of a manuscript and strategies of guidance of the beholder
Sprache: Deutsch
Autor*in: Sommer, Lena
Schlagwörter: mise en page; Seitengestaltung; Legendare; Buchmalerei; Initialen; 12./13. Jahrhundert; Zisterzienser
Erscheinungsdatum: 2021
Tag der mündlichen Prüfung: 2017-10-23
Zusammenfassung: 
Das Magnum Legendarium Austriacum (MLA) gilt als größte und umfassendste Sammlung hagiographischer Texte im 12. und 13. Jahrhundert. Zu dieser Zeit werden mehrbändige Großlegendare in besonders hoher Stückzahl angefertigt. Es handelt sich bei diesen Wissensspeichern um äußerst prestigeträchtige Objekte, deren enthaltene Lebensbeschreibungen von Heiligen den Klostermitgliedern als Ideal vorgeführt werden. Nur wenige davon sind durchgehend mit Buchschmuck ausgestattet.

Das im Zentrum der Dissertation stehende Manuskript ist aufwändig illustriert und eignet sich in besonderem Maße zur Analyse der visuellen Organisation und dem damit verbundenen ikonographischen Programm. Zum ersten Mal erfolgt die Klärung dieser Fragen über die Zusammenschau mehrerer Aspekte. Dazu werden die stilistischen, gestalterischen und ikonographischen Elemente in die skriptoriumseigene Tradition eingeordnet. Darüber hinaus sind aber auch Vermittlungswege, neue Produktionsmethoden und Aspekte der Gebrauchspraxis für die Erklärung der ikonographischen Programme und dem damit verbundenen Ziel der Betrachterlenkung und Lesekonditionierung elementar.

Wie die Arbeit zeigen kann, spiegelt die Handschrift das Selbstverständnis eines äußerst selbstbewussten und in den Wissenschaften aktiven Klosters, das mit den Strömungen der Zeit vertraut ist und diese mitgestaltet. Von außen zugezogene Buchmaler statten das Werk reich aus. Die im Kloster verwendete Handschrift vermittelt den Klosterangehörigen über das Layout und den Buchschmuck die passende Geisteshaltung, die zur Lektüre der Viten angemessen erscheint. Da aus dem 12. und frühen 13. Jahrhundert kaum andere illustrierte Legendarhandschriften überliefert sind, ist die Zwettler Handschrift für die Forschung besonders von Wert, da sie gleich drei unterschiedliche ikonographische Konzepte in sich versammelt. Durch die Beantwortung der Hauptfrage nach der visuellen Organisation und der damit verbundenen Betrachterlenkung, konnten in der Arbeit verschiedene Forschungsdesiderate geschlossen werden. Der Herstellungskontext der Handschrift in dem zisterziensischen Kloster Zwettl wurde aufgearbeitet und ein Überblick über die Skriptoriums- und Buchmalereitätigkeiten des Klosters bis in das frühe 13. Jahrhundert gegeben. Darüber hinaus wurde gezeigt, wie wichtig es ist, das Zusammenspiel aus Layout, Bild und Text zu beachten, um darüber Aussagen zur Wissensvermittlung treffen zu können. Das schließt gleichzeitig die Thematik des Gebrauchs der Handschrift ein. Unbearbeitet war bislang auch das Thema der Betrachterlenkung durch ikonographische Programme in den frühen Großlegendaren. Erst der mehrschichtige Zugang vermag ein Verständnis des gesamten Organismus der Handschrift und dessen Medialität zu erzielen.

The Magnum Legendarium Austriacum (MLA) is regarded as the most important and extensive collection of hagiographical texts of the 12th and 13th century. At this time legendaries of several volumes were produced in unique quantity. The biographies of saints described in those prestigious objects were used as a common ideal for the members of the convent. Only a few legendaries are continuosly illuminated.

The manuscript focused in this dissertation is lavishly illuminated and eminently qualified for the analysis of visual organisation and the associated iconographical progam. By classifying the stilistic, artistic and iconographical elements into the customs of the scriptorium, the clarification of these questions follows the synopses of several aspects for the first time. Beyond that ways of transfer, new methods of production and aspects of use are fundamental for the explanation of the iconographical programs and the bond goal of viewer´s guidance and reader´s conditioning.

As the thesis shows the manuscript reflects the self-image of a very self-confident monastery, which is familiar and active with new trends in studies. Bookpainters from outside equip the legendary. The manuscripts used in the monastery convey by layout and manuscript illumination the proper attitude of mind, which is adequate for the lecture of saints‘ lives. Since there are only a few illuminated legendaries of the 12th and 13th century the manuscript of Zwettl is important for research as well as it contains three iconographical concepts. By replying the main question of the visual organisation and the associated guidance of the viewer several desiderata of research could be completed. The conditions of the manusript’s production in the cistercian monastery is remoulded and an overview about the scriptorium and the monastery’s manuscript illumination up to the beginning of the 13th century is given. Furthermore it was shown how important is the interplay between layout, picture and text for an unterstanding of knowledge transfer. This also includes the use of the codices. Not yet handled was the viewer’s guidance in legendaries by iconographical programs. Only the multilayered approach gives an understanding of the manusript’s organism in its entirety and in its mediality.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/8916
URN: urn:nbn:de:gbv:18-ediss-91305
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Reudenbach, Bruno
Saurma, Lieselotte E.
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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