Titel: Palliativmedizinischer Versorgungsbedarf von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz
Sprache: Deutsch
Autor*in: Klug, Jennifer
Schlagwörter: Palliativmedizin; Herzinsuffizienz; Kardiologie; Onkologie; Palliative Care
Erscheinungsdatum: 2020
Tag der mündlichen Prüfung: 2021-03-29
Zusammenfassung: 
1. Zusammenfassung
Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz erhalten trotz der Schwere der Erkrankung und der hohen Mortalitätsrate sehr selten Zugang zu einer palliativmedizinischen Versorgung. In der vorliegenden Querschnittsstudie werden Eigeneinschätzungsbogen evaluiert, die durch die Patienten selbst ausgefüllt werden mussten, sowie Fremdeinschätzungsbogen, die von den behandelnden Kardiologen auszufüllen waren. Diese Fragebögen waren bereits bei Patienten mit Krebserkrankungen validiert und im klinischen Alltag etabliert.
Die Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz füllten die deutsche Version des MIDOS-Symptom-Fragebogens, des Distress-Thermometers und des PHQ-4-Fragebogens aus. Eine bereits für Patienten mit Herzinsuffizienz modifizierte Version des Five-Item-Palliative-Care-Screening-Tools von Glare et al. wurde genutzt, um palliativmedizinische Bedürfnisse der Patienten durch die behandelnden Kardiologen zu ermitteln.
218 Patienten wurden zur Teilnahme an der Studie gebeten, davon stimmten 148 (67 %) der Teilnahme zu und füllten alle Fragebögen nahezu vollständig aus. Der ermittelte Durchschnittswert der Symptombelastung (MIDOS) lag bei 7 von insgesamt 30 möglichen Punkten (SD 4.868), der ermittelte Durchschnittswert für das allgemeine Wohlbefinden lag bei 2 von 5 möglichen Punkten (SD 0.902) und der ermittelte Durchschnittswert für das Distress-Thermometer erreichte 6 von 10 möglichen Punkten (SD 2.318). Die am meisten als moderat oder schwer empfundenen Symptome waren Dyspnoe (52 %), Schwäche (51 %) und Müdigkeit (49 %). Eine signifikante psychische Belastung (Distress-Thermometer größer oder gleich 5) wurde von 106 Patienten angegeben (72 %). Die Probleme, die von den Patienten als am meisten belastend empfunden worden sind, waren hierbei Erschöpfung (79 %), Schlafprobleme (75 %) und Probleme mit der Atmung (69 %). Nur 14 %der Patienten gaben signifikant an, Ängste oder Depressionen zu haben (PHQ-4 Ergebnis größer oder gleich 3).
Durch den Fremdeinschätzungsbogen wurde von den behandelnden Kardiologen ein palliativmedizinisches Behandlungsbedürfnis mit einem Durchschnittswert von 6,8 von 12 Punkten ermittelt (SD 2.223). Wenn man den in der Onkologie ermittelten Grenzwert von größer als 5 übernimmt, gab es bei 113 Patienten (76 %) einen palliativmedizinischen Versorgungsbedarf. Objektive Parameter für die palliativmedizinische Betreuung (Symptombelastung 43 %, psychische Belastung 68 %, Entscheidungsfindungsprobleme 67 %) waren angezeigt, aber die Nachfrage zur palliativmedizinischen Unterstützung bei den Patienten, ihren Angehörigen (5 %) oder dem kardiologischen Team (5 %) war selten. Die Symptombelastung, die bei der Eigeneinschätzung angegeben wurde, und die Fremdeinschätzung zeigen signifikante, aber keine klinisch relevanten Interaktionen.
Die Eigeneinschätzungsbögen und der modifizierte Fremdeinschätzungsbogen scheinen für Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz praktikabel zu sein, um ihren palliativmedizinischen Versorgungsbedarf zu ermitteln. Es ist dabei wichtig, dass beide Perspektiven erfasst werden. Die ersten Ergebnisse zeigen eine signifikante Symptombelastung, psychische Belastungen und einen palliativmedizinischen Versorgungsbedarf bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/8923
URN: urn:nbn:de:gbv:18-ediss-91432
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Oechsle, Karin
Rybczynski, Meike
von Kodolitsch, Yskert
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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