Titel: Risiko und Prävalenz der Amotio retinae nach Endophthalmitis
Sprache: Deutsch
Autor*in: Schaller, Maximilian
Schlagwörter: Endophthalmitis; Amotio retinae; Netzhautablösung
Erscheinungsdatum: 2020
Tag der mündlichen Prüfung: 2021-03-19
Zusammenfassung: 
Bei der Endophthalmitis handelt es sich um eine durch Mikroorganismen bedingte Infektionserkrankung innerhalb des Auges, die bis zu einem vollständigen Visusverlust führen kann. In Folge kann es durch Netzhautnekrosen zu einer daraus resultierenden Amotio retinae kommen.

Die Anfang der 90er Jahre veröffentlichte Endophthalmitis Vitrectomy Study (EVS) war Wegweiser für das Management dieser infektiösen Endophthalmitiden. Aufgrund ihrer Limitationen im Hinblick auf das Patientengut und der enormen Fortschritte der Therapieverfahren seither, bewerteten wir deren klinische Relevanz mit unseren aktuellen Daten.

Ziel unserer Arbeit war hierbei die Bewertung von Rate, Risikofaktoren, funktionellem Ergebnis und Prognose bei Augen mit Netzhautablösung nach operativer Endophthalmitisbehandlung. Im Vergleich zur EVS wurden in unserer Studie Patienten mit Endophthalmitis bedingt durch Katarakt-Op, intravitreale Medikamenteneingabe (IVOM), Trauma, Pars Plana Vitrektomie (PPV), Filtrationschirurgie oder endogenen Ursprungs, berücksichtigt. Außerdem wurde weder ein bestimmter Ausgangsvisus noch eine bereits vorhandene Netzhautablösung ausgeschlossen.

In unserer retrospektiven Fallreihe wurden insgesamt 198 Augen von 196 Patienten berücksichtigt. Die Patienten entstammten zu etwa gleichen Teilen der Uniklinik Tübingen und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Sie wurden auf die Häufigkeit einer Netzhautablösung nach Endophthalmitis untersucht. Weitere Parameter waren die Ursache der Endophthalmitis, chirurgische Eingriffe, funktionelles Ergebnis (Verlaufskontrolle des Visus) und der zeitliche Ablauf der Ereignisse. Die Gründe für das Auftreten einer Endophthalmitis waren in 50,5% der Fälle eine vorherige Kataraktoperation, in 21,7% der Fälle eine IVOM, in 19,7% der Fälle eine endogene Ursache und in zusammen 8,1% der Fälle ein Trauma, eine Vitrektomie oder eine Glaukomoperation. Andere vergleichbare Studien kommen zu demselben Ergebnis. Der erste klinische Nachweis einer Endophthalmitis zeigte sich im Mittel nach 23 Tagen. 90,9% (180 von 198) der Patienten erhielten aufgrund der Schwere der Erkrankung eine operative Behandlung, welche am Tag der Erstpräsentation durchgeführt wurden. Davon wurden 164 Patienten mittels 23Gauge PPV und intravitrealen Antibiotika (IVT) behandelt, wohingegen die restlichen 16 Patienten nur IVT erhielten. Kein Patient aus der IVT-Gruppe hatte einen bestkorrigierten Visus (BCVA), der schlechter als Lichtscheinwahrnehmung (LSW) war. Das Vorhandensein eines Hypopyons korrelierte wie auch in vielen anderen Studien mit einer niedrigen Sehschärfe (p=0,004). Am häufigsten (85,7%) war ein Hypopyon bei Patienten mit einem Visus von Nulla Lux (NL) vorhanden. Insgesamt konnte an 150 Augen ein Hypopyon festgestellt werden. Bezüglich des Erregerspektrums wurde in 46,2% der Kammerwasser- oder Glaskörperproben kein Wachstum festgestellt. In 40,9% der Fälle waren grampositive Bakterien, in 7,5% Pilze und in 6,5% gramnegative Bakterien für die Endophthalmitis verantwortlich. Allerdings gab es keinen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen dem mikrobiologischen Befund und dem Auftreten einer Amotio retinae (p=0,372). Unsere Daten standen dabei im Einklang mit anderen Studien. 45 Patienten (23%) entwickelten im Durchschnitt 53 Tage nach der Endophthalmitis eine Netzhautablösung. Die in der EVS beschriebene Inzidenz einer Amotio retinae, bedingt durch eine Endophthalmitis, lag bei 8,3%. Ein geringerer BCVA während der Endophthalmitis korrelierte auch hierbei mit einer höheren Inzidenz von Netzhautablösungen (p=0,025). Nach einer erfolgreichen Netzhautwiederanlagerung war der Visus nach 1 und 3 Monaten postoperativ stabil oder verbessert (p=0.000). 7 Fälle (4,3%) wurden mittels Silikonöltamponade versorgt, wovon kein Patient Anzeichnen einer erneuten Amotio retinae zeigte oder sich eine Toxizität entwickelte. Allerdings kann aufgrund der geringen Fallzahl keine eindeutige Schlussfolgerung getroffen werden. 13 Patienten (6,6%) entwickelten im Laufe der Zeit eine Phthisis. 2 dieser Augen mussten daraufhin enukleiert werden. 8 weitere Augen wurden primär enukleiert. In all diesen Fällen war eine Netzhautwiederanlagerung nicht möglich. Ein stabiler postoperativer Visus ist nur zu erreichen, wenn eine Wiederanlage der Netzhaut gelingt. Der richtige Therapieansatz sollte sich dabei nicht ausschließlich auf den Ausgangsvisus stützen, sondern auch das klinische Gesamtbild, den Zustand von Glaskörper und Netzhaut berücksichtigen.

Die Einschränkungen unserer Studie sind durch ihre retrospektive Natur, das Fehlen eines definierten Behandlungsprotokolls und die Behandlung durch mehrere, unterschiedliche Chirurgen gekennzeichnet. Somit sind noch viele weitere prospektive Studien notwendig, um die Komplexität dieses Themas besser zu verstehen.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/8928
URN: urn:nbn:de:gbv:18-ediss-91518
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Skevas, Christos
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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