Titel: Analyse der „Clinical Reasoning“-Kompetenz von fortgeschrittenen Medizinstudierenden in simulierten Anamnesegesprächen
Sprache: Deutsch
Autor*in: Helm, Tillmann
Schlagwörter: Clinical Reasoning; Bewertungsbogen; Studierende; Assesment; students
GND-Schlagwörter: Anamnese; Studiengang; Medizin
Erscheinungsdatum: 2020
Tag der mündlichen Prüfung: 2021-06-22
Zusammenfassung: 
Beim „Clinical Reasoning“ handelt es sich um einen komplexen kognitiven Prozess, der bei Ärztinnen und Ärzten beispielsweise während eines Patientenkontaktes abläuft und einen großen Anteil an der medizinischen Entscheidungsfindung hat. Aufgrund seiner Komplexität und der vielen unterschiedlichen Voraussetzungen, darunter insbesondere Erfahrung und biomedizinisches Wissen, ist dieser Prozess schwer zu messen oder abzubilden. Das Ziel dieser Arbeit war es, einen Bewertungsbogen aus qualitativ identifizierten „Clinical-Reasoning“-Indikatoren zu entwickeln und die „Clinical Reasoning“-Fähigkeiten von Medizinstudierenden im Zuge von simulierten Anamnesegesprächen zu beurteilen. Der Bewertungsbogen wurde anhand von „Clinical Reasoning“-Indikatoren aus einer publizierten Studie erstellt und umfasst acht Kriterien, die auf einer Likert-Skala von einem bis fünf Punkten bewertet werden können. Die Bewertung erfolgte mit Hilfe von Anamnesegesprächen, die während einer 360-Grad Kompetenzprüfung aufgezeichnet worden waren. Das Studierendenkollektiv bestand aus insgesamt 69 fortgeschrittenen Medizinstudierenden, größtenteils aus dem 10. Semester oder dem PJ. Die Studierenden stammten von drei verschieden Universitäten mit unterschiedlichen Curricula. Insgesamt wurden 340 Videos ausgewertet und die Ergebnisse verglichen. Die Studierenden aus dem vertikal-integrierten Studiengang (Hamburg) erzielten einen signifikant höheren Gesamtscore als die Studierenden aus dem nicht vertikal-integrierten Studiengang (TU München), 148,65 ± 14,26 versus 140,19 ± 13,16 (p < 0,01). Ebenfalls signifikant besser bewertet wurden die Studierenden aus Hamburg gegenüber den Studierenden der TU München in den Einzelkategorien: „Stellen der Fragen in einer logischen Reihenfolge“, 4,10 ± 0,44 versus 3,33 ± 0,49 (p < 0,01), „Zeichen für pathophysiologisches Denken“, 3,92 ± 0,49 versus 3,85 ± 0,59 (p < 0,05) und „Rückversichern bei den Patienten“, 3,58 ± 0,44 versus 3,02 ± 0,67 (p < 0,01). Auch bei den Gesamtscores in Bezug auf die jeweiligen Patientenfälle wurden die Studierenden aus Hamburg in vier von fünf Fällen signifikant besser bewertet. Im Vergleich der Studierenden aus dem 10. Semester und dem PJ zeigten sich keine signifikanten Unterschiede. Der neu entwickelte Bewertungsbogen zeigte eine zufriedenstellende Qualität zur quantitativen Bewertung von „Clinical Reasoning“ im Zuge von Anamnesegesprächen, sollte jedoch für die weitere Nutzung noch validiert werden. Ob die Unterschiede in den Ergebnissen der Studierenden aus Hamburg und der TU München durch die verschiedenen Curricula zu erklären sind, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sicher feststellen. Um dies weiter zu untersuchen wären Studien erforderlich, die Einblicke in den genauen Curriculumsverlauf der Universitäten und das Abschneiden der Studierenden in den jeweiligen Prüfungen gewähren.

“Clinical reasoning” is a complex cognitive process that occurs, for example, during patient contact and plays a major role in medical decision-making. Due to its complexity and the many different prerequisites, including in particular experience and biomedical knowledge, this process is difficult to measure or map. The aim of this thesis was to develop an assessment form consisting of qualitatively identified "clinical reasoning" indicators and to
assess the "clinical reasoning" skills of medical students during simulated history taking. The assessment form was developed using clinical reasoning indicators from a published study and includes eight criteria that can be scored on a Likert scale of one to five points. The evaluation was based on recordings of simulated patient interviews during a 360-degree competence assessment. The student collective consisted of a total of 69 advanced medical students, mostly from the 10th semester or final year (PJ). The students came from three different universities with different undergraduate curricula. A total of 340 videos were evaluated and the results compared. Students from the vertically integrated program (Hamburg) achieved a significantly higher overall score than students from the non-vertically integrated program (TU Munich), 148.65 ± 14.26 versus 140.19 ± 13.16 (p < 0.01). Students from Hamburg also scored significantly better compared with students from the TU Munich in the individual categories: "Putting questions in a logical order", 4.10 ± 0.44 versus 3.33 ± 0.49 (p < 0.01), "Asking specific questions that point to pathophysiologic thinking", 3.92 ± 0.49 versus 3.85 ± 0.59 (p < 0.05) and "Checking with patient", 3.58 ± 0.44 versus 3.02 ± 0.67 (p < 0.01). The students from Hamburg also scored significantly better in four out of five patient cases in the overall scores. In the comparison of the students from the 10th semester and the PJ, no significant differences were found. The newly developed assessment form showed a satisfactory quality for the quantitative evaluation of "Clinical Reasoning" in the course of history taking, but should still be validated for further use. Whether the differences in the results of the students from Hamburg and the TU Munich can be explained by the different curricula cannot be determined with certainty at this time. In order to investigate this further, studies would be required that provide insights into the exact curriculum of the universities and the students' performance in the respective examinations.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/9135
URN: urn:nbn:de:gbv:18-ediss-94268
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Harendza, Sigrid
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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