Titel: | Partizipative Entscheidungsfindung und Beteiligung von Patienten in der Behandlung alkoholbezogener Störungen | Sprache: | mehrsprachig | Autor*in: | Rosahl, Anke | Schlagwörter: | Partizipative Entscheidungsfindung; Alkohol; Qualifizierter Alkoholentzug; Patientenbeteiligung; Evaluation | Erscheinungsdatum: | 2018-10 | Tag der mündlichen Prüfung: | 2020-11-13 | Zusammenfassung: | Hintergrund Patienten an medizinischen Entscheidungen zu beteiligen wird seit einigen Jahren sowohl von der Gesetzgebung, als auch von Forschungsgruppen und Patienten gefordert. Mit Hilfe des Modells der Partizipativen Entscheidungsfindung (PEF) ist es möglich, Patienten zu involvieren. Interventionen zum Einsatz von PEF wirken sich positiv auf die Kommunikation zwischen Behandlern und Patienten, die Zufriedenheit mit Behandlungsentscheidungen sowie das Wissen über Behandlungsmöglichkeiten aus. Die Beteiligung von Patienten kann erfasst werden aus Sicht der Patienten, der Behandler und Beobachter. Für den Bereich der substanzbezogenen Störungen gibt es zu PEF wenig Forschung. Da Patienten mit substanzbezogenen Störungen ein hohes Autonomiebedürfnis haben könnte der Einsatz von PEF Behandlungsergebnisse verbessern. Die vorliegende Dissertation beschäftigt sich somit mit dem Thema der Beteiligung von Patienten mit alkoholbezogenen Störungen (AUD). Methodik Die Evaluation erfolgt über drei Publikationen im Rahmen der BMBF-geförderten Studie MATE-LOC. Mit Hilfe eines systematischen Literaturreviews wird die vorhandene Evidenz zu PEF in der Behandlung von substanzbezogenen Störungen zusammengefasst. Die Evaluation zu Beteiligungspräferenzen von Patienten mit AUD wird mit einer quantitativen Querschnittsanalyse im qualifizierten Alkoholentzug (QE) durchgeführt. Über eine Längsschnittanalyse wird ermittelt, ob sich die Beteiligung der Patienten aus Sicht der Behandler, Patienten und Beobachter auf Behandlungsergebnisse sechs Monate nach Beendigung des QE auswirkt. Ergebnisse Studien zu PEF in der Behandlung von substanzbezogenen Störungen sind heterogen hinsichtlich Interventionen und Ergebnisparametern. Zwei Studien zeigten, dass Patienten mit AUD sich entweder allein oder gemeinsam mit ihren Behandlern an Entscheidungen beteiligen möchten. Auch die Querschnittsanalyse zeigte, dass sich die Mehrheit der Patienten im QE aktiv an Behandlungsentscheidungen beteiligen möchten. Tendenziell präferierten Patienten mit erhöhter Behandlungsbereitschaft PEF gegenüber der alleinigen Entscheidungsfindung. Patienten mit erhöhtem Hilfewunsch präferierten, dass Behandler entscheiden. Die Längsschnittanalyse ergab, dass Behandler und Patienten ein deutlich höheres Ausmaß an Patientenbeteiligung als Beobachter einschätzten. Die Tage schweren Trinkens reduzierten sich signifikant, je höher die Behandler die Patientenbeteiligung einschätzten. Diskussion & Fazit Interventionen zum Einsatz von PEF in der Behandlung von substanzbezogenen Störungen ähneln den Interventionen, die für andere akute und chronische Erkrankungen evaluiert wurden. Ebenso sind auch die Behandlungsergebnisse nicht eindeutig. Dass sich Patienten mit AUD aktiv an Behandlungsentscheidungen beteiligen möchten entspricht Ergebnissen anderer Studien zu AUD, ebenso wie anderen psychischen und somatischen Erkrankungen. Von den Patientencharakteristika hat lediglich die Motivation zur Behandlung einen Einfluss auf die Beteiligungspräferenz. Dies wurde bisher in keiner anderen Studie evaluiert. Jedoch ist die Behandlungsmotivation bedeutend für Patienten mit AUD, denn sind sie motiviert, sind sie adhärenter und reduzieren ihren Konsum. Die unterschiedliche Bewertung der Patientenbeteiligung aus Sicht der Patienten, Behandler und Beobachter bestätigt Ergebnisse bisheriger Forschung. Es kann nicht abschließend interpretiert werden, warum die Einschätzung der Behandler über die Patientenbeteiligung einen Einfluss auf Konsumreduktion hat. Allerdings hat nicht nur jede einzelne Perspektive eine mögliche Varianzaufklärung, sondern auch deren Interaktionen. Grundsätzlich benötigen die Ergebnisse dieser Studie weitergehende Überprüfungen. Das Setting der Dissertation fokussierte auf den qualifizierten Alkoholentzug. Evaluationen von Patienten, die andere Schweregrade der Erkrankung aufweisen und sich in anderen Behandlungssettings befinden, könnten weitere Aufschlüsse ergeben. Wenn Patienten an Entwicklungen von z.B. Interventionen für den Einsatz von PEF beteiligt würden, wäre es möglich, dass niedrige Raten der Inanspruchnahme von Behandlungen verbessert werden. |
URL: | https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/9164 | URN: | urn:nbn:de:gbv:18-ediss-94711 | Dokumenttyp: | Dissertation | Betreuer*in: | Härter, Martin Reimer, Jens Verthein, Uwe |
Enthalten in den Sammlungen: | Elektronische Dissertationen und Habilitationen |
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