Titel: Stand der perkutanen endovaskulären Therapie der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit in Deutschland – Ergebnisse aus 74 teilnehmenden Gefäßzentren
Sonstige Titel: Status of percutaneous endovascular therapy of peripheral arterial occlusive disease in Germany - results from 74 participating vascular centres
Sprache: Deutsch
Autor*in: Haustein, Konrad Volker
Schlagwörter: PSI-Registerstudie; infrainguinal; perkutan; endovaskulär; Therapieverfahren; Anwendergewohnheiten; multizentrisch
GND-Schlagwörter: Periphere arterielle VerschlusskrankheitGND
MedizinproduktGND
InterventionGND
Erscheinungsdatum: 2020
Tag der mündlichen Prüfung: 2021-08-16
Zusammenfassung: 
Die endovaskuläre Behandlung der PAVK wird zwar schon seit mehreren Jahrzehnten angewendet, erfreut sich heutzutage aber zunehmender Beliebtheit. Eine Vielzahl von Medizinprodukten und damit verbundenen Behandlungsoptionen steht mittlerweile zur Verfügung.
Die Entwicklung immer neuer Medizinprodukte und Therapieverfahren erschwert allerdings auch die Formulierung von allgemeingültigen Behandlungsempfehlungen. Die teilweise in kleinen Fallzahlen eingesetzten Medizinprodukte und Therapieverfahren können nur schwer bezüglich ihrer langfristigen Wirksamkeit verglichen und beurteilt werden.
Die Ergebnisse der PSI-Studie zeigen deutlich Unsicherheiten in der Wahl der Therapiemethode zur perkutanen endovaskulären Behandlung der suprapoplitealen Strombahn. Dies könnte zum einen an den unterschiedlichen Therapieempfehlungen der verschiedenen Leitlinien liegen, zum anderen an der zum Erhebungszeitpunkt nicht eindeutigen Studienlage.
Unterschiedliche Anwendergewohnheiten der beteiligten Fachdisziplinen konnten bei der Wahl des Therapieverfahrens und der verwendeten Medizinprodukte sowie bei den genutzten Verschlusssystemen aufgezeigt werden. Diese Ergebnisse heben die Bedeutung eines interdisziplinären Austausches hervor.
In der PSI-Studie wurde deutlich, dass ein großer Anteil an Patienten mit Claudicatio intermittens endovaskulär revaskularisiert wurde, anstatt primär das strukturierte Gehtraining zu absolvieren. Ähnliche Beobachtungen wurden auch in anderen Studien gemacht. Jedoch steht diese Praxis im Widerspruch zu den Leitlinienempfehlungen. Die aktuelle Studienlage zeigt eine Ebenbürtigkeit von endovaskulärer Therapie und strukturiertem Gehtraining. Die Ergebnisse der PSI-Studie legen jedoch nahe, dass sich das strukturierte Gehtraining in Deutschland noch nicht durchgesetzt hat.
Im untersuchten Zeitraum nahmen 16,5% der Patienten aus der PSI-Studie trotz klarer Leitlinienempfehlungen postinterventionell keine Thrombozytenaggregationshemmer ein. Die Gründe hierfür sind unklar. Auch der Anteil an Patienten, die postinterventionell orale Antikoagulantien einnahmen, lässt Fragen offen. Aufgrund welcher Indikation diese Medikamente eingenommen wurden, ist aus den Daten dieser Studie jedoch nicht ersichtlich.
Anhand der erhobenen Daten der PSI-Studie konnten geschlechterspezifische Unterschiede gezeigt werden. Frauen wurden erst in einem späteren Erkrankungsstadium der PAVK behandelt als Männer. Hierfür könnte ein verzögertes Auftreten der Symptomatik bei Frauen ursächlich sein. An der infrapoplitealen Strombahn wurden signifikant mehr Männer behandelt, signifikant mehr Frauen hingegen an der suprapoplitealen Strombahn. Hierfür könnte die höhere Rate an Diabeteserkrankungen bei Männern verantwortlich sein. Darüber hinaus könnte das fortgeschrittenere Erkrankungsstadium bei Frauen die Behandlung in der infrapoplitealen Strombahn erschweren aufgrund der stärkeren artherosklerotischen Veränderungen. Diese Vermutungen können jedoch anhand der erhobenen Daten nicht bestätigt werden.
In den bettenführenden gefäßchirurgischen Abteilungen wurde zwar ein Großteil der Interventionen von Gefäßchirurgen selbst durchgeführt, jedoch über ein Drittel der Revaskularisationen wurde von anderen Fachdisziplinen vorgenommen. Dies verdeutlicht, dass die interdisziplinäre Zusammenarbeit bei der endovaskulären Behandlung von Gefäßpatienten eine wichtige Rolle spielt.
Die in dieser Arbeit vorgestellten Untersuchungsergebnisse geben einen Einblick in den Stand der infrainguinalen perkutanen endovaskulären Therapie in Deutschland bei zugrundeliegender Claudicatio intermittens oder kritischer Extremitätenischämie. Die Wiederholung der PSI-Studie kann ermöglichen, Behandlungstrends der endovaskulären Behandlung in Deutschland zu erkennen. Außerdem könnte so erfasst werden, ob und wie schnell die Ergebnisse randomisierter Studien und die Empfehlungen der einzelnen Leitlinien in Deutschland in die Praxis umgesetzt werden.

Endovascular treatment of peripheral arterial occlusive disease has been used for several decades, but it is becoming increasingly popular today. A variety of medical devices and related treatment options are now available.
However, the development of more and more new medical devices and treatment methods makes it difficult to formulate generally valid treatment recommendations. It is complex to compare and assess the long-term efficacy of the medical devices and treatment methods, some of which are often used in small numbers of cases.
The results of the PSI study clearly show uncertainties in the choice of therapy methods for percutaneous endovascular treatment of the suprapopliteal segment. On the one hand, this could be due to the different therapy recommendations of various guidelines, and on the other hand, to the inconclusive study situation at the time of the survey.
Different user habits of the disciplines involved could be shown with regard to the choice of the therapy method, the medical devices used as well as the occlusion systems that were deployed. These results highlight the importance of interdisciplinary exchange.
In the PSI study, it became clear that a large proportion of patients with intermittent claudication underwent endovascular revascularisation instead of primarily undergoing supervised exercise training. Similar observations have been made in other studies. However, this practice is contrary to guideline recommendations. The current evidence indicates that endovascular therapy and supervised exercise training are equally effective. In contrast, the results of the PSI study suggest that supervised exercise training has not yet become established in Germany.
During the period of collecting data, 16.5% of the patients from the PSI study did not take antiplatelet drugs postinterventionally despite clear guideline recommendations. The reasons for this lack of medical postinterventional therapy are unclear. The proportion of patients who took oral anticoagulants postinterventionally also leaves questions unanswered. However, it is not clear from the data of this study for which indication these drugs were being prescribed.
Based on the data collected in the PSI study, gender-specific differences could be shown. Women were treated at a later stage of the disease than men. This could be due to the delayed onset of symptoms in women. Significantly more men were treated for the infrapopliteal segment, whereas significantly more women were treated for the suprapopliteal segment. This could be due to the higher rate of diabetics in the group of male patients. In addition, the more advanced stage of the disease in women could make treatment in the infrapopliteal segment more difficult as a result of more severe artherosclerotic changes. These assumptions cannot be confirmed on the basis of the data collected.
In vascular surgery departments, the majority of interventions were performed by vascular surgeons themselves, but more than a third of the revascularisations were performed by other disciplines. This illustrates that interdisciplinary collaboration plays an important role in the endovascular treatment of vascular patients.
The study results presented in this paper provide an insight into the status of infrainguinal percutaneous endovascular therapy in Germany for patients with intermittent claudication or critical limb-threatening ischaemia. Repeating the PSI study may make it possible to identify trends in endovascular treatment in Germany. In addition, it could be used to record whether and how quickly the results of randomised studies and the recommendations of the individual guidelines are implemented in practice in Germany.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/9202
URN: urn:nbn:de:gbv:18-ediss-95196
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Debus, Eike Sebastian
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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