Titel: Soziale Probleme in der Hausarztpraxis aus Patientensicht
Sonstige Titel: Social Problems in the Family Practice from a Patient Perspective
Sprache: Deutsch
Autor*in: Gosch, Viviana Maryvonne
Schlagwörter: Hamburg; Hausarztpraxis; Hausarzt; Patient; soziale Probleme; psychosoziale Probleme; Social Prescribing; Primärversorgung
GND-Schlagwörter: SozialmedizinGND
HausarztGND
Soziale ProblemeGND
PatientGND
Psychosoziale BeratungGND
Erscheinungsdatum: 2021
Tag der mündlichen Prüfung: 2021-09-10
Zusammenfassung: 
Hintergrund: Soziale Probleme spielen für die Primärversorgung in der Hausarztpraxis eine große Rolle, da sie sich negativ auf die physische und psychische Gesundheit, die Lebensqualität und die Compliance auswirken können oder die Ursache für gesundheitliche Probleme sein können. Bereits in früheren Studien stellte sich heraus, dass soziale Probleme in der Hausarztpraxis oft thematisiert werden. Bis heute existieren jedoch kaum Studien, welche die Sicht der Patientinnen/Patienten und ihre Wünsche für den Umgang mit sozialen Problemen in der Hausarztpraxis abbilden.

Fragestellung: Ziel war es herauszufinden, wie relevant der Hausarzt/die Hausärztin für die Patientinnen/Patienten im Hinblick auf das Besprechen und Bewältigen von sozialen Problemen
ist und welche Erfahrungen und Wünsche zum Umgang mit sozialen Problemen in der Praxis bestehen.

Methode: In insgesamt neun Hausarztpraxen in verschiedenen Hamburger Stadtgebieten und im Hamburger Umland wurden Patientinnen und Patienten während der Wartezeit konsekutiv
mittels eines Fragebogens befragt. Die abgefragten Problembereiche waren an das „Kapitel Z Soziale Probleme“ der International Classification of Primary Care – 2nd Edition angelehnt. Die erhobenen Daten wurden deskriptiv analysiert. Für einzelne Variablen wurde zusätzlich eine multivariate Analyse durchgeführt.

Ergebnisse: 336 Fragebögen wurden ausgewertet. Ca. 86% waren bereits von mind. einem sozialen Problem betroffen. Durchschnittlich waren die Teilnehmenden in der Vergangenheit bereits von 3 verschiedenen Problemen betroffen, mit Abstand am häufigsten von „Erkrankungen und Tod von Angehörigen oder Freunden“. Soziale Probleme wurden selten vom Arzt/ der Ärztin angesprochen, häufiger von den Betroffenen selbst. Der Hausarzt/ die Hausärztin hatte für die Mehrheit der Stichprobe eine hohe Bedeutung bei der Bewältigung von sozialen Problemen. Die Befragten wollten Probleme bei Bedarf eher selbst ansprechen als darauf angesprochen zu werden. Als Unterstützungsmöglichkeiten in der Praxis wurden Broschüren/Adressen, Vermittlung von Terminen in Beratungsstellen und Vermittlung von Selbsthilfegruppen
bevorzugt.

Schlussfolgerungen: Patientinnen und Patienten empfinden den Hausarzt/ die Hausärztin als wichtige Ressource bei sozialen Problemen. Besonders bei Personengruppen mit einem
niedrigeren sozioökonomischen Status sollte auf soziale Probleme geachtet werden. Mögliche Ansätze wären spezifisches Informationsmaterial in den Praxen, der Aufbau eines Netzwerks
von Beratungsstellen bzw. die Integration sozialer Unterstützungsangebote in interdisziplinären Gesundheitszentren. Weitere Forschung ist nötig, um die Ergebnisse dieser Studie zu überprüfen und zu vertiefen und zielführende Unterstützungsmöglichkeiten zu schaffen.

Introduction: Social problems play a major role in primary care as they can have a negative impact on physical and mental health, quality of life and compliance, or be the cause of health problems. Previous studies have already shown that social problems are often addressed in the family practice. Up to now, however, there are hardly any studies that reflect the patients' view and their wishes for dealing with social problems in the family practice. The aim was to find out how relevant the family doctor is for the patients with regard to discussing and coping with social problems and what experiences and wishes exist for dealing with social problems
in the family practice.

Method: In a total of nine family practices in various areas of Hamburg and its environs, patients were interviewed consecutively via a questionnaire during the waiting time. The problem areas were based on the "Kapitel Z Soziale Probleme" of the International Classification of Primary Care - 2nd Edition. The collected data were analyzed descriptively. In addition, a multivariate analysis was performed for individual variables.

Results: 336 questionnaires were evaluated. Approximately 86% of the respondents had already been affected by at least one social problem. On average, the participants had already been affected by 3 different problems in the past, most frequently by "illness and death of relatives or friends". Social problems were rarely addressed by the physician, more often by the affected persons themselves. The family doctor was of great importance in dealing with social problems for the majority of the sample. Respondents more likely wanted to address problems themselves when needed than to be approached about them. Brochures/addresses, arranging appointments at counseling centers, and referral to self-help groups were preferred support options in the practice.

Conclusions: Patients appreciate the family doctor as an important resource for social problems. Particularly in areas or groups of people with a lower socioeconomic status attention should be paid to social problems. Possible approaches would be specific information material in the practices, the development of a network of counseling centers or the integration of social support services in interdisciplinary health centers. Further research is necessary to
verify and expand the results of this study and to create targeted support possibilities.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/9210
URN: urn:nbn:de:gbv:18-ediss-95201
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Scherer, Martin
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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