Titel: Vietnamese as heritage language: written performance of Vietnamese-German adolescents
Sprache: Englisch
Autor*in: Tran, Thi Minh
Schlagwörter: Vietnamese heritage language; adolescent; written competence; Vietnamesische Herkunftsprache; schriftliche Kompetenz; Jugendlicher
GND-Schlagwörter: VietnamesenGND
EinwandererGND
MehrsprachigkeitGND
SprachwechselGND
Vietnamesische SchriftGND
Erscheinungsdatum: 2018-11-30
Tag der mündlichen Prüfung: 2019-06-06
Zusammenfassung: 
Aufgrund des sogenannten Social Turn hat sich die Untersuchung von Herkunftssprachen in den vergangenen fünf Jahren von einem unbedeutenden Rand- zu einem zentralen Fokusthema entwickelt (vgl. Montrul 2016). Meine Dissertation beschäftigt sich mit den Fragen, wie man die Schreibfähigkeit der Sprecher von Herkunftssprachen, speziell von vietnamesisch-deutschen Jugendlichen, bewerten kann und welche sprachspezifischen Charakteristika durchgängig und allgemein in ihren Texten festzustellen sind. Um diese Ziele zu erreichen, wurden zwei separate empirische Studien, der „Boomerang“-Schreibtest und ein Übersetzungstest, von je 20 vietnamesisch-deutschen Jugendlichen und einsprachigen Vietnamesen gleichen Alters durchgeführt.
Die Analyse der LiPS-Untersuchungsergebnisse ergab einen niedrigen Validitätsgrad bei drei linguistischen Indikatoren (Anredeformen, Passiv und Konjunktionen). Obwohl sich bei ihrem Einsatz die im Vergleich mit der Schriftproduktion einsprachiger Vietnamesen erwarteten Resultate ergaben, wird die LiPS-Untersuchung zudem als ein zu stark vereinfachter Untersuchungsrahmen angesehen, der das exakte Kenntnisniveau von Wortschatz, Anredeformen, Konjunktionen und Komposita nicht berücksichtigt. Daher konnten die Vietnamesisch-Sprachfähigkeiten der Untersuchungsteilnehmer nicht vollständig durch die erzielten Testergebnisse dargestellt werden.
Die vorliegende Dissertation identifiziert zudem die gemeinsamen Charakteristika aller Sprachniveaus vietnamesischer Herkunftssprache, die im „Boomerang“-Schreibtest und im Übersetzungstest auftraten. Im Bereich der Rechtschreibung sind dies Merkmale wie das Auslassen von Diakritika, das Großschreiben von Wortanfängen oder Graphem-Verwechslungen aufgrund der Übertragung deutscher Rechtschreibregeln ins Vietnamesische (z.B. "k" statt "c" oder "n" bzw. "ng" statt "nh"), Graphem-Verwechslungen aufgrund innersprachlicher Fehlerquellen (z.B. "s" und "x" oder "j" und "y") sowie die Verkürzung von Di- oder Trigraphemen (z.B. "ư" statt "ươ" oder "n" statt "ngh"). Im Bereich der Wortkenntnisse ergab die Untersuchung, dass vietnamesisch-deutsche Jugendliche ein weniger umfangreiches Vokabular besitzen als einsprachige Vietnamesen gleichen Alters, und zwar in Bezug auf die absolute Anzahl verwendeter Wörter, Komposita und sinovietnamesischer Wörter. Darüber hinaus wurden in diesem Bereich die folgenden Merkmale festgestellt: häufige Übertragungen semantischer Extensionen (Begriffsumfänge), häufige Übertragungen aus dem Englischen, bei Autosemantika (Inhaltswörtern) häufiger als bei Synsemantika (Funktionswörtern) auftretendes Code-Switching (Sprachwechsel), Verwendung von Infinitiven beim Code-Switching (fliegen statt fliegt), häufige Verwendung von allgemeineren anstelle von spezifischeren Wörtern (machen statt anmalen oder bohren) und Reduzierung von Lehnwörtern auf eine Silbe (bau statt bauen). Auf dem semantisch-syntaktischen Niveau ließen sich die folgenden Merkmale finden: öfter das Auslassen als die falsche oder übertrieben häufige Verwendung von Klassifikatoren, Verwendung des allgemeinen Klassifikators cái anstelle spezifischer Klassifikatoren und fehlerhafte Verwendung von Präpositionen. Das pragmatische Niveau wurde unter besonderer Beachtung der Verwendung von Anredeformen untersucht. Hierbei zeigte sich, dass die vietnamesisch-deutschen Jugendlichen bei den Schreib- und Übersetzungsaufgaben dazu tendierten, vertraulichere, informellere Anredeformen zu verwenden, z.B. das Pronomen mình (eine vertrauliche Anredeform) bzw. die Verwandtschaftsbezeichnungen em, con oder cháu anstelle formellerer Anredeformen wie tôi oder chúng tôi. Somit belegen die Untersuchungsergebnisse, dass die Schriftproduktion vietnamesisch-deutscher Jugendlicher auf Strategien wie „schreiben, wie sie sprechen“ (Chavalier 2004) oder „einfach alles hinschreiben“ (Danzak 2011a:501) zurückgreift.
Die vorliegende Dissertation endet mit Vorschlägen für den Entwurf eines speziell auf vietnamesische Herkunftssprachler abgestimmten Lese- und Schreibtrainings, das auf Chevaliers Modell (2004) basiert und dabei Ideen von Danzak (2011c), Torres (2016) und Torres et al. (2017) berücksichtigt.

In the last five years, research on heritage language has moved from “the margin to become a central focus” thanks to the so-called social turn (Montrul 2016). My dissertation addresses the question of how to evaluate the written performance of heritage language speakers, specifically the Vietnamese-German adolescents living in Germany, and what specific linguistic characteristics were consistently performed in their texts. In order to tackle the given aims, two separate empirical studies were conducted. These two studies, the boomerang writing test, and the translation test were given to 20 Vietnamese-German adolescents and 20 their Vietnamese monolingual peers respectively.
The results of the analytic scoring of LiPS showed that there is a low degree of validity of three linguistic indicators (i.e., address form, passive, and conjunction). In addition, despite finding the expected responses in comparison to the written production of Vietnamese monolinguals, the LiPS analysis has been considered an oversimplified analysis frame because it cannot measure an accurate level of how takers use vocabulary, address forms, conjunctions, and compounding. Therefore, the representation of the participants’ Vietnamese language performance has not been completely demonstrated across observed test scores.
The present dissertation also identified the common characteristics at all linguistic levels of the Vietnamese heritage language performed in the boomerang written texts and the translated texts. At the orthographic level, there are features such as deletion of diacritics, word-initial capitalization, grapheme replacement due to transfer from German orthographic rules (e.g., "k" instead of "c", "n" and "ng" instead of "nh"), grapheme confusion due to interlanguage resources (e.g., "s" and "x", "i" and "y"), reduction of digraphs and trigraphs (e.g., "ư" instead of "ươ", "n" instead of "ngh"). At the lexical level, the study found that Vietnamese-German adolescents had a smaller vocabulary size than their monolingual peers through comparison of total words used, compound words used, and Sino-Vietnamese words used. Additionally, in this area, the following features have also been demonstrated: frequency of semantic extension transfer, frequency of transfer from English, code-switching in content words more than in function words, use of an infinitival form of words in code-switching (fliegen not fliegt), frequent use of basic words instead of specific words (make instead of paint or drill), and monosyllabization of borrowed words (bau instead of bauen). The semantic-syntactic level contains the following features: higher frequency of classifier omission over both uses of incorrect classifiers and classifier overuse, use of the general classifier cái instead of specific classifiers, and incorrect preposition use. The pragmatic level was specifically targeted with a discussion about the complicated and context-sensitive system of Vietnamese address form use. The results showed that Vietnamese-German adolescents tended to use intimate informal address forms such as the pronoun mình (used to address and refer in intimate relationships), and kinship terms em, con, cháu instead of formal address forms such as tôi, chúng tôi in the contexts provided by the written and translated tasks. Hence, the findings showed that the written productions of the Vietnamese-German adolescents are the result of strategies such as “write the way they speak” (Chavalier 2004); “simply writing down everything” (Danzak 2011a:501).
The study concludes with a discussion of a specific literacy program for the Vietnamese heritage language based on Chevalier’s model (2004), Danzak’s idea (2011c), Torres (2016), and Torres et al. (2017).
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/9312
URN: urn:nbn:de:gbv:18-ediss-96620
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Engelbert, Jörg Thomas
Lévy-Tödter, Magdalène
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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