Titel: Dokumentation, Kommunikation und hypothesengeleitete Diagnostik von Studierenden im Praktischen Jahr an einem simulierten ersten Arbeitstag mit Telemedizin-Sprechstunde
Sprache: Deutsch
Autor*in: Schwick, Frederike Juliane
Schlagwörter: Clinical Reasoning; Kommunikation; Dokumentation; Fokussierung; standardized patients
Erscheinungsdatum: 2021
Tag der mündlichen Prüfung: 2021-10-04
Zusammenfassung: 
Clinical Reasoning (klinisches Argumentieren), Dokumentation und Kommunikation sind zusammenhängende und wichtige Fähigkeiten im ärztlichen Arbeitsalltag. Insbesondere Clinical Reasoning und Dokumentation sind in medizinischen Curricula jedoch oft nur unzureichend vertreten. In dieser Arbeit wurden das Dokumentations- und Anforderungsverhalten sowie die Kommunikationsfähigkeiten von PJ-Studierenden in Verbindung mit deren Clinical Reasoning Fähigkeiten untersucht. Zu diesem Zweck nahmen 30 PJ-Studierende an einer Simulation eines ärztlichen Arbeitstages teil, in welcher sie mit jeweils vier standardisierten Patient:innen (SP) Anamnesegespräche führten. Die SP bewerteten die kommunikativen und interpersonellen Fähigkeiten der Studierenden nach jedem Gespräch mit dem ComCare-Bogen. Für jede:n SP füllten die Teilnehmenden eine Dokumentation in einer digitale Patient:innenakten (dPA) aus und konnten weitere Diagnostik anfordern. Die Daten der dPA wurden exzerpiert und mit dem Wilcoxon Vorzeichen Rang Test und dem Mann Whitney U Test vergleichend analysiert. Außerdem wurden Spearman-Korrelationen für die Daten der Anamnesedokumentation und die ComCare-Bewertungen berechnet. Fast die Hälfte der Hauptbeschwerden der SP wurde nicht von allen Studierenden dokumentiert, die mit diesen SP sprachen. Relevante Informationen wurden teilweise von nur wenigen Teilnehmenden, jedoch häufiger als nicht relevante Informationen, dokumentiert. Von den 489 unterschiedlichen Anamneseinformationen waren 228 (46,6%) für die korrekte Fallbearbeitung relevant. Geschlechterunterschiede im Dokumentationsumfang wurden nicht festgestellt. Die Studierenden tätigten durchschnittlich ca. 15 Anforderungen (ca. 12 Laborparameter und ca. 3 Anforderungen weiterer Diagnostik) pro SP. Die SP bewerteten die Kommunikation der Studierenden mit durchschnittlich 3,8 von maximal fünf Punkten. Für sieben der acht SP bestanden schwache bis starke, positive Korrelationen der Anzahl der Anamneseinformationen mit dem ComCare-Mittelwert [ρ = 0,121 (p = 0,680) bis ρ = 0,521 (p = 0,101)]. Die sehr umfangreiche Dokumentation und das unfokussierte Anforderungsverhalten der Studierenden bei überwiegend gutem Kommunikationsverhalten wurden wahrscheinlich vor allem durch unzureichende Clinical Reasoning Fähigkeiten der Teilnehmenden bedingt. Die Etablierung von Clinical Reasoning Kursen und die stärkere Einbindung von Dokumentation in medizinische Curricula könnten zu einer Verbesserung der Dokumentation und des Anforderungsverhaltens Medizinstudierender führen.

Clinical reasoning, documentation and communication are interrelated and important skills in everyday work of physicians. However, clinical reasoning and documentation are often poorly represented in medical curricula. In this study, the documentation and ordering behaviour of diagnostic tests as well as the communication skills of final-year medical students were examined in relation to their clinical reasoning skills. For this purpose, 30 final-year medical students participated in a simulation of a physician’s workday, in which they each took the medical histories of four standardized patients (SP). The SPs rated the students’ communication and interpersonal skills after each interview using the ComCare questionnaire. For each SP, the participants completed a digital patient record (dPA) and could order further diagnostic tests. Data from the dPA were excerpted and comparatively analysed using the Wilcoxon signed-rank test and the Mann-Whitney U test. Furthermore, Spearman correlations were calculated for the medical history documentation and the ComCare ratings. Almost half of the SPs’ chief complaints were not documented by all students who talked to these SPs. Relevant information was partly documented by only a few participants, but more frequently than irrelevant information. Of the 489 different medical history aspects, 228 (46,6%) were necessary to correctly process the medical cases. Gender differences in the amount of documentation were not found. The students ordered an average of approximately 15 tests (approximately 12 laboratory parameters and approximately 3 further diagnostic tests) per SP. The SPs rated the students‘ communication with an average of 3.8 points out of a maximum of five points. For seven of the eight SPs, the amount of medical information gathered in the medical history correlated weakly to strongly with the ComCare ratings [ρ = 0,121 (p = 0,680) to ρ = 0,521 (p = 0,101)]. The extensive documentation and the unfocused ordering patterns of the students with predominantly good communication skills, were probably caused mainly by insufficient clinical reasoning skills of the participants. Establishing clinical reasoning courses and incorporating more documentation in medical curricula could improve documentation and ordering patterns of medical students.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/9327
URN: urn:nbn:de:gbv:18-ediss-96833
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Harendza, Sigrid
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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