Titel: Poverty Reduction and Sustainability at the Base-of-the-Pyramid: Challenges for New and Existing Business Models
Sonstige Titel: Armutsreduzierung und Nachhaltigkeit am Fuße der globalen Einkommenspyramide: Herausforderungen für neue und bestehende Geschäftsmodelle
Sprache: Englisch
Autor*in: Grimm, Jordis Tabea
Schlagwörter: Base-of-the-pyramid; poverty; business model; cognitive frames; sustainability standards; capability approach
GND-Schlagwörter: ArmutGND
GeschäftsmodellGND
NachhaltigkeitGND
Erscheinungsdatum: 2021-05-31
Tag der mündlichen Prüfung: 2021-10-27
Zusammenfassung: 
Der englische Begriff „base-of-the-pyramid“ (BOP) bezieht sich auf die unterste Ebene der globalen Einkommenspyramide, das heißt auf die weltweit ärmsten Menschen. Dem sogenannten BOP-Konzept in der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung liegt die Idee zugrunde, dass der Aufbau von Wirtschaftsbeziehungen mit den Armen, sei es in der Rolle als Konsument*innen oder in der Rolle als Partner*innen in der Wertschöpfung, zugleich Gewinne generieren als auch Armut reduzieren könne (Kolk et al., 2014; Prahalad, 2005). Allerdings hat sich die BOP-Debatte vornehmlich auf Aspekte der Rentabilität von Geschäftsmodellen an der BOP konzentriert und Armutsreduzierung eher als automatische Folge wirtschaftlich erfolgreicher Geschäftsmodelle angenommen (Dembek et al., 2020). Diese kumulative Dissertation adressiert diese Lücke, indem sie Armut konzeptionalisiert und die theorie-basierte Analyse auf Herausforderungen für Armutsreduzierung und Nachhaltigkeit fokussiert. Dabei betrachte ich bei der Analyse die Mikro-, Meso- und Makro-Ebene, berücksichtige sowohl Herausforderungen, die intern als auch solche, die extern zur Organisation verortet sind, und beziehe sowohl Herausforderungen in die Analyse ein, die sich aus der Umsetzung neuer Geschäftsmodelle ergeben, als auch solche, die durch die Anpassung bereits existierender Geschäftsmodelle entstehen. Diese Varianz ergibt sich durch die Beantwortung von vier Forschungsfragen in drei Fachartikeln. Artikel I (“Gaining Mutual Benefits Through Business-non-profit Partnership in Base-of-the-Pyramid Markets: A Relational View”) ist eine konzeptionelle Arbeit und führt zunächst den Fähigkeiten-Ansatz (Alkire, 2005; Sen, 1999) in die BOP-Debatte ein und spezifiziert damit die Bedeutung von Wertschöpfung an der BOP als Beitrag zur Verbesserung von grundsätzlichen Fähigkeiten (basic capabilities). Des Weiteren leistet Artikel I einen Beitrag zur Analyse von Herausforderungen für die Überwindung von Armut durch die Anwendung des relationalen Ansatzes (relational view, Dyer & Singh, 1998) auf Partnerschaften zwischen Unternehmen und nicht-gewinnorientierten Organisationen in BOP-Märkten. Dabei werden die bestimmenden und unterstützenden Faktoren, welche soziale und ökonomische Wertschöpfung durch Partnerschaften ermöglichen, untersucht und Besonderheiten des BOP-Kontexts herausgestellt. Artikel II (“Cognitive Frames of Poverty and Tension Handling in Base-of-the-Pyramid Business Models”) bezieht sich auf die kognitive Perspektive (Hahn et al., 2014; Walsh, 1995) sowie auf Literatur der Organi-sationsforschung zu Spannungen (Smith et al., 2013; Smith & Lewis, 2011) und dem Umgang mit solchen (Jarzabkowski et al., 2013; van Bommel, 2018). Der Artikel basiert auf einer qualitativen Studie mit einer mittelgroßen Stichprobe von Unternehmensakteuren, die neue Geschäftsmodelle an der BOP umgesetzt haben. Artikel II identifiziert vier verschiedene kognitive Deutungsrahmen (cognitive frames) für Armut und analysiert wie Unternehmensakteure auf Spannungen zwischen der doppelten Zielsetzung Armutsreduktion und Profitabilität durch die Anpassung von Geschäftsmodellen reagieren. Die Studie stellt dabei heraus, dass unterschiedliche Deutungsrahmen für Armut die Akteure beim Umgang mit Spannungen beeinflussen. Artikel III (“The Influence of Agonistic Deliberation on Decoupling and Recoupling: A Process Perspective on the DETOX International Sustainability Standard”) erweitert die Perspektive auf Herausforderungen für Armutsreduzierung und Nachhaltigkeit an der BOP um solche Herausforderungen, die sich aus der Anpassung bereits existierender Geschäftsmodelle ergeben, insbesondere durch die Umsetzung internationaler Nachhaltigkeitsstandards in globalen Wertschöpfungsketten. Eine Einzelfallstudie zur Umsetzung des neuen Chemikalienmanagementstandards DETOX bei einem großen Sportartikelhersteller, welche Interviews und Dokumente umfasst, die einen Zeitraum von acht Jahren betreffen, ermöglichte die Entwicklung eines Prozessmodells (Langley, 1999; Langley et al., 2013). Dieses Modell hilft zu erklären, wie die Kommunikation zwischen der standardsetzenden Organisation auf der Makro-Ebene und der umsetzenden Organisation auf der Meso-Ebene die Entkopplung zwischen Praktiken und Regelwerk im Unternehmen und die folgende Rückkopplung zwischen diesen beeinflusst hat. Die Ergebnisse aller drei Artikel zusammen unterstreichen sowohl die Chancen als auch die Hindernisse für Armutsreduzierung und Nachhaltigkeit an der BOP, welche mit der Umsetzung neuer und der Anpassung existierender Geschäftsmodelle verbunden sind. Sie zeigen damit auf, dass Geschäftsmodelle, welche arme Menschen als Geschäftspartner*innen oder Konsument*innen integrieren, kein Allheilmittel zur Reduktion weltweiter Armut in multidimensionaler Form sind. Ob und inwiefern solche Geschäftsmodelle zu mehr Nachhaltigkeit und Armutsreduzierung beitragen können, hängt vielmehr davon ab, wie einzelne Akteure und Organisationen Herausforderungen, die mit der Mikro-, Meso-, und Makro-Ebene verknüpft sind, überwinden. Die vorliegende Dissertation trägt mit der konzeptionellen und empirischen Forschung zu Herausforderungen für Armutsreduzierung und Nachhaltigkeit dazu bei, die BOP-Debatte zugunsten einer stärkeren Berücksichtigung der Armutsseite bei der doppelten Zielsetzung von Armutsreduktion und Rentabilität zu beeinflussen. Außerdem leisten die einzelnen Artikel Beiträge, die angewendeten Theorien durch das im BOP-Kontext erworbene Wissen weiterzuentwickeln. Insbesondere leisten sie Beiträge zur Weiterentwicklung der Theorie über kognitive Deutungsrahmen im Kontext von unternehmerischer Nachhaltigkeit (Haffar & Searcy, 2019; Hahn et al., 2014; Hockerts, 2015), der Theorie zu Spannungen sowie des Umgangs mit diesen im Kontext von unternehmerischer Nachhaltigkeit (Battilana & Lee, 2014; Hahn et al., 2015; T. Hahn et al., 2018) und des Ansatzes der kommunikativen Konstituierung der Organisation (Bitektine et al., 2020; Schoeneborn et al., 2019).

The term base-of-the-pyramid (BOP) refers to the lowest layer of the global income pyramid, in other words the global poor. The BOP concept in management science has at its core the idea that doing business with the poor – be it as consumers or as partners in value creation – can grow profits while at the same time reducing poverty (Kolk et al., 2014; Prahalad, 2005). However, the BOP debate for long has concentrated on profitability issues and has treated poverty reduction rather as a natural consequence of profit maximisation (Dembek et al., 2020). This cumulative doctoral thesis addresses this negligence by the conceptualisation of poverty and the theoretically based analysis of challenges for poverty reduction and sustainability at the BOP. The dissertation varies the levels of analysis from micro to meso to macro, takes into account challenges internal and external to the organisations that initialise a BOP business model, and considers challenges resulting from implementing new business models as well as adapting existing ones. It does so by answering four research questions in three academic articles. Paper I (“Gaining Mutual Benefits Through Business-non-profit Partnership in Base-of-the-Pyramid Markets: A Relational View”) is conceptually in nature and firstly, introduces the capability approach (Alkire, 2005; Sen, 1999) to the BOP debate, thereby clarifying the meaning of value creation at the BOP as improved basic capabilities of poor people. Secondly, Paper I applies the relational view (Dyer & Singh, 1998) to business-non-profit-partnerships in BOP markets and examines determinants and facilitators for economic and social value creation through partnerships. Paper II (“Cognitive Frames of Poverty and Tension Handling in Base-of-the-Pyramid Business Models”) draws on the cognitive perspective (T. Hahn et al., 2014; Walsh, 1995) and on organisational literature on tensions (Smith et al., 2013; Smith & Lewis, 2011) and tension handling (Jarzabkowski et al., 2013; van Bommel, 2018). It builds on a qualitative study with a medium-sized sample of corporate actors, who implemented new business models at the BOP. Paper II allows for the identification of four different cognitive frames of poverty and the analysis of how corporate actors handle poverty-profitability tensions through adapting business model elements. The findings show that different cognitive frames of poverty shape an uneven handling of poverty-profitability tensions. Paper III (“The Influence of Agonistic Deliberation on Decoupling and Recoupling: A Process Perspective on the DETOX International Sustainability Standard”) extends the perspective on challenges for poverty reduction and sustainability at the BOP to include the adaptation of already existing business models through the implementation of international sustainability standards in global value chains. A single case study on the implementation of the new chemical management standard DETOX at an international sports fashion company with interview and archival data covering a period of eight years allows for the development of a process model (Langley, 1999; Langley et al., 2013). The model helps to explain how the communicative interaction between the standard setter on the macro level and the standard taker on the meso level shapes decoupling and recoupling between policy and practices over time. The findings of the three papers highlight both prospects and challenges for poverty reduction and sustainability at the BOP that are associated with implementing new and adapting existing business models. The dissertation suggests that the BOP concept is no panacea for ending poverty in its multidimensional sense. Instead, the thesis proposes that whether business at and with the BOP can be considered as effective to contributing to poverty reduction and sustainability depends on how challenges related to the micro level, the meso level and the macro level are overcome by actors and organisations. By adding to the theoretical and empirical knowledge about specific challenges for poverty reduction at the BOP, this dissertation not only advances the current literature and debate on the BOP concept but also contributes to theories considered for analysis. In particular, it contributes to theory on tensions and responses to tensions in corporate sustainability (Battilana & Lee, 2014; T. Hahn et al., 2015; T. Hahn et al., 2018), theory on cognitive frames in corporate sustainability research (Haffar & Searcy, 2019; T. Hahn et al., 2014; Hockerts, 2015), institutional theory on decoupling and recoupling (Boxenbaum & Jonsson, 2017; Bromley & Powell, 2012), and the formative view of communication in organisational science (Bitektine et al., 2020; Schoeneborn et al., 2019).
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/9330
URN: urn:nbn:de:gbv:18-ediss-96888
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Gilbert, Dirk Ulrich
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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