Titel: The Mysteries of Constantinople. Greek "social fiction" in the Ottoman Empire. A discource about a Constantinopolitan Greek collective identity in the late nineteenth century?
Sprache: Englisch
Autor*in: Georgiadou, Zoi
Schlagwörter: City Mysteries; nineteenth century; Constantinopolitan Greeks; collective identity; genre
GND-Schlagwörter: RomanGND
Ethnische IdentitätGND
GriechenGND
Istanbul <Motiv>GND
TanzimatGND
Erscheinungsdatum: 2021
Tag der mündlichen Prüfung: 2019-12-16
Zusammenfassung: 
Gelehrte sprechen unter Bezug auf die zahlreichen ursprünglichen City Mysteries Romane und deren Übersetzungen in einige Sprachen, die während des 19. Jahrhunderts in verschiedenen modernen Stadtzentren veröffentlicht worden sind, oft von dem Phänomen der „Mysterymania“, die sich während dieser Zeitspanne in Europa verbreitet hat. Die meisten dieser Romane wurden als Feuilletonromane erstveröffentlicht, das heißt in Folgen (meistens täglich) im unteren Teil der Titelseite von politischen Zeitungen und Magazinen. Durch das Verbinden von umfangreichen Informationen über zeitgenössische politische und soziale Veranstaltungen mit lebhaften Beschreibungen, romantischen Begebenheiten und spannender Handlung, sprachen die City Mysteries Romane eine breite Leserschaft aus der Mittel- und Arbeiterklasse der modernen Stadtzentren an und suchten nach den Gründen, die Menschen in die Kriminalität und Sittenlosigkeit führten.
Unter dem Einfluss dieses Zustroms an aus dem Ausland importierter Erzählliteratur begann während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der osmanischen Hauptstadt eine lokale Kultur der Romane zu entstehen. Die Übersetzungen populärer europäischer City Mysteries Romane wie Les Mystères de Paris von Eugène Sue, Les Mystères de Londres von Paul Fèval oder The Mysteries of London von George Reynolds von osmanischen griechischen Literaten bildeten die Grundlage für künftige Entwicklungen in griechischer Prosaliteratur und waren die Basis für stilistische und thematische Experimente, die später ihren Weg in eine Reihe von konstantinopolitanisch-griechischen Werken finden würden. Die osmanische Hauptstadt, ein modernes Stadtzentrum mit einer riesigen Bevölkerung, multinationalem Charakter und ihrer Bedeutung als Durchgangshafen, stellte einen idealen Ort für das Verfassen von griechischsprachigen Romanen dar, da sie tatsächlich die einzige Stadt mit griechischsprachiger Bevölkerung war, welche mit den Stadtzentren von Paris und London vergleichbar war.
Meine Dissertation konzentriert sich auf eine Gruppe von Autoren, die ihre City Mysteries Romane in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts veröffentlicht haben und die entweder aus Konstantinopel stammen und dort gelebt haben oder einfach nur ein eingehendes Wissen über die Stadt hatten, da sie dort einige Zeit gelebt haben. Diese Autoren beziehen sich durch ihre Texte auf die konstantinopolitanisch-griechische Gesellschaft und die Entstehung ihrer kollektiven Identität als Nebenprodukt von zwei konkurrierenden Ideologien dieser Zeit, die Megali Idea und die Greco-Ottomanism. Aus meiner Sicht scheinen diese Texte während einer teilweise kritischen Zeit an dem ideologischen Diskurs zwischen der „ethnozentrischen“ und der „kosmopolitischen“ Perspektive der konstantinopolitanisch-griechischen Gesellschaft beteiligt zu sein. Dem literarischen Trend und genauso dem Bedarf des heimischen Marktes folgend, sahen die Autoren ihre Werke als einen Weg die Situation der griechischen Gesellschaft im Osmanischen Reich zu verbessern und den einzigartigen Charakter und die Mentalität der konstantinopolitanischen Griechen auszudrücken und zur Bildung einer kollektiven konstantinopolitanisch-griechischen Identität in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts beizutragen. Daher nehme ich an, dass diese populären Romane einen produktiven literarischen und gleichzeitig ideologischen Diskurs sowie Interaktion sowohl untereinander, als auch mit diversen Romanen, die in der gleichen Zeitspanne im Griechischen Königreich veröffentlicht worden sind, entwickeln.
Das Korpus meiner Untersuchungen bezieht sich auf zehn umfangreiche Romane, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts veröffentlicht worden sind, und mehr oder weniger dem literarischen Genre der City Mysteries zugeordnet werden können, da sie den Standardkonventionen und üblichen Hauptmerkmalen dieses speziellen Genres folgen und lebhaft die Struktur der konstantinopolitanisch-griechischen Gesellschaft und das kollektive Bewusstsein ihrer Mitglieder aufzeigen. In meiner Dissertation befasse ich mich mit den politischen und sozialen Absichten jedes Autors und betrachte die ideologische Perspektive, aus der er die Gesellschaft Konstantinopels porträtiert, genauso wie die Art und Weise in der die Beziehung zwischen den beiden wichtigen Zentren des Hellenismus, der Hauptstadt des Griechischen Königreichs und der Hauptstadt des Osmanischen Reichs, wahrgenommen wird. Diese Autoren scheinen sich der Konventionen und Potentiale der literarischen Tradition, der sie folgen, vollständig bewusst zu sein und passen diese den Umständen der „östlichen“ Gesellschaft an. Daher repräsentieren die Ideen, die in ihren City Mysteries Romanen ausgedrückt werden, das komplexe Gerüst von Beziehungen und Wechselwirkungen innerhalb der sich wandelnden konstantinopolitanisch-griechischen Gesellschaft aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bei sorgfältiger Betrachtung des Korpus dieser Texte und bei Berücksichtigung der Tradition des literarischen Genres, zu dem diese gehören, sowie der ideologischen Entwicklung der konstantinopolitanischer Griechen während einer teilweise kritischen Zeitperiode, erläutere ich, dass diese Romane neben der Unterhaltung kulturellen und ideologischen Zielen gedient haben, wie zum Beispiel die Vereinigung der konstantinopolitanisch-griechischen Gesellschaft, ihrer nationalen Orientierung innerhalb oder außerhalb des Osmanischen Reichs und der Stärkung ihrer gemeinsamen Identität, die ein Schutzschild gegen den aufkommenden Nationalismus auf der Balkanhalbinsel darstellen würde.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/9356
URN: urn:nbn:de:gbv:18-ediss-96824
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Moennig, Ulrich
Kučera, Petr
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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