Titel: Risiken der medikamentösen Behandlung von bullösen Autoimmundermatosen mit Dapson
Sprache: Deutsch
Autor*in: Alamdar, Nathalie Soraya
Schlagwörter: Autoimmunerkrankungen; Bullöse Autoimmundermatosen; Dapson; Immunsuppressiva; Autoantikörper; autoimmune diseases; autoantibodies; immunosuppressants
Erscheinungsdatum: 2021
Tag der mündlichen Prüfung: 2021-12-02
Zusammenfassung: 
Aufgrund der steigenden Inzidenz und Schwere von bullösen Autoimmundermatosen muss der Behandlung dieser Erkrankungen verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet werden. Dapson stellt hierbei ein häufig eingesetztes Medikament dar. Ziel dieser Studie war es, zur Überprüfung der Indikation Dapsons die Risiken dieses Medikaments durch Erstellung eines Nebenwirkungsprofils näher zu untersuchen. Dies wurde in der vorliegenden retrospektiven Studie anhand der Daten von 95 Patienten des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf sowie der Universitätsklinik Mannheim mit den Diagnosen nach den ICD-Codes 12-13 durchgeführt. Die mit Abstand häufigste bullöse Autoimmundermatose stellt das bullöse Pemphigoid dar, welches daher in unserer Studie besonders betrachtet wurde. Dapson wurde in der Studie ausschließlich als steroideinsparendes Adjuvans verwendet und stellte bei seinem Einsatz in 76 von 95 Fällen (80 %) das zuerst verwendete Adjuvans der Therapie dar. Das Durchschnittsalter des Patientenkollektivs betrug 76 Jahre, das Geschlechterverhältnis lag bei 1 : 1,6 (m : w). Insgesamt setzen ca. 75 % der Patienten Dapson bis zum Ende des Untersuchungszeitraums ab. Die Analyse der Studienergebnisse verdeutlichte, dass mit steigendem Alter, vor allem bei den über 75-Jährigen, die Häufigkeit des Abbruchs der Dapsontherapie wegen Nebenwirkungen stieg. Besonders betroffen waren Frauen, welche eine um etwa 1,5-fach höhere Therapieabbruchquote als Männer aufwiesen. Das Patientenkollektiv bestand zu 74,7 % aus Patienten mit einem bullösen Pemphigoid, welche überdurchschnittlich viele Komorbiditäten besaßen. Die Studie zeigte, dass eine Dapsontherapie für Patienten mit einer bekannten Anämie ein höheres Risiko für Nebenwirkungen hat. Begleiterkrankungen von Atmungssystem, Psyche, Stoffwechsel, Herz und weitere Hauterkrankungen erhöhen zudem das Risiko, Dapson aufgrund von Nebenwirkungen absetzen zu müssen. Nebenwirkungen wurden bei 74 % des gesamten Patientenkollektivs dokumentiert. Ein Therapieabbruch aufgrund von Nebenwirkungen erfolgte bei 52,6 % des Kollektivs, wobei in beiden Universitätskliniken eine ähnlich hohe Abbruchquote erreicht wurde. In dieser Studie führte zudem eine Wirkungslosigkeit Dapsons bei 15,8 % zum Abbruch der Therapie. Die durchschnittlich eingenommene Dapsondosis, welche schließlich wegen Nebenwirkungen zum Abbruch führte, lag bei 50 mg. Innerhalb der ersten sechs Monate nach Therapiebeginn entschied sich, ob das Medikament wegen Unverträglichkeit abgesetzt werden musste. Daher sind in diesem Zeitraum konsequente und engmaschige Kontrollen zu empfehlen. In dem Patientenkollektiv wurde eine Variation von 24 verschiedenen Nebenwirkungen dokumentiert, wobei oft auch mehrere Nebenwirkungen parallel auftraten. Ein Therapieabbruch aufgrund von Nebenwirkungen erfolgte in über einem Drittel der Fälle aufgrund von mehr als einer Nebenwirkung. Blutbildveränderungen, insbesondere ein Hb-Abfall, stellten bei nahezu der Hälfte der Patienten den häufigsten Abbruchgrund wegen Nebenwirkungen dar. In gut einem Drittel der Fälle erfolgte hingegen ein Abbruch allein aufgrund von klinischen Symptomen sowie von Dapson-induzierten Erkrankungen. In 18 % der Fälle lag als Abbruchgrund eine Kombination von Blutbildveränderungen und klinischen Symptomen vor. Ein Abfall des Hämoglobinwertes stellte die geschlechterunabhängige, dominierende Nebenwirkung dar und trat bei 91 % des gesamten Patientenkollektivs auf. Selbst bei den 12,6 % der Patienten, bei denen eine gute Verträglichkeit sowie ein verbesserter Hautbefund dokumentiert wurde, trat ein Hb-Abfall auf. Patientinnen setzen vorrangig wegen Blutbildveränderungen wie einem Hb-Abfall und einem Met-Hb-Anstieg ab, bei männlichen Patienten erfolgte dies eher aufgrund klinischer Symptome wie einer Dyspnoe, einer Zyanose, Unwohlsein, Herzrasen, Schwindel und Diarrhoe. In dieser Studie traten zudem einige schwerwiegende und als selten eingestufte Nebenwirkungen wie etwa das Dapson-Syndrom auf. Im Hinblick auf das hier dokumentierte Nebenwirkungsprofil sollte der Einsatz von Dapson bei bullösen Autoimmundermatosen, vor allem beim bullösen Pemphigoid, kritisch diskutiert werden und immer einer eingehenden Kontrolle folgen. In unserer Studie zeigte sich Doxycyclin als eine vielversprechende Alternative. Doxycyclin führte bei 40 % der Patienten, welche Dapson aufgrund von Nebenwirkungen absetzen mussten, schlussendlich zum Erfolg. Aufgrund der Limitationen einer retrospektiven Studie sollten zukünftig weitere prospektive Studien folgen.

Due to the increasing incidence and severity of bullous autoimmune diseases, rising attention must be paid to the treatment. Dapsone is a commonly used drug in dermatology. The aim of this study was to examine the risks of this drug by creating a side effect profile in order to review dapsone`s indication. This was carried out in the present retrospective study based on data from 95 patients from the University Hospital Hamburg-Eppendorf and the University Hospital Mannheim with the diagnoses according to ICD codes 12-13. By far the most common bullous autoimmune disease is the bullous pemphigoid, which is therefore particularly considered in our study. Dapsone was used exclusively as a steroid-saving adjuvant in the study and represented in 76 of 95 cases (80 %) the first adjuvant of therapy used. The average age of the patient collective was 76 years, the gender ratio was 1 : 1.6 (m : w). Overall, about 75 % of patients dropped dapsone by the end of the study period. Analysis of the study results showed that with age, especially among those over 75 years old, the frequency of discontinuation of therapy with dapsone increased due to side effects. Women were particularly affected and had a rate of discontinuation of therapy about 1.5 times higher than men. The patient collective consisted of 74.7 % of patients with a bullous pemphigoid who had an above-average number of comorbidities. The study showed that patients with a known anemia are of higher risks to dapsone side-effects. Concomitant diseases of respiratory system, psyche, metabolism, heart and other skin diseases increase the risk of stopping dapsone treatment. Adverse reactions have been documented in 74 % of the total patient collective. Discontinuation of therapy due to side effects occurred in 52.6 % of the collective with a similarly high dropout rate in both university hospitals. In this study dapsone`s ineffectiveness led to discontinuation of therapy in 15.8 %.
The average dose taken, which finally led to cancellation due to side effects, was 50 mg. Mostly within the first six months after starting therapy it was decided whether the drug had to be discontinued due to intolerance. Consistent and close-knit controls are therefore recommended during this period. In the patient collective a variation of 24 different side effects was documented, often with several side effects simultaneously. Discontinuation of therapy due to side effects occurred in more than one third of cases due to more than one side effect. Blood count changes, especially a Hb drop, were the most common cause of discontinuation due to side effects in nearly half of patients. In just over a third of cases, however, termination occurred solely based on clinical symptoms and dapsone-induced diseases. In 18 % of cases the reason of discontinuation was a combination of blood count changes and clinical symptoms. A decrease of hemoglobin levels was the gender-independent, dominant side effect and occurred in 91 % of the entire patient collective. Even in the 12.6 % of patients who were documented good tolerability and improved skin findings Hb decrease had occurred. Female patients are primarily affected by changes in blood count such as Hb drop and Met Hb increase. Male patients were more likely affected to clinical symptoms such as dyspnea, cyanosis, malaise, rapid heartbeat, dizziness and diarrhea. In this study there were even some serious and rare side effects such as dapsone syndrome. With regard to the side effect profile documented here the use of dapsone in bullous autoimmune dermatoses, especially in bullous pemphigoid, should be critically discussed and should always follow a thorough control. In our study a promising alternative was doxycycline. Doxycycline ultimately led to success in 40 % of patients who had to stop dapsone due to side effects. Due to the limitations of a retrospective study further prospective studies should follow in the future.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/9417
URN: urn:nbn:de:gbv:18-ediss-97947
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Schneider, Stefan W.
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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