Titel: Rauschgifttodesfälle in Hamburg und der Einfluss der Substitution mit Methadon
Sprache: Deutsch
Autor*in: Witzel, Barbara Constanze
Schlagwörter: Substitution; Rauschgifttodesfälle; Drogentote; Entzug; Drogentod; Überdosis
GND-Schlagwörter: MethadonGND
RauschgiftGND
DrogeGND
RechtsmedizinGND
RauschgiftsüchtigerGND
DrogenkriminalitätGND
DrogentherapieGND
HeroinGND
ToxikologieGND
Erscheinungsdatum: 2021
Tag der mündlichen Prüfung: 2022-02-11
Zusammenfassung: 
Die Substitution basiert auf dem Gedanken der „harm reduction“, der Schadensbegrenzung. Doch auch wenn die Substitutionsbehandlung seit Novellierung der Betäubungsmittelgesetzes 1992 in Deutschland ausdrücklich vom Gesetzgeber anerkannt ist und die WHO Methadon seit 2005 in der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel führt, gerät die Substitutionstherapie mit Opiodersatzstoffen zeitweilig immer wieder in die Kritik, nicht so schadensbegrenzend wie erhofft zu sein (Heinemann et al. 2000).
Insbesondere die Substitutionssubstanz Methadon steht wegen ihres gehäuften Vorkommens als Todesursache bei Abhängigen und auch Personen in deren näherem Umfeld schon seit einigen Jahren immer wieder unter kritischer Betrachtung (Iwersen-Bergmann et al. 1999). Inzwischen haben die tödlichen Monointoxikationen mit Methadon die Anzahl der Rauschgifttodesfälle überholt, die auf ausschließliche Einnahme von Heroin zurückzuführen sind.
In Hamburg sind nach aktuellen Schätzungen etwa 9.300 Menschen abhängig von Opioiden – darunter befinden sich 3.952 Substituierte unter der Aufsicht von 92 Ärzten (Stand Juli 2019). Deutschlandweit betreuen derzeit 2.607 Ärzte 79.700 Substitutionspatienten (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte / Substitutionsregister 2020).
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob sich für Substituierte bei der Auswertung der Daten der Hamburger Drogentoten Unterschiede im Vergleich zu Nicht-Substituierten ergeben. Diese Fragestellung bedingt gleichzeitig die Untersuchung der folgenden Sachverhaltszusammenhänge:
• wie alt ein Rauschgifttoter heute im Vergleich zu den 1990er Jahren und damit vor Einführung der Substitutionsbehandlung wird,
• welche Ursachen zu einem Drogentod führen,
• ob es geschlechtsspezifische Unterschiede bei Drogentoten und Substituierten auch bezüglich der Haltequoten der Behandlung gibt,
• welche der gelisteten Rauschgiftabhängigen durch eine Monointoxikation mit Methadon und welche durch eine Mischintoxikation, an der Methadon beteiligt oder sogar führend ist, sterben,
• ob Rauschgifttote im Zusammenhang mit Methadon zuvor offiziell als Substituierte gelistet waren,
• welchen zusätzlichen gesundheitlichen Vorteil Patienten in einem Substitutionsprogramm im Vergleich zu Nicht-Substituierten Haben und
• welche akzidentiellen Todesfälle mit Methadon es in den vergangenen Jahren gab.
Retrospektiv analysiert wurden 3.003 in Hamburg registrierte Rauschgifttodesfälle – das umfasst die Jahre 1976 bis einschließlich 2016 sowie die Jahre von 1990 und 2016 und damit 2.569 Rauschgifttodesfälle aus der Datenbank des Instituts für Rechtsmedizin in Hamburg.
Mittels Unterstützung der Hamburger Kassenärztlichen Vereinigung und durch eine zeitlich limitierte Ausnahmeregelung des Hamburger Datenschutzbeauftragten war es für diese Arbeit zusätzlich möglich, Rauschgifttodesfälle aus den Jahren 2007 bis 2016 genauer auf ihre eventuell vorausgegangene Substitution und die Haltequoten der Therapie zu überprüfen.
Über einen Zeitraum von zehn Jahren betrifft das insgesamt 584 gelistete Drogentote, von denen in der Gegenüberstellung im Abstand von fünf Jahren 190 Personen direkt miteinander verglichen werden – darunter 110 ehemalige Substitutionspatienten.
Die Ergebnisse der Arbeit zeigen unter anderem folgende Effekte:
• Senkung der Mortalitätsrate,
• Steigerung des Durchschnittsalters der Drogentoten,
• Abnahme der Therapieunterbrechungen unter substituierten Drogentoten sowie
• Steigerung des Alters der Substituierten, die an ihren Drogenfolgeerkrankungen versterben.

The Substitution is based on the idea of “harm-reduction”. But although substitution is officially recognized by German law since 1992 and the WHO has had methadone in the list of essential drug therapies, substitution therapy has been repeatedly criticized for not being as harm-limiting as hoped (Heinemann et al. 2000).
In particular, the substitution substance methadone has been under critical scrutiny for several years, because of its frequent occurrence as the cause of death in addicts, and also people in their immediate vicinity (Iwersen-Bergmann et al. 1999).
Meanwhile, the fatal monointoxications with methadone have overtaken the number of drug deaths that can be traced back to pure heroin.
According to current estimates, around 9,300 people in Hamburg are dependent on opioids - 3,952 of them are substituted under the supervision of 92 doctors (Federal Institute for Drugs and Medical Devices / Substitution Register 2020).
This evaluation deals with the question of whether there are differences for substituted people in the evaluation of the data on drug deaths in Hamburg compared to non-substituted people:
• how old a drug-dead person is today compared to the 1990s and thus before the introduction of substitution treatment,
• what causes lead to drug death,
• whether there are gender-specific differences in drug-related deaths and those who have been substituted with regard to retention rates for treatment,
• which of the listed drug addicts die from monointoxication with methadone and which from mixed intoxication, in which methadone is involved or even leading,
• whether drug deaths in connection with methadone were previously officially listed as substitutes,
• what additional health benefits do patients in a substitution program have compared to non-substituted people
• what accidental deaths from methadone have occurred in recent years.

3003 drug deaths were retrospectively analyzed in Hamburg - this includes the years 1976 up to and including 2016, as well as a more detailed analysis of the years between 1990 and 2016 and thus 2569 drug deaths from the database of the Institute for Forensic Medicine in Hamburg.
Thanks to the support of the Hamburg Association of Statutory Health Insurance Physicians and a temporary exception regulation by the Hamburg Data Protection Officer, it was also possible to check drug deaths from 2007 to 2016 more precisely for any previous substitution and the retention rates of the therapy.
Over a period of 10 years, this affects a total of 584 listed drug deaths, of which 190 people are compared directly with each other every five years - including 110 former substitution patients.
Over a period of 10 years, this affects a total of 584 listed drug deaths, of which 190 people are compared directly with each other every five years - including 110 former substitution patients.
The results of the work show, among other things, the following effects:
1. Lowering mortality rates
2. Increase in the average age of drug deaths
3. Decrease in therapy interruptions among substituted drug deaths as well
4. Increase in the age of those substituted who die from drug complications.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/9489
URN: urn:nbn:de:gbv:18-ediss-99029
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Iwersen-Bergmann, Stefanie
Püschel, Klaus
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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