Titel: Die Fähigkeiten von Krebspatient(inn)en bei der Suche nach krebsbezogenen Online-Informationen und ihr Vertrauen in diese Informationen
Sprache: mehrsprachig
Autor*in: Lange-Drenth, Lukas
Schlagwörter: Gesundheitskompetenz; Telemedizin; Vertrauen; digitale Gesundheitskompetenz; systematische Übersichtsarbeit
GND-Schlagwörter: GesundheitskompetenzGND
VertrauenGND
InformationskompetenzGND
InternetGND
GesundheitsinformationssystemGND
Erscheinungsdatum: 2022
Tag der mündlichen Prüfung: 2022-10-19
Zusammenfassung: 
Hintergrund: Die Suche nach krebsbezogenen Informationen im Internet hilft Krebspatient(inn)en, ihren ungedeckten Informationsbedarf zu befriedigen, und versetzt sie in die Lage, eine aktivere Rolle im Umgang mit ihrer Krankheit zu spielen. Die Entscheidung der Patient(inn)en, ob Sie die gefundenen Informationen nutzen, hängt stark von der Vertrauenswürdigkeit der Informationen und des Mediums ab. Außerdem müssen die Patient(inn)en über ein ausreichendes Maß an Bedienungs-, Navigations-, Informations- und Bewertungsfähigkeiten verfügen, um von den Informationen zu profitieren. Die soziale Unterstützung der Krebspatient(inn)en untereinander ist ein wesentliches Element der stationären und teilstationären Rehabilitation. Therapeut(inn)en vermuten, dass ein hohes Maß an Internetnutzung während der Rehabilitation die sozialen Interaktionen zwischen den Patient(inn)en stark einschränken kann, wodurch das Rehabilitationsprogramm der Patient(inn)en gestört und der Behandlungserfolg gefährdet wird.
Ziel: Ziel dieser Dissertation war es, zu untersuchen, inwieweit Krebspatient(inn)en Vertrauen in krebsbezogene Online-Informationen haben. Darüber hinaus wollten wir die Bedienungs-, Navigations-, Informations- und Bewertungsfähigkeiten von Krebspatient(inn)en untersuchen. Wir stellten die Hypothese auf, dass das Ausmaß der Internetnutzung von Krebspatient(inn)en negativ mit der sozialen Unterstützung unter Patient(inn)en während ihres Klinikaufenthalts sowie mit geringeren Verbesserungen der von den Patient(inn)en berichteten Behandlungsergebnisse vom ersten bis zum letzten Tag des Klinikaufenthalts assoziiert ist.
Methode: Wir führten eine systematische Übersichtsarbeit durch. Eingeschlossen wurden Studien jeglicher Art, die das Vertrauen von Krebspatient(inn)en in Online- Gesundheitsinformationen messen. Die Qualität der Studien wurde anhand der Item-Bank des Research Triangle Institute (RTI) bewertet. Die eingeschlossenen Studien wurden in einer narrativen Synthese zusammengefasst.
21 Krebspatient(inn)en führten acht krebsbezogene Suchaufgaben im Internet durch. Die Teilnehmenden wurden gebeten, laut zu denken, während sie die Aufgaben ausführten, und die Bildschirmaktivitäten wurden aufgezeichnet. Die Arten und Häufigkeiten von Leistungsproblemen wurden ermittelt und nach einem induktiven Kodierungsverfahren in Kategorien eingeteilt. Querschnittsdaten, wie das Ausmaß der Internetnutzung der Teilnehmenden und die von den Teilnehmenden wahrgenommene soziale Unterstützung unter Patient(inn)en, wurden in der letzten Woche des Aufenthalts der Krebspatient(inn)en in der Rehabilitationsklinik erhoben. Die Behandlungsergebnisse, d. h. der Distress-, der Müdigkeits- und der Schmerzlevel der Teilnehmenden, wurden am ersten und letzten Tag des Klinikaufenthalts erhoben. Mit Hilfe einer multiplen linearen Regressionsanalyse untersuchten wir die Assoziation zwischen dem Ausmaß der Internetnutzung durch Krebspatient(inn)en und der sozialen Unterstützung unter Patient(inn)en. Wir verwendeten eine lineare Gemischte Analyse mit wiederholten Messungen, um die Assoziation zwischen dem Ausmaß der Internetnutzung durch Krebspatient(inn)en und der Veränderung der von den Patient(inn)en berichteten Behandlungsergebnisse zu untersuchen.
Ergebnisse: Von den 7.314 Publikationen, die bei der Suche identifiziert wurden, wurden sieben Querschnittsstudien in die Synthese eingeschlossen. Insgesamt 1 054 Patient(inn)en gaben an, dass sie ein gewisses oder großes Vertrauen in Online-Krebsinformationen haben; 154 Patient(inn)en gaben an, dass sie mäßiges Vertrauen in solche Informationen haben; und 833 Patient(inn)en gaben an, dass sie kein oder wenig Vertrauen in Online- Krebsinformationen, Internet-Websites als Quelle für krebsbezogene Informationen oder das Internet als Medium für krebsbezogene Informationen haben. Die methodische Qualität der eingeschlossenen Studien war unterschiedlich. Alle Teilnehmenden hatten Probleme oder Schwierigkeiten bei der Ausführung der Aufgaben. Die Performanceprobleme der Teilnehmenden wurden in vier Kategorien eingeteilt, nämlich (1) Bedienung des Computers und des Webbrowsers, (2) Navigation und Orientierung, (3) Verwendung von Suchstrategien und (4) Bewertung der Relevanz und Zuverlässigkeit von webbasierten Informationen. Die häufigsten Probleme traten in der dritten und vierten Kategorie auf. Insgesamt 90 % (19/21) der Teilnehmenden verwendeten nicht aufgabenbezogene Suchbegriffe oder unspezifische Suchbegriffe. Insgesamt 95% (20/21) der Teilnehmenden kontrollierten nicht die Quelle oder die Aktualität der gefundenen Informationen. Von den 323 Teilnehmenden gaben 279 Teilnehmende (86,4 %) an, dass sie das Internet nutzen. Während ihres Klinikaufenthalts nutzten 71 % (198/279) der Internetnutzer(innen) das Internet täglich. Das Ausmaß der Internetnutzung der Teilnehmenden während ihres Klinikaufenthalts (t315=0,78, P=.43) war nicht signifikant mit der wahrgenommenen sozialen Unterstützung unter Patient(inn)en während ihres Klinikaufenthalts assoziiert. Darüber hinaus war das Ausmaß der Internetnutzung der Teilnehmenden während des Klinikaufenthalts nicht negativ mit der Veränderung des Distreslevels (F1, 306.08=0.29, P=.59), des Fatiguelevels (F1, 308.89=0.02, P=.90) und des Schmerzlevels (F1, 306.31=1.84, P=.18) der Teilnehmenden vom ersten bis zum letzten Tag des Klinikaufenthalts verbunden.
Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse der eingeschlossenen Studien deuten darauf hin, dass etwa die Hälfte der Krebspatient(inn)en krebsspezifischen Online-Informationen, Internet- Websites als Quelle für krebsbezogene Informationen oder dem Internet als
Informationsmedium vertrauen. Die geringe Anzahl der eingeschlossenen Studien und die große Heterogenität der Studienteilnehmenden, Methoden und Ergebnisse erfordern jedoch weitere systematische Forschung. Eine beträchtliche Gruppe von Krebspatient(inn)en verfügte nicht über die notwendigen Fähigkeiten, um von krebsbezogenen Internetrecherchen zu profitieren. Künftige Maßnahmen sind erforderlich, um Patient(inn)en bei der Entwicklung ausreichender Fähigkeiten zur Internetsuche zu unterstützen, wobei der Schwerpunkt auf Informations- und Bewertungskompetenz liegen sollte. Darüber hinaus scheint das Ausmaß der Internetnutzung von Krebspatient(inn)en während ihres Klinikaufenthalts nicht negativ mit der wahrgenommenen sozialen Unterstützung unter den Patient(inn)en oder mit der Veränderung des Distress-, Fatigue- oder Schmerzlevels der Patient(inn)en vom ersten bis zum letzten Tag des Klinikaufenthalts verbunden zu sein.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/9903
URN: urn:nbn:de:gbv:18-ediss-104332
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Schulz, Holger
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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