Titel: A Critical Edition and Annotated Translation of the Late Nineteenth and Early Twentieth Century Treatise: Tārik Zamǝdra Gondar (The History of the Land of Gondar)
Sprache: Englisch
Autor*in: Beyene, Sisay Sahile
Schlagwörter: historiography; Ethiopian history; Gondar city; philology
GND-Schlagwörter: Living HistoryGND
PhilologieGND
Erscheinungsdatum: 2021-06
Tag der mündlichen Prüfung: 2021-11-12
Zusammenfassung: 
Die Tārik Zamǝdra Gondar oder Geschichte des Landes Gondar ist ein historisches Kompendium, geschrieben auf Amharisch, in der Stadt Gondar (Äthiopien) am Ende des neunzehnten Jahrhunderts oder zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, nach den verschiedenen Zerstörungen und Plünderungen, die die Stadt erlitten hatte. Sie erzählt die Geschichte Gondars, seiner Könige und Adligen und seines Klerus von der Gründung der Stadt in den 1630er Jahren bis zur Herrschaft von Mǝnilǝk II (1889–1913). Die meisten der in dieser Sammlung kopierten Episoden sind auch durch andere historiographische Korpora bekannt.
Diese komplexe Intertextualität wird in der Dissertation eingehend untersucht, um die Besonderheiten des Schreibens der Langen Königlichen Chronik, der Kurzchronik und der regionalen Tārika nagaśt zu verstehen. Die Rolle der mündlichen Überlieferung bei der Zirkulation der narrativen Elemente und Muster wird ebenfalls bewertet. Diese vergleichende Studie führt zu präzisen Hypothesen über die Milieus der Produktion der Tārik Zamǝdra Gondar: religiös, höchstwahrscheinlich pro-Ṣaggā, Gondarinisch. Insbesondere die jüngste Sammlung von Geschichten und Anekdoten zeigt, dass der Intellektuelle, der den Text verfasste, Position gegen den steigenden Einfluss des Šawā-Klerus und der Intellektuellen um König Mǝnilǝk II. bezog, welche die Geschichte der äthiopischen Nation mit einer ŠawānPerspektive aufbaute. Es war daher von entscheidender Bedeutung, die Geschichte von Gondar zu stärken, die durch die geopolitische Bewegung nach Osten und Süden und durch die Zerstörung der Archive und Bibliotheken geschwächt war.
Dieser Text ist seit dem frühen zwanzigsten Jahrhundert unter den religiösen Eliten und den bālābbātočč (Adeligen) von Gondar im Umlauf. Allerdings ist bislang nur ein kleiner Teil dieses Textes seit den 1930er Jahren durch die ethnographische Arbeit des italienischen Anthropologen Alberto Pollera bekannt, der mehrere mündliche Überlieferungen in Gondar sammelte, darunter die Anekdoten aus der Tārik Zamǝdra Gondar, welche er ins Italienische übersetzt und 1936 veröffentliche. Dennoch wird die Quelle in diesem Werk nie ausdrücklich erwähnt, obwohl die Tārik Zamǝdra Gondar die wichtigste Informationsquelle für die Gelehrten bleibt, die die Geschichte und Kultur der gondarinischen Zeit studiert haben. In ähnlicher Weise scheint Takla Ṣādǝq Makʷǝriyā, ein äthiopischer Historiker, mit diesem Text vertraut gewesen zu sein, das er einige Anekdoten in sein in den 1940er Jahren veröffentlichtes Werk aufgenommen hat. Beide Werke wurden von ausländischen und äthiopischen Historikern häufig für die Rekonstruktion der Geschichte von Gondar herangezogen. Doch die Hauptquelle, auf die sich beide Gelehrten bezogen, scheint seit fast einem Jahrhundert in Vergessenheit geraten zu sein. Es ist diese Quelle, die diese Dissertation nun ans Licht bringt.
Die Tārik Zamǝdra Gondar ist durch vier handschriftliche Manuskripte bekannt, die sich in Archiven und Privatsammlungen in Äthiopien, Frankreich und Italien befinden, sowie durch einen zusätzlichen Zeugen. Die Dissertation bietet einen kritisch rekonstruierten Text, der zum ersten Mal ediert, übersetzt und kommentiert wird. Eine rekonstruktive genealogische Methode wird angewandt, um die Beziehung der verfügbaren handschriftlichen Zeugen zu bestimmen und das Stemma codicum auf der Grundlage der gemeinsamen Fehler und abweichenden Lesarten zu ermitteln. Die kritische Edition wird mit kritischem Text, abweichenden Lesarten und Interpunktion unter Verwendung des Classical Text Editor, einer Computersoftware, die für die Erstellung kritisch edierter Texte entwickelt wurde, angelegt. Außerdem werden die Sprache, der Inhalt, die Struktur und die Organisation des Textes untersucht; und alle relevanten Fragen werden in den einleitenden Kapiteln angesprochen. So wird die Beziehung zwischen der Tārik Zamǝdra Gondar und anderen historischen Texten der gondarinischen Periode wie der Kurzen Chronik, der Langen Chronik, regionalen Tārika nagaśt, und Klosterchroniken analysiert. Auch paläographische und orthographische Besonderheiten sowie regionale dialektale Formen, die sich im Text widerspiegeln, werden berücksichtigt und entsprechend diskutiert.
Der kritische Text wird ins Englische übersetzt und annotiert. In der Annotation werden lokale Ortsnamen verortet, historische Figuren des königlichen Hofes und des Klerus ebenfalls kurz angesprochen. Darüber hinaus werden die literarischen Quellen, auf die sich der Autor des Textes bezieht, mit den Lesarten vorgestellt, die aus den Quellen wie Bibel, hagiographische Texte, Werke der ʾandǝmtā-Exegese und zeitgenössische Werke der mündlichen Überlieferung sowie historiographische Werke der gondarinischen Zeit
hervorgehen. Mündliche Überlieferungen, wie sie vom siebszehnten bis neunzehnten Jahrhundert von europäischen Reisenden aufgezeichnet wurden, werden ebenfalls herangezogen, um die Zirkulation einiger der Anekdoten lange vor der Kompilation der Tārik Zamǝdra Gondar zu zeigen. Parallele Lesarten aus den Werken Polleras und späterer lokaler und ausländischer Gelehrter werden angegeben, um die Natur und die Entwicklung der mündlichen Überlieferung im Laufe der Zeit zu zeigen.
Zusammenfassend bietet die Dissertation eine gründliche Analyse der in der Tārik Zamǝdra Gondar verwendeten Sprache und Paläographie. Amharisch, die äthiopische Volkssprache, war Ende des neunzehnten Jahrhunderts noch kaum schriftlich fixiert, und Regionalismen und historische Besonderheiten bedürfen noch einer gründlichen wissenschaftlichen Aufmerksamkeit. Dieser Text ermöglicht die Identifizierung präziser regionaler Muster wie Sozialstruktur und -organisation, Religion und Politik der damaligen Zeit. Die kritische Edition, Übersetzung, Kommentierung und Analyse der Tārik Zamǝdra Gondar öffnet den Vorhang für die historiographische Tradition der gondarinischen Gesellschaft nach den aufeinanderfolgenden Zerstörungen und am Vorabend ihrer
Modernisierung.

The Tārik Zamǝdra Gondar or History of the Land of Gondar is an historical compendium written in Amharic, in the city of Gondar (Ethiopia) at the end of the nineteenth century or at the beginning of the twentieth century, after the various destructions and looting
that the town had suffered. It narrates the history of Gondar, of its kings and nobles and of its clergy from the foundation of the city in the 1630s up to the reign of Mǝnilǝk II (1889–1913).
Most of the episodes copied in this collection are known through other historiographic corpora. This complex intertextuality is studied in depth in the dissertation in order to understand the specificities of writing the Long Royal Chronicles, the Short Chronicles and the regional Tārika nagaśt. The role of oral traditions in the circulation of the narrative elements and patterns is also evaluated. This comparative study leads to precise hypothesis about the milieus of production of the Tārik Zamǝdra Gondar: religious, most probably pro-Ṣaggā, Gondarine.
In particular, the most recent collection of stories and anecdotes shows that the intellectual who composed the text took position against the rising influence of the Šawān clergy and the intellectuals surrounding King Mǝnilǝk II and building up the history of the Ethiopian nation with a Šawān perspective. It was therefore critical to strengthen the history of Gondar, weakened by the geopolitical movement toward east and south and by the destruction of its archives and libraries.
This text has been circulating among the religious elites and the bālābbātočč (nobles) of Gondar since the early twentieth century. However, only a small part of this text has been known since the 1930s due to the ethnographic work of the Italian Anthropologist Alberto Pollera, who collected several oral traditions in Gondar including the anecdotes in the Tārik Zamǝdra Gondar that was translated into Italian and published in 1936. Yet, this work never mentions the source specifically, although the Tārik Zamǝdra Gondar remains the major source of information for the scholars who studied the history and culture of the Gondarine period.
Similarly, Takla Ṣādǝq Makʷǝriyā, an Ethiopian historian, seems familiar with this text and incorporated few anecdotes in his work published in the 1940s. Both works have been widely referred by foreign and Ethiopian historians for the reconstruction of the history of Gondar. Yet, the main source both scholars referred to seems to have been forgotten for almost a century. It is this source which this PhD dissertation brings now to light.
The Tārik Zamǝdra Gondar is known through four physical manuscripts housed in archives and private collections in Ethiopia, France, and Italy, as well as one additional witness. The dissertation provides a critically reconstructed text, which is edited, translated, and annotated for the first time. A reconstructive genealogical method is applied to determine the relationship of the available manuscript witnesses and establish the stemma codicum based on the errors and variant readings shared in common. The critical edition is laid out with critical text, variant readings, and punctuation, using the Classical Text Editor, a computer software designed for producing critically edited texts.
Besides, the language, content, structure, and organization of the text is studied; and all the relevant issues are addressed in the introductory chapters. Hence, the relationship between the Tārik Zamǝdra Gondar and other historical texts of the Gondarine period such as the Short Chronicle, the Long Chronicle, regional Tārika nagaśt, monastic chronicles are analyzed. Also, peculiar palaeographic and orthographic features as well as regional dialectal forms reflected in the text are taken into consideration and discussed accordingly.
The critical text is translated into English and annotated. In the annotation, local place names are located, historical figures of the royal court and the clergy also briefly addressed. Moreover, the literary sources referred by the author of the text are presented with the readings that appears from the sources such as Bible, hagiographic texts, works of the ʾandǝmtā exegesis, and contemporary works of oral traditions as well as historiographic works of the Gondarine period. Oral traditions that had been circulating between the seventeenth and nineteenth centuries as reported by European travellers are also used to show the circulation of some of the anecdotes much before the compilation of the Tārik Zamǝdra Gondar. Parallel readings from the works of Pollera and of later local and foreign scholars are indicated to show the nature and the evolution of the oral tradition over time.
To sum up, the PhD dissertation offers a thorough analysis of the language and palaeography used in the Tārik Zamǝdra Gondar. Amharic, the Ethiopian vernacular, was still rarely written at the end of the nineteenth century, and regionalisms and historical features still need a thorough scientific attention. This text allows the identification of precise regional patterns such as social structure and organization, religion, and politics of the time.
The critical edition, translation, annotation, and analysis of the Tārik Zamǝdra Gondar open the curtain on the historiographic tradition of the Gondarine society at the aftermath of the successive destructions and at the eve of its modernization
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/9922
URN: urn:nbn:de:gbv:18-ediss-104593
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Bausi, Alessandro
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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