| Titel: | Relevanz pharmazeutischer Interventionen im Krankenhaus: Implikationen für die Arzneimitteltherapiesicherheit | Sprache: | mehrsprachig | Autor*in: | Berger, Vivien | Schlagwörter: | Arzneimitteltherapiesicherheit; Pharmazeutische Intervention; Arzneimittelbezogenes Problem; Medikationsfehler; CLEO-Tool; Enterostoma | GND-Schlagwörter: | Klinische PharmazieGND EnterostomatherapieGND ResorptionGND InterventionGND ValidierungGND |
Erscheinungsdatum: | 2026 | Tag der mündlichen Prüfung: | 2026-08-20 | Zusammenfassung: | Hintergrund In einer zunehmend komplexen medizinischen Versorgung ist ein sicherer Medikationsprozess essenziell. Pharmazeutische Interventionen (PI) von Stationsapothekern können hier einen wichtigen Beitrag leisten. Ein bislang wenig untersuchtes Patientenkollektiv sind Enterostoma-Patienten, welche aufgrund ihrer veränderten Anatomie und einer potenziell gestörten Arzneistoffresorption ein erhöhtes Risiko für arzneimittelbezogene Probleme (AbP) aufweisen. Ziel dieser Arbeit war es, die Art, die klinische Relevanz sowie die Messbarkeit von PI in verschiedenen Kontexten zu untersuchen. Die Arbeit gliedert sich in drei Projekte: I. Systematische Evaluation von PI im Closed Loop Medication Management (CLMM) und deren Auswirkungen auf die Arzneimitteltherapiesicherheit. II. Untersuchung des Nutzens eines intensivierten Medikationsmanagements bei Enterostoma-Patienten. III. Deutschlandweite Validierung des CLEO-Tools (Clinical, Economic, Organisational) als Klassifizierungssystem zur Messung der Relevanz von PI. Methoden In einer prospektiven, systematischen Evaluation wurden die durchgeführten PI von Stationsapothekern innerhalb einer repräsentativen Arbeitswoche analysiert (Projekt I). Die Klassifizierung der PI erfolgte nach ADKA-DokuPIK, während die Schwere der Medikationsfehler mittels des National Coordinating Council for Medication Error Reporting and Prevention (NCC MERP) Index bewertet wurde. In einer prospektiven, interventionellen Kohortenstudie wurde ein intensiviertes Medikationsmanagement für Enterostoma-Patienten mittels strukturierter Patientengespräche und Typ-3-Medikationsanalysen evaluiert (Projekt II). Zur Messung der Relevanz von PI wurde das CLEO-Tool deutschlandweit von Krankenhausapothekern validiert und die Interrater- (Krippendorff’s α) sowie die Intrarater-Reliabilität (Intraklassenkorrelationskoeffizient, ICC) berechnet (Projekt III). Ergebnisse Im Rahmen der Evaluation (Projekt I) wurden 1.329 PI dokumentiert (Akzeptanzrate: 91,9 %). Es erfolgte bei jedem fünften Patienten eine PI. Bei Stationsapothekern innerhalb des CLMM dominierten „B-Fehler“ (Fehler hat den Patienten nicht erreicht; 56,5 %), während in der Vergleichsgruppe der Stationsapotheker, die losgelöst vom CLMM arbeiten, der Anteil an „C Fehlern“ (Fehler erreicht den Patienten; 68,2 %) überwog. Der Unterschied in der Schwere der Medikationsfehler zwischen den Gruppen war hochsignifikant (p < 0,001). In der interventionellen Studie (Projekt II) wurden 80 Enterostoma-Patienten (davon 54 Ileostoma, 26 Kolostoma) eingeschlossen. Es wurden 288 PI dokumentiert (3,6 PI pro Patient) bei einer Akzeptanzrate von 94,0 %. Die häufigsten AbP waren fehlende Verordnungen (26,4 %) sowie ungeeignete Darreichungsformen (14,9 %). Ileostoma-Patienten wiesen dabei einen signifikant höheren Anteil stomaspezifischer PI auf als Kolostoma-Patienten (p = 0,025). Die Validierung des CLEO-Tools (Projekt III) erfolgte in zwei Runden mit 79 Krankenhausapothekern aus 56 Einrichtungen in der ersten und davon 27 Ratern in der zweiten Runde. Während die Interrater-Reliabilität in beiden Runden über alle Dimensionen hinweg unzureichend war (Krippendorff’s α < 0,67), wies die Intrarater-Reliabilität nach 14-tägiger Auswaschphase für alle Dimensionen gute Werte (ICC > 0,60) auf. Schlussfolgerung Die Ergebnisse belegen, dass der Einsatz von Stationsapothekern innerhalb des CLMM das Potenzial hat, die Arzneimitteltherapiesicherheit zu verbessern. Medikationsfehler können frühzeitig identifiziert werden, bevor sie die Patienten erreichen. Insbesondere bei vulnerablen Kollektiven wie Enterostoma-Patienten erweist sich ein intensiviertes Medikationsmanagement aufgrund stomaspezifischer Risiken als relevant. Die unzureichende Reliabilität bei der Validierung des CLEO-Tools deutet auf heterogene klinisch-pharmazeutische Arbeitsweisen in Deutschland hin. Für einen flächendeckenden Einsatz von Bewertungsinstrumenten wie dem CLEO-Tool sind eine stärkere Standardisierung sowie weitere Forschung erforderlich. |
URL: | https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/12620 | URN: | urn:nbn:de:gbv:18-ediss-140906 | Dokumenttyp: | Dissertation | Betreuer*in: | Langebrake, Claudia |
| Enthalten in den Sammlungen: | Elektronische Dissertationen und Habilitationen |
Dateien zu dieser Ressource:
| Datei | Beschreibung | Prüfsumme | Größe | Format | |
|---|---|---|---|---|---|
| Dissertation_Pharmazeutische Interventionen_Berger.pdf | f76fbf516aefe51047f1ade31cbc84d9 | 24.68 MB | Adobe PDF | ![]() Öffnen/Anzeigen |
Info
Seitenansichten
201
Letzte Woche
Letzten Monat
geprüft am 30.10.2026
Download(s)
110
Letzte Woche
Letzten Monat
geprüft am 30.10.2026
Werkzeuge
