Zusammenfassung: | Seit der italienischen Einigung erlebte Rom eine stürmische und unkontrollierte Expansionsentwicklung. Durch die Industrielle Revolution wurde eine zunehmende Entleerung der ländlichen Regionen initiiert und massive Migrationsströme, die bis in die 1980er Jahre nur geringfügig abebbten, in die neue Hauptstadt hinein geleitet. Aufgrund der vorstehenden Gegensätze zwischen Einzel- und Kollektivinter... Seit der italienischen Einigung erlebte Rom eine stürmische und unkontrollierte Expansionsentwicklung. Durch die Industrielle Revolution wurde eine zunehmende Entleerung der ländlichen Regionen initiiert und massive Migrationsströme, die bis in die 1980er Jahre nur geringfügig abebbten, in die neue Hauptstadt hinein geleitet. Aufgrund der vorstehenden Gegensätze zwischen Einzel- und Kollektivinteressen, machte sich, trotz der rasanten Flächenbebauung, ein erheblicher Mangel in der Wohnungsversorgung bemerkbar. Die staatlichen und kommunalen Planungsorgane bemühten sich, die wohnungsbauliche Struktur in Bahnen zu lenken, die mit Hilfe der Generalentwicklungspläne vorgegeben werden. Die planerischen Ansätze lehnten sich an die Bedürfnisse der jeweils herrschenden Gesellschaftsformen an. So zeichnet sich in der Wahl planungspolitischer Entscheidungen deutlich der Übergang von einem liberal-kapitalistischen zu einem spätkapitalistischen System ab. Nach einer Phase des Laisser-faire wurden Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts bedeutsame Sozialreformen und Subventionierungen im Wohnungsbau beschlossen. Eine Interventionsfeindliche Nachkriegsära wurde durch dezentralisierte, linksgerichtete Bürgervertretungen der 1970er Jahre abgelöst. Diese versuchten den freien Immobilienmarkt mit Repressionen, und den sozialen Wohnungsbau mit erheblichen finanziellen Investitionen zu steuern. Die gegenwärtig defizitären, kommunalen Finanzressourcen machen hingegen eine Deregulierung und Privatisierung des öffentlichen Wohnungsbestandes unausweichlich. Bislang resultierte der Wohnungszubaubedarf des römischen Agglomerations-raumes in erster Linie aus der prosperierenden Einwohnerentwicklung. Der Ersatzbedarf errechnete sich aus den Abgängen durch Abrisse und Umwidmungen von Wohnraum in Gewerbeflächen. Da sich das demografische Umfeld, mit einer stagnierenden bis rückläufigen Einwohnerentwicklung verändert hat, ergibt sich momentan ein Mehrbedarf an Wohnungen aus einer Zunahme der Privathaushalte bei durchschnittlich größeren Wohnflächen pro Einwohner. Einerseits fragen junge Haushalte kleine, günstige Räumlichkeiten nach, andererseits verbleibt ein hoher Anteil an älteren Menschen in ihren relativ großen, qualitativ hochwertigen Wohnungen bzw. Häusern (Remanenzeffekt). Da sich bis heute eine weite Kluft zwischen Angebot und Nachfrage an erschwinglichen Wohnraum manifestiert, wird sich der Markt nun auf die Deckung des Nachhol- und oben erwähnten Mehrbedarfes konzentrieren und so einen stärkeren sozialen Ausgleich leisten. Innerhalb der erwähnten gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen sollen folgende Punkte, über die jeweiligen Untersuchungsepochen hinweg, unter die Lupe genommen werden:
— Die Entwicklung und räumliche Verteilung a. der wohnungsbaulichen Dichte b. der verschiedenen Bebauungs- und Grundrisstypen c. der Bauträgerstruktur (privat, öffentlich, genossenschaftlich) d. der baurechtlichen Voraussetzungen (planmäßig, außerplanmäßig, illegal) — Die demografische- und sozioökonomische Entwicklung mit ihrer geografischen Verteilung unter qualitativen sowie quantitativen Gesichtspunkten; — Die räumliche Preisstruktur und -Entwicklung (Mietpreise, Kaufpreise) im gesamtwirtschaftlichen Kontext.
Die vorliegende Arbeit soll mit Hilfe dieser problemorientierten Strukturanalyse einen klaren Blick auf die wohnungsbauliche Situation der Metropolregion Rom gewähren um so eine planungsrelevante Grundlage für die Zukunft zu schaffen. |