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Titel: Hüftkappenendoprothesen - Einzelstrukturanalyse und Dokumentation alter Wagnerkappen als Basis für die Interpretation des modernen Hüftkopfoberflächenersatzes
Sprache: Deutsch
Autor*in: Kluth, Luis Alex
Schlagwörter: Hüftkopfendoprothesen; Kappenendoprothesen; Totale Endoprothesen; Femurkopfnekrose; Coxarthrose; resurfacing; femur head necrosis; endoprothesis
Erscheinungsdatum: 2008
Tag der mündlichen Prüfung: 2008-10-29
Zusammenfassung: 
Kappenendoprothesen als oberflächlicher Hüftgelenksersatz wurden schon Ende der achtziger Jahre, aufgrund hoher Komplikationsraten und einer dadurch bedingten kürzeren Implantationszeit gegenüber Totalen Hüftendoprothesen (TEP), vom Markt genommen. Nichts desto trotz werden seit einigen Jahren erneut Implantatmodelle in leicht abgewandelter Form von mehreren Herstellern angeboten und eingesetzt. Um dieser Entwicklung auf den Grund zu gehen, wurden in dieser Arbeit vierzig, bei Wechseloperationen (von Kappenendoprothese zu Totalen Hüftendoprothese) gesammelten und zu histologischen Grosschnittpräparaten aufgearbeiteten Femurköpfe, reanalysiert. Die Ergebnisse der Histologien wurden anschließend mit denen von modernen Kappenendoprothesen (ASR - 31 Fälle) verglichen, welche ebenfalls in unserem Institut befundet worden sind.

Im Kollektiv der alten Kappenendoprothesen fanden wir in fast jedem Fall (37/40) die Ausbildung einer fibrös-histiozytären Reaktion. Je nach Lokalisation und Ausmaß der Bindegewebsneubildung, kam es entweder zu einer Lockerung der Kappe oder einem festen Sitz, welche in den meisten Fällen mit einer deutlichen Osteoporose einhergeht. Die Ausbildung der Fremdkörper-Reaktion entstand primär durch das Auftreten von Verschleißpartikeln (35/40), bedingt durch den Abrieb von Zement und Polyethylen, insbesondere im distalen Randbereich der Kappe. In keinem der 40 Fälle konnte eine Knochennekrose nachgewiesen werden. Die durchschnittliche Implantationszeit beträgt 7,3 Jahre bei einem Durchschnittsalter der Patienten von 56 Jahren.

Im Kollektiv an 31 modernen Kappenendoprothesen finden wir in mehr als der Hälfte der Fälle (18/31), Femurköpfe, bei denen innerhalb eines Jahres eine Knochennekrose auftrat. Mit anschließendem Umbau der Spongiosaarchitektur, kam es in 22 Fällen zu einer Schenkelhalsfraktur und anschließender Revision. Osteoporotisch veränderte Femurköpfe traten in weniger als 10% (3/31) der Fälle auf. Das Durchschnittsalter der Patienten lag hier bei 57,6 Jahren mit einer durchschnittlichen Implantationszeit von 104 Tagen.

Die Erkenntnis, im Kollektiv an alten Wagnerkappen keine einzige Femurkopfnekrose nachweisen zu können, ist neu. Sie zeigt, dass das bisherige Erklärungsmodell für die hohen Lockerungsraten der alten Wagnerkappen, verursacht durch eben diese Nekrosen, in Frage gestellt werden muss. Vielmehr sollte man in Betracht ziehen, dass es zu einer fibrös-histiozytären Reaktion kommt, ausgelöst durch Abriebprodukte, welche die Lockerungen bedingen. Hier können im Einzelfall sogar sogenannte subchondrale Ganglien, also die Bildung von Fremdkörpergranulomen als Ausdruck einer massiv fibrös-histiozytären Reaktion, entstehen. Die durchschnittliche Trabekuläre Knochendichte von 20,9% verdeutlicht die Tendenz zur Entstehung einer Osteoporose eines Femurkopfes, nach Implantation einer Wagnerkappe.
Im Gegensatz dazu steht der Verlauf der heute in Anwendung befindlichen modernen Kappenendoprothesen, bei denen eine hohe Anzahl von aspetischen Knochennekrosen und Schenkelhalsfrakturen mit anschließender Revision, beobachtet werden. Bei einer zusätzlich signifikant kürzeren Implantationszeit von unter 12 Monaten, sollte die Verwendung der neuen Kappenendoprothesen (hier am Beispiel der ASR), angesichts der in dieser Arbeit herausgefunden Ergebnisse, äußerst kritisch betrachtet werden.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/2371
URN: urn:nbn:de:gbv:18-39401
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Delling, Günter (Prof. Dr.)
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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