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Titel: Die Truth and Reconciliation Commission (TRC) in Sierra Leone - Umgang mit Tätern und Opfern am Beispiel Kindersoldaten - ein Beitrag zur Friedenskonsolidierung?
Sonstige Titel: The Truth and Reconciliation Commission (TRC) in Sierra Leone - Dealing with Perpetrators and Victims - the example of child soldiers - a Contribution to Peacebuilding?
Sprache: Deutsch
Autor*in: Tätzsch, Kathryn
Schlagwörter: Wahrheits- und Versöhnungskommission; Täter; Opfer; Strategische / Konfliktfähige Gruppen; Kinderschutz; Sierra Leone Truth and Reconciliation Commission; influential political and social groups; child-combatants; transitional justice; peacebuilding
GND-Schlagwörter: Sierra Leone Truth and Reconciliation Commission; Kindersoldaten; Wahrheit; Friedenskonsolidierung; Vereinte Nationen / Peacebuilding Commission
Erscheinungsdatum: 2010
Tag der mündlichen Prüfung: 2011-04-27
Zusammenfassung: 
Die vorliegende Dissertation analysiert die Rolle der Truth and Reconciliation Commission (Wahrheits- und Versöhnungskommission - TRC) (tätig von 2002-2004), die in Sierra Leone nach Ende des mehrjährigen Bürgerkriegs auch speziell auf jugendliche Täter und Opfer fokussierte. Kriegsfolgen reflektieren häufig Kriegsursachen – die Rolle sozialer Disparitäten in Sierra Leone insbesondere die so wahrgenommene sozio-ökonomische Marginalisierung jüngerer Bevölkerungsgruppen in Verbindung mit schwacher Governance, Korruption und Nepotismus sowie neo-patrimonialer Tendenzen, ethnisch-perzipierte Trennlinien und daraus resultierende Spannungen und die Rolle internationaler wirtschaftlicher Rohstoff-Interessen in Sierra Leone erfordern eine spezifisch angepaßte Kompromißlösung, sowie Addressierung der hauptsächlichen Vorkriegs-Konfliktursachen.
Die Dissertation identifiziert Ansatzpunkte der TRC in ihrer Beschäftigung mit diesen Gruppen, insbesondere Ex-Kindersoldaten, vor dem Hintergrund mehrdimensionaler gesamtgesellschaftlicher Rahmenbedingungen, und bewertet dabei die Erreichung der TRC-Zielsetzungen (öffentliche Auseinandersetzung mit vergangener Gewalt, Abbau von Trauma-Folgen und innergesellschaftlichen Spannungen, Reformanstoß/ Gewaltprävention) und ihres möglichen Beitrags zu Friedensstabilisierung.
Die vorliegende Arbeit stützt ihre Ergebnisse hauptsächlich auf die Auswertung von mehr als 30 semi-strukturierten Gesprächen mit unterschiedlichen Repräsentanten gesellschaftlicher Gruppen, um insbesondere die Perzeptionen der in den Konflikt- und die Aufarbeitung gewaltsamer Vergangenheit Involvierten widerzuspiegeln und daraufhin die Effektivität der TRC in ihrer Arbeit mit Tätern und Opfern von Gewalt hinsichtlich Friedenskonsolidierung zu bemessen. Aus der Interview-basierten Überprüfung der acht Sub-Hypothesen mit Vertretern drei unterschiedlicher gesellschaftlicher Repräsentanten (Täter/Opfer; Strategische und Konfliktfähige Gruppen (SKOG); (ehemalige) Mitarbeiter der TRC und des SC) führt die Analyse zu einer gemischten Bilanz, und die Autorin unterstreicht, daß die TRC eine notwendige, allerdings nicht hinreichende Bedingung ist, um langfristige Friedensstabilisierung mit jugendlichen Tätern und Opfern zu initiieren. Empfehlungen für die Verbesserung bei der Einrichtung zukünftiger TRCs, insbesondere die verstärkte Verbindung mit bildungs-unterstützenden und sozio-ökonomischen Maßnahmen und Integration mit lokalen und kulturell-eigenständigen Aufarbeitungs- und Versöhnungsmechanismen und/ oder die Kooperation mit institutionalisierten DDR-Prozessen wird am Ende angemahnt und weitere Forschungslücken identifiziert.

Die TRC in Sierra Leone ist ein neueres Beispiel für die Vielfältigkeit und Flexibilität dieses TRC-Instruments – T(R)Cs haben in den vergangenen Jahrzehnten erhebliche internationale Aufmerksamkeit als innovative Instrumente zur Aufarbeitung gewaltsamer Vergangenheit (meist innerhalb eines Staatsgefüges) erfahren. Ein komplementärer oder sequentieller Einsatz mit anderen – z.B. strafrechtlichen – Aufarbeitungsinstrumenten wie in Sierra Leone mit dem UN Special Court (SC) - sollte insbesondere dann, wenn strafrechtliche Aufarbeitung aufgrund überproportionaler Täterzahlen, minderjähriger Tätergruppen oder mangelhafter justizieller Kapazitäten oder mangelhaftem politischen Willen der Staatsführung nicht umfassend möglich ist, kontextabhängig und gründlich abgewägt werden, um mögliche Synergie-Effekte in Transitional Justice zu erreichen und nicht zu unterminieren.

This dissertation analyses the role of the Sierra Leonean Truth and Reconciliation Commission (TRC) (from 2002-2004), that focused on minors - perpetrators and victims - affected by the war in Sierra Leone. Consequences of war often reflect causes of war. The role of social and economic disparities in Sierra Leone combined with weak governance, patrimonial tendencies, corruption and nepotism, as well perpetuated by perceived ethnic differences as well as international interests in mineral resource exploitation in Sierra Leone required a contextualised solution, addressing root causes that fueled the war.
The dissertation identifies entry points of the TRC in dealing with those groups, in particular ex-child combatants and other war-affected children considering a multi-dimensional framework and assesses the achievements of the original aims of the TRC (revealing of truth and public documentation and acknowledgment of the past violence, reduction of trauma and its consequences such as social tensions, initiation of reforms and prevention of violence) and the TRC's potential contribution to peacebuilding. The dissertation derives its information from the analysis of more than 30 semi-structured interviews with representatives of different social groups in Sierra Leone to reflect the perceptions of those that had been involved in transitional justice and thus to assess the effectiveness of the TRC in its work with perpetrators and victims aiming at a contribution to peacebuilding. The interviewees comprise representatives of war affected children including ex-child-combatants, Government, civil society, former staff of the TRC and Special Court. The author's conclusion highlights that the TRC is an important but not sufficient factor to initiate longterm peacebuilding through and with its work with youth perpetrators and victims. The final section of the document includes recommendations for future TRCs, to also focus on improved access to youth (vocational) skills' training and education, linking with DDR-processes as well as enhanced integration of local-traditional mechanisms of reconciliation and identifies further research gaps.
The TRC and its complementary work with the Special Court in Sierra Leone prove to be crucial mechanisms in transitional justice, while the TRC can play a particular role dealing with special groups - i.e. youth victims and perpetrators, and provide support where an outgoing political regime is not capable or willing to implement comprehensive judicial follow up. Therefore, further analysis on how the TRC and Special Court mechanisms can be optimized in specific contexts to achieve syngergy effects instead of undermining each others impact, will remain a key topic within the theme of transitional justice.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/4046
URN: urn:nbn:de:gbv:18-51454
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Tetzlaff, Rainer (Prof. Dr.)
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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