Titel: Sicht von oben. "Powers of Ten" und Bildpolitiken der Vertikalität
Sonstige Titel: View from above. "Powers of Ten" and visual politics of vertical images
Sprache: Deutsch
Autor*in: Tollmann, Vera
Schlagwörter: Sichtbarkeit; digitale Bildkulturen; vertikale Bilder; Skalierung; Multiperspektivität; Bildpolitik
Erscheinungsdatum: 2020-05-30
Tag der mündlichen Prüfung: 2020-09-15
Zusammenfassung: 
Mit der machtvollen Methode des Skalierens inszenieren Charles und Ray Eames in dem ikoni-schen Kurzfilm Powers of Ten (1977) eine virtuelle Kamerafahrt, die einen vertikalen Schnitt durch die kosmologische Bilderwelt zieht. Im Unterschied zu bereits bestehenden wissenschaft-lichen Analysen zum Film, die sich in kleinerem Umfang mit Fragen der filmischen Konstruktion und Kritik an Auslassungen des Sozialen wie Politischen aufhalten, fokussiert diese Arbeit drei im Film auszumachende Parameter: Erstens Vertikalität der Blickregime und des Sehens, zwei-tens Virtualität der Bildgebung und drittens Skalierung. Bei der Analyse vertikaler Bilder steht die manipulative Arbeit zur Herstellung dieser synthetischen Sichtweise im Fokus. Virtualität bezieht sich auf solche Phänomene, die nicht als materialisierte Bilder zirkulieren, sondern durch Symbolbilder oder Datenvisualisierungen in Erscheinung treten. Skalierung wird hier zum einen als Ordnungsprinzip der Bilder und visuelle Methode der Veranschaulichung gedacht und zum anderen vom (Spieler*innen-)Körper aus, als die Bezugsgröße menschlicher Wahrnehmung be-rechnet, wie in Virtual Reality-Umgebungen. Am Beispiel zeitgenössischer, digitaler Weltbilder wie dem Globus Google Earth soll deutlich gemacht werden, inwiefern sich diese Parameter unter gegenwärtigen technologischen und infrastrukturellen Bedingungen verschoben haben. Dafür ist eine transdisziplinäre Betrachtung notwendig, da die Rezeption des Films in verschie-denen Disziplinen wie Geografie, Architekturgeschichte, Kunstgeschichte, Wissenschaftsge-schichte, Kulturwissenschaften und in der Kunst stattfand und weiterhin stattfindet. Die große Spannbreite der verwendeten wissenschaftlichen Literatur, Manuskripte und Quellen ist außer-dem durch die politischen Orte – Chicago, Kalifornien, IBM, Regierungssitz in Washington, D.C. – und die Auswirkungen der geopolitischen Szenarien Space Age und Kalter Krieg be-gründet, die Powers of Ten prägten, und nicht zuletzt durch die Vielzahl der unmittelbar an der Produktion beteiligten Arbeitskräfte.
Ich werde darlegen, dass der Eames-Film sowohl eine Geschichte optischer Medien aufruft als auch einen Ausblick auf computerbasierte Visualisierungen gibt und dabei reflektieren, wie sich diese Abbildungskonventionen in unseren Bildern von Erde und Kosmos heute niederschlagen. Beispielsweise bringt die User Culture mit GoPro-Kameras partizipativ-immersive Sichtweisen hervor. Ein kontinuierlicher Wechsel zwischen ‚teleskopischem‘, überblickendem Verständnis der theoretischen und politischen Bezüge, und ‚mikroskopischer‘, detailreicher Analyse der Bild- und Datenräume ist hier hilfreich, um die Entwicklungen jener Abbildungskonventionen von Erde und Weltraum zu verstehen, seit Charles und Ray Eames ihre ‚Meta-Sehmaschine‘ aus dem Material der Virilio’schen Sehmaschinen komponierten. Meine zentralen Forschungsfragen lau-ten: Wie hat sich also seit Powers of Ten das Verhältnis zwischen Bildern und Repräsentation verändert? Wie wirken sich die digitalen Bildkulturen auf die kosmologische Bildpolitik aus? Ausgehend von digitalen Bildpraktiken soll Donna Haraways Kritik am ‚erobernden Blick von nirgendwo‘ weitergedacht und ihre ‚Visionsmetapher‘ aktualisiert werden.
Um die Diskussion meiner Fragestellung an aktuelle kunstkritische Diskurse anzubinden und auf die künstlerische Praxis hin zu öffnen, wird jedes Kapitel durch die Besprechung eines thema-tisch in Verbindung stehenden Kunstprojekts eingeleitet. Künstlerische Arbeiten sind als reflexi-ve Instanzen im Kontext dieser Arbeit relevant, weil sie einen wesentlichen Beitrag zur Hinter-fragung von Visualität leisten.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/8774
URN: urn:nbn:de:gbv:18-ediss-89485
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Loreck, Hanne
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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