Titel: Rechtsmedizinische Prüfung der Rechtfertigung von Behandlungsfehlervorwürfen
Sprache: Deutsch
Autor*in: Klusen, Sophie Thérèse
Schlagwörter: Behandlungsfehlervorwürfe; Rechtsmedizinische Gutachten; Arzt-Patienten-Kommunikation; Vorwurfrechtfertigung
GND-Schlagwörter: Ärztlicher Kunstfehler; Rechtsmedizin
Erscheinungsdatum: 2020
Tag der mündlichen Prüfung: 2021-06-16
Zusammenfassung: 
Behandlungsfehler sind bereits vor einigen Jahren stärker in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Vielerorts wurden in diesem Zusammenhang Häufungen von Behandlungsfehlervorwürfen registriert.
In der vorliegenden Untersuchung von 1071 Behandlungsfehlervorwürfen bei im Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf obduzierten Verstorbenen zeigte sich zwischen 2007 und 2016 eine mehr als fünffache Zunahme der Fälle.
Ursächlich war in 58,7% der Fälle ein Verdacht der Ermittlungsbehörden, basierend auf der Angabe einer nicht-natürlichen oder ungeklärten Todesart in der Todesbescheinigung. Dabei wurden insbesondere Vorwürfe fehlerhafter ärztlicher Eingriffe sowie nicht näher konkretisierte Vorwürfe erhoben. 37,4% der gesamten Vorwürfe gingen von Angehörigen aus. Diese beinhalteten am ehesten ein Unterlassen sowie Therapie- oder Diagnosefehler. Pflegefehler bildeten etwa 15% der Vorwürfe ab und wurden vor allem von anderen Beteiligten erhoben. Ermittlungsbehörden sowie andere Beteiligte äußerten in der Regel einen einzelnen Vorwurf und nur in Ausnahmefällen bis zu drei Vorwürfe; Angehörige erhoben häufiger bis zu vier Vorwürfe gleichzeitig.
Beschuldigt waren mit 29,5% am häufigsten Chirurgen, gefolgt von Internisten, Pflegern und Allgemeinmedizinern.
Gerechtfertigt waren den rechtsmedizinischen Gutachten nach 20 der 1071 Vorwürfe (1,9%). 60,6% der Fehlervorwürfe wurden als ausgeschlossen und 16,6% als unwahrscheinlich beurteilt. 20,9% der Fälle konnten allein durch die Obduktion nicht endgültig geklärt werden.
Zurückführen lässt sich dieses insbesondere auf ein steigendes öffentliches Bewusstsein für ärztliche Fehler sowie zunehmende Ansprüche von Patienten und Angehörigen an medizinische Leistungen. Eine engere Einbindung der Patienten im Sinne von ausführlichen Arzt-Patienten-Gesprächen könnten das Missverhältnis zwischen den Patientenerwartungen auf der einen und dem medizinisch Machbaren auf der anderen Seite verbessern und so die hohe Zahl ungerechtfertigter Behandlungsfehlervorwürfe verringern.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/9062
URN: urn:nbn:de:gbv:18-ediss-93347
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Püschel, Klaus
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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