Titel: Wege zur beruflichen Anerkennung: Diskursanalytische Einsichten in die kommunikative Praxis in mehrsprachigen Konstellationen
Sprache: Deutsch
Autor*in: Sitzmann, Julia
Schlagwörter: Institutionelle Kommunikation; Mehrsprachigkeit; Behördenkommunikation; Funktionale Pragmatik; Instruktionsdiskurs; Migrationsdiskurs; berufliche Anerkennung; Beratung; Soziolinguistik; Anerkennungsberatung
GND-Schlagwörter: SoziolinguistikGND
MehrsprachigkeitGND
Funktionale PragmatikGND
InstruktionGND
BeratungGND
Intermediäre InstitutionGND
MündlichkeitGND
SchriftlichkeitGND
Erscheinungsdatum: 2021
Tag der mündlichen Prüfung: 2021-10-29
Zusammenfassung: 
In der vorliegenden Arbeit wird das (mehrsprachige) Handeln in der Interaktion zwischen Mitarbeiter*innen der Institution „Zentrale Anlaufstelle Anerkennung“ (ZAA) und Migrant*innen untersucht. Zweck der Gespräche ist die Vorbereitung der Konstituierung eines (zukünftigen) Entscheidungsraums hinsichtlich des Anerkennungsverfahrens im Ausland erworbener beruflicher Qualifikationen durch die Vermittlung eines Handlungsplans. Die ZAA – in ihrer Interimsposition zwischen Klient*innen und den zuständigen (und entscheidenden) Behörden – fungiert dabei als supportive Instanz im Sinne einer kollektivierten, sukzessiven Antragstellung zur Vorbereitung des Anerkennungsprozesses. Im Fokus der Arbeit steht der Gesprächsablauf allgemein sowie der allem übergeordnete Zweck der (zerdehnten) Instruktion: Aufgrund der hoch komplexen (juristischen und damit einhergehenden) administrativen Rahmenbedingungen, die sowohl die Biographie der Klient*innen als auch den Ablauf des Anerkennungsverfahrens allgemein betreffen, ist auch das zu vermittelnde Wissen und damit der gesamte Gesprächsverlauf dementsprechend komplex. In der Arbeit wird dieser Prozess abgebildet sowie ein Überblick über den gesamten Gesprächsverlauf innerhalb die-ser vorbereitenden Institution gegeben. In der Analyse werden Transkriptausschnitte der zugrundeliegenden authentischen Audioaufnahmen exemplarisch mittels der Rekonstruktion ihrer Tiefenstruktur mithilfe der funktionalpragmatischen Diskursanalyse bzgl. der folgenden zugrundeliegenden Fragestellungen analysiert: Was heißt und bedeutet es, innerhalb dieser institutionellen Kommunikation eine andere als die (einzige) offizielle Amts- und Behördensprache (Deutsch) zu verwenden und wie sieht der kommunikative Alltag dann (konkret) aus? Wie funktioniert diese (erste) Vorbereitung des Anerkennungsverfahrens? Wie findet die (gegenseitige) Vermittlung von Wissen im „(prä-)institutionellen“ Rahmen statt? Welche (sprachlichen) Besonderheiten treten auf? Wie verhält sich der mündliche Diskurs zur allgegenwärtigen Schriftlichkeit in dieser „verwaltenden“ Instanz? Vor welchen Herausforderungen stehen die Akteure, welche Rolle spielt dabei die Mehrsprachigkeit und wie kön-nen die Aktant*innen – trotz institutioneller und sprachlicher Barrieren – ein gemeinsames Verstehen erarbeiten? Die vorliegende Arbeit zeigt, wie (funktionierende) Mehrsprachigkeit aussehen und welchen Mehrwert sie für die Beteiligten bieten kann, sofern vorhandene Routinen im Ablauf als Anhaltspunkt sowie zur Orientierung genutzt werden können (vgl. u. a. ‘Rezeptive Mehrsprachigkeit’). Außergewöhnlich in den dieser Arbeit zugrundeliegenden Daten ist dabei die teilweise Verschränkung der vier bisher bekannten Dimensionen der Funktionalen Pragmatik, die im konkreten Äußerungsakt – über mehrere Sprachen hinweg – sichtbar wird. Der lange Weg der Migrant*innen vom Eintritt über die Staatsgrenze bis zum Verlassen der Abhängigkeit von den zuständigen Instanzen zeigt die Komplexität der Abläufe innerhalb dieses Gefüges. Es ist die darin verschriftlichte Rechtsprechung – und somit ein Stück Institutionalität –, das den Klient*innen letztlich – im besten Fall – ihre agency, und somit ihre Unabhängigkeit, zurückbringen kann, weshalb dieser beschwerliche Weg zur beruflichen Anerkennung auf sich genommen wird.

In this study, multilingual action within the interaction of employees of the „Zentrale An-laufstelle Anerkennung“ [„Central access point for recognition“] (ZAA) and migrants are being investigated. Purpose of these meetings is the preparation for the establishment of a (prospective) sphere of action by the mediation of an action plan with regard to the recognition process of professional qualifications that have been acquired overseas. Due to its interim position between its clients on the one and the responsible (and deciding) authorities on the other side, the ZAA functions as a supportive entity for the purposes of a collective, gradual application for the preparation of the recognition process. Focal point of this study is the general course of discussion as well as the purpose of the (expanded) instruction that is above all other: On the basis of its highly complex (juridical and therefore accompanied) administrative framework that concerns the clients’ biographies as well as the recognition process, the knowledge to be conveyed, and therefore the entire course of discussion, are intricate. In this study, this process is being illustrated as well as being given an overview of the whole course of interaction within this preparatory institution. Within the analysis, a selection of transcripts of the underlying authentic audio recordings are being exemplary analysed by means of the reconstruction of their underlying structure using the Functional Pragmatics discourse analysis regarding the following underlying questions: What does it mean to use another than the (only) officialese (German) within this institutional setting and how does the communicative daily life look like (specifically)? How does this (initial) preparation of the recognition process look like? How does the (mutual) exchange of knowledge take place in this “(pre-) institutional” setting? Which (linguistic) peculiarities occur? How is the ratio of the (oral) discourse in comparison to the ubiquitous textuality in this “administered” entity? What challenges are the participants facing, what role does multilingualism play in that matter and how can the actants – despite all institutional and linguistic barriers – develop a common understanding?
This present study shows how (functioning) multilingualism can look like and what added value it can offer to all parties concerned, as long as existing routines are being used as a guide as well as orientation (cf. ‘receptive multilingualism’). Exceptional in these data is the partial entanglement of the four (yet to date) known dimensions of the functional pragmatics, that is becoming apparent – across several languages – within the concrete act of expression. The long walk of the migrants, from their entry from crossing the border until leaving the dependency of the responsible entities shows the procedures’ complexity within this framework. It is the inherent written jurisdiction – and therefore a last piece of institutionality that can – at best – restore the clients’ agency and therefore their independency which is why they are willing to accept this long road to professional recognition.
URL: https://ediss.sub.uni-hamburg.de/handle/ediss/9385
URN: urn:nbn:de:gbv:18-ediss-97546
Dokumenttyp: Dissertation
Betreuer*in: Bührig, Kristin
Enthalten in den Sammlungen:Elektronische Dissertationen und Habilitationen

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