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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:gbv:18-99264
URL: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2019/9926/


Deliberative Demokratie und Religion. Zum Status religiöser Argumente in der politischen Deliberation – ein moderat-inklusivistischer Ansatz

Deliberative Democracy and Religion. The Status of Religious Reasons in Political Deliberation - a Moderate Inclusive Approach

Richter, Jan Achim

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SWD-Schlagwörter: Religion , Deliberative Demokratie , Habermas, Jürgen , Rawls, John , Stout, Jeffrey , Politik , Legitimität , Vernunft , Liberalismus , Pluralismus
Freie Schlagwörter (Deutsch): Religiöse Argumente , Howard H. Schweber
Freie Schlagwörter (Englisch): Religious arguments , deliberative democracy
Basisklassifikation: 08.45 , 89.05 , 89.12 , 89.35 , 89.55
Institut: Sozialwissenschaften
DDC-Sachgruppe: Politik
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Willems, Ulrich (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 02.02.2018
Erstellungsjahr: 2019
Publikationsdatum: 19.09.2019
Kurzfassung auf Deutsch: Die Forschungsfrage dieser Arbeit lautet, welchen Status religiöse Argumente in der deliberativen Demokratie einnehmen können. Zur Beantwortung dieser Frage wird die Arbeit in drei Teile gegliedert: Im ersten Teil wird ein systematischer Überblick über die verschiedenen Überlegungen zum Status religiöser Argumente in der politischen Deliberation gegeben. Dabei wird zwischen exklusivistischen, intermediären und inklusivistischen Ansätzen unterschieden. Exklusivistische Ansätze schließen religiöse Argumente vollständig aus der politischen Sphäre aus, weil sie für gefährlich gehalten werden und weil sie ein Ideal der öffentlichen Vernunft mit dem liberalen Legitimitätsprinzip befürworten, nach dem nur diejenigen politischen Entscheidungen legitim sind, die mit allgemein zugänglichen und akzeptablen Gründe gerechtfertigt werden können. Intermediäre Ansätze hingegen sprechen religiösen Argumenten einen Platz in der öffentlichen Beratung zu. Aus denselben Gründen wie exklusivistische Ansätze verlangen sie jedoch von religiösen Bürgern, sich auf öffentliche oder säkulare Gründe zu beschränken, wenn sie eine politische Entscheidung rechtfertigen. Vertretern inklusivistischer Ansätze geht auch dies nicht weit genug. Sie geben jegliche argumentativen Selbstbeschränkungsanforderungen auf und verlangen stattdessen, dass der öffentliche Diskurs durch Tugenden reguliert werden sollte. Damit können dann auch religiöse Argumente als Rechtfertigungen politischer Entscheidungen fungieren.
Jede dieser Ansätze wird ausführlich vorgestellt und kritisch analysiert. Dabei wird gezeigt, dass einerseits alle Ansätze bestimmte Defizite aufzeigen. Andererseits wird herausgearbeitet, dass die Verortung religiöser Argumente wesentlich von Annahmen über die Religion und die Vernunft abhängen. Daher wenden sich die weiteren Überlegungen der Arbeit im zweiten Teil diesen Annahmen zu. Als Ergebnis lässt sich festhalten, dass die Annahme, religiöse Überzeugungen bedrohten in besonderer Weise die Stabilität der politischen Ordnung, nicht aufrechtzuerhalten ist. Zudem wird belegt, dass religiöse Argumente nicht in jedem Fall unzugänglich sind oder für infallibel gehalten werden. Allerdings können religiöse Argumente nicht allgemein akzeptabel sein. Damit sind religiöse Argumente prinzipiell als Rechtfertigungen für politische Entscheidungen nicht legitim. Allerdings – so die These – gibt es Fälle (wie etwa die Frage des Schwangerschaftsabbruchs), bei denen öffentliche Gründe nicht ausreichend sind, um zu einer politischen Entscheidung zu gelangen. Für diese Fälle ist ein Rückgriff auf religiöse Argumente erlaubt, die so den Status von Rechtfertigungsgründen erhalten. Vor diesem Hintergrund wird für einen moderat-inklusivistischen Ansatz plädiert, in dessen Mittelpunkt deliberative Verhandlungen und „inklusive Kompromisse“ (Willems) innerhalb eines „deliberativen Systems“ stehen. So eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten der Einflussnahme religiöser Argumente in der politischen Sphäre.
Kurzfassung auf Englisch: The dissertation deals with the status of religious arguments in a deliberative democracy. It is structured in three parts: The first part gives an extensive overview of the main approaches within the debate about the role of religious arguments. Three approaches will be discussed: An exclusive view which excludes religious reasons from the political sphere because it assumes that religious convictions are dangerous and cannot be accessible nor acceptable to all citizens. In contrast, the intermediate position holds that religious reasons can be part of the public debate but cannot become a legitimate argument for the justification of political decisions. Lastly, the inclusive view holds that religious arguments have a “justificatory force” in political debate so they can function as legitimate justifications of political decision.
It will be demonstrated that each approach has its own problems. Moreover, it will be highlighted that the status of religious arguments depends in large part on certain assumptions about religious convictions. Therefore, the second part focuses on these assumptions.
First, it will be shown that religious convictions are no more a threat to the stability of a political order than secular convictions. Thus, the exclusion of religious arguments on grounds of an allegedly violent character of religious convictions cannot be justified.
Second, the liberal principle of legitimacy, according to which, political decisions must be acceptable to all citizens, will be defended against the inclusive view. Therefore, the question arises, which of the essential criteria for legitimate arguments in a deliberative democracy religious arguments can fulfill. It will be demonstrated that religious arguments can be accessible and fallible. Yet they cannot achieve the status of reasons acceptable to all. In another step it will be argued that public reason is incomplete thereby unable to resolve all political questions on its own. Resulting from this deficiency nonpublic reasons gain a justificatory status in these cases of incompleteness.
This leads to the third part in which a moderate-inclusive view will be developed. This view will be combined with a “systemic approach” of deliberative democracy. This move allows for a variety of ways in which religious arguments can be included into the political sphere. Central to this part is the idea of deliberative negotiations and an “inclusive compromise” (Willems) to solve problems of incompleteness. Furthermore, it will be highlighted that it is necessary to differentiate the status of religious arguments according to several criteria.

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